

Johann Ulrich von Eggenberg (Bildausschnitt), anonym, undatiert, Stich, Steiermärkisches Landesarchiv.
Der Urenkel Balthasars war einer der wichtigsten politischen Akteure im Zeitalter der Glaubenskämpfe. Der Grazer Patriziersohn wuchs als „Protestant" auf und erhielt am Tübinger Stift eine profunde humanistische Ausbildung. Sein Instinkt für den unsteten Gang der Machtverhältnisse ließ ihn 1595 die Fronten wechseln. In Graz/Gradec regierte ein erklärter Feind der Reformation: Erzherzog Ferdinand, Regent von Innerösterreich und ab 1619 römisch-deutscher Kaiser. Ihm stand Johann Ulrich, nunmehr Katholik, als Berater und persönlicher Freund lebenslang zur Seite. Politischer Sinn und diplomatisches Talent verhalfen Johann Ulrich zu enormer Macht und einer Fülle von kaiserlichen Gunstbeweisen. 1623 wurde er Reichsfürst, 1625 Gubernator von Innerösterreich, 1628 gewann er die erbliche Herzogswürde. Das alte gotische Anwesen wurde nun zu einer großartigen Residenz ausgebaut, Resultat seiner Reisen nach Italien und Spanien: Schloss Eggenberg. Jedoch erlebte er dessen Fertigstellung nicht mehr.
Ulrich Becker