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22.11.2007

„Ich lasse mich ungern lokalisieren!“

Verleihung des Ehrenringes an Alfred Brendel

Die Verleihung im vollen Gemeinderats-Sitzungssaal 
Die Verleihung im vollen Gemeinderats-SitzungssaalDie Verleihung im vollen Gemeinderats-Sitzungssaal
 
Alfred Brendel gilt als einer der größten PianistInnen des 20. und 21. Jahrhunderts. Obwohl er heute in London lebt, verbindet ihn mit der Stadt Graz sehr viel. Brendel ist auch seit 1990 Ehrenmitglied des Musikvereins Steiermark in dessen Heimstätte, dem Stephaniensaal, er gestern Abend ein umjubeltes Klavierkonzert zum Besten gab.
 
Alfred Brendels Aufenthalt in Graz nahmen Bürgermeister Mag. Siegfried Nagl und die Mitglieder der Stadtregierung zum Anlass (Stadtsenatsbeschluss vom 12. Oktober 07), ihm in der heutigen Sondersitzung des Gemeinderates den Ehrenring zu verleihen.
 

Der „Klavierphilosoph" Brendel wurde am 5. Jänner 1931 im nordmährischen Wiesenberg geboren. „Ich lasse mich ungern lokalisieren", einbegleitete der mittlerweile 76-Jährige einmal eine Schilderung seiner klassisch-altösterreichischen Familienbande. Neben seiner Vorliebe fürs Theater zeigte sich bereits sehr früh sein außergewöhnliches pianistisches Talent. Mit sechs Jahren erhielt er Klavierunterricht und wurde in die Harmonielehre eingeführt. Als sich seine Eltern in Graz niederließen, setzte er hier seine Ausbildung fort - seine Klavierlehrerin, die Grazerin Ludovika von Kaan, sollte ihn später an den großen Edwin Fischer verweisen - und führte das Studium der Komposition, des Klaviers und des Dirigierens in der Landeshauptstadt und in Zagreb fort. Nach dem Zweiten Weltkrieg begab sich Brendel u. a. in die künstlerische „Obhut" des Grazer Komponisten und Organisten Artur Michl. Nach seinem Grazer Debut im April 1948 im Kammermusiksaal nahm Alfred Brendel keinen Unterricht mehr - der Ursprung einer Weltkarriere völlig autonom von akademischen Lehrern und ohne triebhaften Ehrgeiz. Seinen unkonventionellen musikalischen Hintergrund erklärt er heute als großen Vorteil: „Mich unterschied von anderen Musikern, dass ich nicht ungeduldig war."

 
Im Bürgermeisteramt 
Im BürgermeisteramtIm Bürgermeisteramt
 
1948 debütierte er als Pianist und gleichzeitig entstammen Kompositionen von gewaltiger künstlerischer Aussagekraft dieser Schaffensperiode. Nicht nur die Musik, auch die Malerei, die Literatur und die Sprache faszinieren Brendel bis in die Gegenwart. Der internationale Durchbruch gelang Brendel mit dem Gewinn des Busoni-Wettbewerbs 1949 in Bozen. Von da an bereiste er auf zahllosen Konzerttourneen die ganze Welt und ließ sich in London nieder.
 
Brendels Repertoire reicht von Bach bis Schönberg. Er hat als erster das Klavierwerk Beethovens in seiner Gesamtheit aufgenommen und war auch maßgeblich an der Neuentdeckung der Klavierwerke Liszts beteiligt. In den vergangenen Jahren zählten Mozarts Sonaten und Beethovens Cellowerk, das er mit seinem ebenfalls hochbegabten Sohn Adrian erschließt, zur Brendels Oeuvre in Konzerten und Aufnahmen, ebenso Schuberts Winterreise und der Schwanengesang von Matthias Görne. Als Schriftsteller trat Brendel mit musikalischen Essays und mehreren Gedichtbänden hervor. Zum Beispiel sind Gedanken und Reden unter dem Titel „Über Musik" erschienen.
 
 
Alfred Brendel wurde bereits vielfach für sein künstlerisches Engagement ausgezeichnet, er ist u. a. Ehrendoktor der Universitäten London, Oxford und Yale sowie Ehrenmitglied der Wiener Philharmoniker.
Brendel, der als wirklich Berufener bezeichnet wird, war 1949 erstmals im Grazer Musikverein zu Gast. Damals wie am gestrigen Abend zog er sein Publikum wie magisch in den Bann.
 
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