

Interessanter Nachmittag im Rathaus mit deutschem Feinstaub-Experten: Bgm. Mag. Siegfried Nagl (r) begrüßte Dr. Joachim Heyder (M), links Umweltreferent Bgm.-Stv. Walter Ferk.Ein interessiertes Fachpublikum war heute Nachmittag auf Einladung des Grazer Bürgermeisters ins Media Center der Stadt Graz ins Rathaus gekommen, um den Ausführungen des international renommierten und mehrfach für seine Arbeit ausgezeichneten Aerosolforschers Prof. Dr. Joachim Heyder zum Thema „Ist das toxische Potenzial der Luft wirklich größer geworden?“ zu folgen. Heyder ist an der Universität München im Forschungszentrum für Umwelt und Gesundheit tätig.
Bürgermeister Mag. Siegfried Nagl begrüßte den Experten herzlich und unterstrich: „In Graz kehren wir Probleme nicht unter den Tisch, wir packen sie an und suchen Lösungen. Das von Experten entwickelte Maßnahmenpaket gegen den Feinstaub, das in Graz umgesetzt wird, ist international beachtet; aus zahlreichen Ländern kommen Gäste, um zu erfahren, was wir gegen den Feinstaub tun.“ Auch Umweltreferent Bgm.-Stv. Walter Ferk betonte, dass die Stadt mit zwei Strategien wirkungsvoll gegen das Feinstaubproblem angeht: Mit der verstärkten Förderung des öffentlichen Verkehrs, auch über die Stadtgrenzen hinaus, und mit der Förderung der Umrüstung von Diesel-Kraftfahrzeugen auf Partikelfilter – hier geht die Stadt ja beim eigenen Fuhrpark bzw. bei den GVB-Bussen mit gutem Beispiel voran.
Prof. Dr. Joachim Heyder machte in seinem Vortrag auf folgende neue Aspekte seiner mehr als 15-jährigen Forschungstätigkeit aufmerksam:
Je kleiner ein Feinstaubpartikel, desto größer ist sein toxikologisches (also giftiges) Potenzial. Größere Feinstaubpartikel werden von den Flimmerhärchen der Lungenbronchien abgeschieden, feine und ultrafeine Partikel können aber bis in die Tiefe der Lunge und von dort in den Blutkreislauf und weiter in alle Körperorgane gelangen.
Zielorgane für inhalierte Feinstaubpartikel sind nicht nur, wie bisher angenommen, das Atemsystem, sondern auch das Gehirn und das Herz-Kreislauf-System.
Nicht die Masse oder die Größe des Feinstaubs – ob es sich also um ultrafeine oder feine Partikel handelt – ist für die Gesundheit des Menschen relevant, sondern die Größe der Oberfläche der Partikel.
Schlussfolgerung des deutschen Forschers: Die bisher angewandten Grenzwerte für die Feinstaubbelastung sind unter Umständen nicht relevant für die gesundheitlichen Auswirkungen der Fein- und Feinstpartikel und müssen überdacht werden. „Welche Parameter bergen die richtigen und wichtigen biologischen Werte?“, stellte Prof. Heyder eine bedeutsame Frage in den Raum.
Heyder hielt fest, dass die Diskussion über Feinstaub zu hysterisch geführt wird, da jedenfalls nur 15 Prozent der Menschen überhaupt genetisch disponiert sind. „Kinder bis zum ersten Lebensjahr, alte Menschen und Personen mit Lungen- und/oder Herz-Kreislauf-Schädigung reagieren stärker auf die Partikel.“ Die Annahme, dass Asthma durch Feinstaub ausgelöst wird, sei falsch, so der Experte.
In der folgenden Diskussion wurden zahlreiche Detailfragen der Anwesenden erörtert.