Landeshauptmann Scherfenberg (Bildausschnitt), anonym, Ende 16. Jh., Öl auf Leinwand, Alte Galerie am Landesmuseum Joanneum.
Hans von Schärffenberg war steirischer Landeshauptmann, als sich die Evangelischen im Land auf dem Höhepunkt ihrer Macht sahen. Er unterzeichnete die „Grazer Pazifi kation" von 1572, nicht aber die darauf aufbauende „Brucker Pazifi kation" von 1578, die nur mehr mündlich vereinbart wurde. Schärffenberg war der letzte Landeshauptmann, der gleichzeitig als Grazer Schloßberghauptmann fungierte. Als Gegenleistung für die Übernahme der landesfürstlichen Schulden von über einer Million Gulden durch die Landstände sicherte Erzherzog Karl II. in der „Grazer Pazifi kation" dem Adel samt seinen Angehörigen und Untertanen Gewissensund Bekenntnisfreiheit zu, die landesfürstlichen Städte blieben davon ausgeschlossen. Als Karl II. 1578 die Leitung der Militärgrenze südlich der Drau/Drava übernehmen musste und er bei deren Finanzierung ganz von den Landständen abhängig war,war er zu weiteren Zugeständnissen gezwungen. Nun erhielten mit der „Brucker Pazifi kation" - der Landtag war wegen der Pest in Graz/Gradec dorthin ausgewichen - auch die Bürger der Städte und Märkte Religionsfreiheit.
Diese Zusage wurde allerdings nur mündlich und nur für die Person Karls II. bindend abgegeben. Damit war allerdings der Zenit für die Evangelischen erreicht. Denn im Augsburger Religionsfrieden war ja festgelegt worden, dass der Landesfürst den Glauben seiner Untertanen bestimmen dürfe, und die katholische Seite begann auf einer Konferenz in München 1579 mit der Planung, wie diesem Reichsrecht wieder Geltung verschafft werden könnte.