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Über Graz

Joseph Benedikt Withalm, Baumeister

1771–1865

Joseph Benedikt Withalm (Bildausschnitt), Josef Schlanderer, um 1810, Öl auf Leinwand, stadtmuseumgraz. 
Joseph Benedikt Withalm (Bildausschnitt), Josef Schlanderer, um 1810, Öl auf Leinwand, stadtmuseumgraz.Joseph Benedikt Withalm (Bildausschnitt), Josef Schlanderer, um 1810, Öl auf Leinwand, stadtmuseumgraz.
 

Nach einem abenteuerlichen Leben, das ihn unter Napoléon I. bis nach Russland führte, fi ndet man
Withalm ab 1817 in Graz/Gradec als Baumeister. Unter seinen Grazer Bauwerken gelangten „Withalms Coliseum", entstanden im Jahr 1839, und das 1846 nach damals modernsten architektonischen Erkenntnissen geplante Eiserne Haus auf dem Murvorstadtplatz (heute Südtirolerplatz) zu großer Bekanntheit. Mit dem Eisernen Haus wurde Withalm zu einem Pionier der Eisenkonstruktion im steirischen Bauwesen. Die „Eventhalle" Coliseum bot 3000 Besuchern Platz und diente auch als Quartier für Soldaten. Nach dem Abflauen des Interesses an Veranstaltungen und dem vermehrten Bau von Kasernen wurde das Gebäude zuletzt als Bethaus der jüdischen Gemeinde benutzt. Seit 1861 war auch in Graz/Gradec die Zeit der Judensperre definitiv zu Ende.

 
Der verlorene Krieg 1859 (Magenta und Solferino) gegen die italienische Freiheitsbewegung, das „Risorgimento", führte in Österreich zu einer Wiederbelebung der Verfassungsfrage und damit zu einer innenpolitischen Teilliberalisierung. Nicht nur wurde den Evangelischen im Protestantenpatent Gleichberechtigung zugestanden, auch die Stadt Graz/Gradec verzichtete auf Antrag des Abgeordneten Dr. Rechbauer auf das Recht, „keine Juden über Nacht in ihrem Weichbild dulden zu müssen". Völlige Gleichstellung mit den anderen Religionsgemeinschaften erlangte die jüdische Gemeinde erst nach einem weiteren verlorenen Krieg, dem „Deutschen Krieg" 1866 (Königgrätz/Hradec Králové).


Franz Leitgeb / Gerhard Schwarz

 
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