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30.11.2006

Leise Hoffnung

Grazer Lärmkataster als wertvolles Instrument zur Lärmeindämmung

Verkehrsexperte und Kataster-Mitautor Prof. DI Dr. Kurt Fallast, Bürgermeister-Stellvertreter Walter Ferk sowie der Lärmfachmann und provisorische Leiter des Umweltamtes, DI Johann Ofner, bei der Präsentation. 
Verkehrsexperte und Kataster-Mitautor Prof. DI Dr. Kurt Fallast, Bürgermeister-Stellvertreter Walter Ferk sowie der Lärmfachmann und provisorische Leiter des Umweltamtes, DI Johann Ofner, bei der Präsentation.Verkehrsexperte und Kataster-Mitautor Prof. DI Dr. Kurt Fallast, Bürgermeister-Stellvertreter Walter Ferk sowie der Lärmfachmann und provisorische Leiter des Umweltamtes, DI Johann Ofner, bei der Präsentation.
 

Von Wolfgang Maget

Rund eineinhalb Jahre lang hatten der provisorische Umweltamtsleiter und Lärm-Experte DI Johann Ofner aus dem städtischen Umweltamt und der Verkehrsfachmann Prof. DI Dr. Kurt Fallast von der TU Graz an der Neuauflage des Lärmkatasters gearbeitet – heute präsentierte Umweltreferent Bürgermeister-Stellvertreter Walter Ferk gemeinsam mit den beiden „Vätern“ das Werk. „Dieser Kataster ist durch die Datenvernetzung mit der Stadtvermessung und die Einbeziehung der Zähldaten aus dem Verkehrsrechner wesentlich genauer als bisherige Modelle und somit ein wertvolles Instrument zur Lärmeindämmung für die Zukunft“, erklärte Ferk. Die Zunahme des Verkehrs habe in den vergangenen Jahren für eine tendenzielle Erhöhung der Schallbelastung gesorgt. Am lautesten lebt es sich übrigens im Nahbereich der Südautobahn, wo die durchschnittliche Tagesbelastung bei 91 dB und die nächtliche Belastung bei 84 dB liegt. Dieser Wert entspricht internationalen Messnormen zufolge dem produzierten Lärmpegel auf der Fahrbahn; an den Fenstern der Wohnungen kommen je nach Abstand deutlich geringere Belastungen an. Für fünf Meter Entfernung werden 7 dB abgezogen, für 25 Meter Distanz 14 dB. Dennoch liegen entlang der „Süd“, aber auch an den nächstfolgenden „Lärmkaisern“ 3. Südgürtel, Bahnhofgürtel und Kärntner Straße die Belastungen deutlich über den Grenzwerten der Weltgesundheitsorganisation WHO. Diese sehen – an den Fenstern gemessen – Höchstbelastungen von 55 dB am Tag und 45 dB in den Nachtstunden vor.

 
Zusammenarbeit aller betroffenen Stellen

Für eine Absenkung des Lärmpegels in den Wohnbereichen setzt Ferk auf eine Zusammenarbeit aller betroffenen Stellen der Stadt: „Wir stellen die Daten aus dem Lärmkataster natürlich allen anderen Abteilungen zur Verfügung, denn man kann auch im Bereich der Stadtplanung oder der Architektur einige Maßnahmen zur Lärmreduktion ergreifen!“ Das beginne bei der Wahl des geeigneten Wohngebietes und reiche über die richtige Platzierung und Ausrichtung eines Baukörpers zur Abschirmung des Verkehrslärms bis hin zu Lärmschutzfenstern und richtiger Gebäudedämmung. Auch über erlaubte Höchstgeschwindigkeiten lässt sich die Geräuschbelastung für die Bewohner reduzieren. Faktum ist, so Ferk: „Lärm ist nicht nur ärgerlich, er macht auch krank!“ Daher sei eine Reduktion des Lärmpegels besonders wichtig.

„Bausünden von heute sind teure Sanierungsfälle von morgen“, unterstrich der „Lärmkataster-Vater“ Johann Ofner. Der Straßenlärm ist übrigens für 70 bis 80 Prozent der gesamten Lärmbelastung verantwortlich, der Rest verteilt sich auf unterschiedlichste Quellen von der Industrie bis hin zu Freizeitaktivitäten. Mit dem Datenwerk aus dem neuen Verkehrskataster erfüllt Graz laut Ofner jetzt schon jene Vorgaben, die von der EU ab dem Jahr 2012 vorgeschrieben werden. Die Vernetzung der Daten mit dem Verkehrsrechner und mit der Stadtvermessung bringt die Möglichkeit, sogar stundenweise die so genannten Ganglinien der Verkehrs- und somit der Lärmbelastung aufzuzeigen.

 
Potenziale nutzen

Verkehrsexperte Kurt Fallast verwies auf eine andere Tatsache: „Die einzelnen Fahrzeuge sind von den Motorengeräuschen her gesehen in den vergangenen Jahren sogar leiser geworden, aber durch die Zunahme des Verkehrsaufkommens ist die gesamte Schallbelastung größer geworden!“ Jetzt gelte es, andere Potenziale zu nutzen: Durch leisere Reifen oder geeigneten Straßenbelag könnte es zu weiteren Verbesserungen kommen; darüber hinaus werde man aber auch über Baumaßnahmen, Geschwindigkeitsreduktionen oder das Überdenken des Mobilitätsverhaltens, etwa bei Einkäufen, nachdenken, denn: „Wir registrieren einen großen Zuwachs bei jenem Verkehr, der täglich die Stadtgrenze überschreitet – und daran sind die Grazerinnen und Grazer mit einem Drittel maßgeblich beteiligt!“

Der Lärmkataster wird demnächst übrigens auch im Internet abrufbar sein – und zwar unter der Adresse www.oekostadt.graz.at.

 
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