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Über Graz

Franz Graf, Bürgermeister

1837–1921

Franz Graf (Bildausschnitt), Leopold Bude, 1906, Fotografie, stadtmuseumgraz. 
Franz Graf (Bildausschnitt), Leopold Bude, 1906, Fotografie, stadtmuseumgraz.Franz Graf (Bildausschnitt), Leopold Bude, 1906, Fotografie, stadtmuseumgraz.
 

In Linz begann die Beendigung des politischen Liberalismus durch Christlichsoziale, Sozialdemokraten und Deutschnationale. Das Linzer Programm des Jahres 1882 von Schönerer, Adler und anderen forderte "die Vereinigung aller österreichischen Länder deutscher Sprache einschließlich Böhmens und Mährens" und eine Annäherung an das Deutsche Reich, das nach Königgrätz/Hradec Králové ohne Österreich gegründet worden war. In Graz/Gradec begann die Überzeugung, dass es sich bei der deutschen Kultur um eine höher stehende handeln würde, nach der Resignation des liberalen Bürgermeisters Wilhelm Kienzl 1885 zu dominieren.

 
Franz Graf, der Ferdinand Portugall von 1897 bis 1912 als Bürgermeister nachfolgte, wurde schon anlässlich seiner von Paraden der Burschenschaften begleiteten Wiederwahl überregional als deutschnationaler Held gefeiert, der fast alle Parteien, die für die Badenische Sprachenverordnung waren (die eine Gleichstellung der tschechischen Sprache normierte), hinweggefegt hatte. Viele der 1800 Neubauten, die allein zwischen 1885 und 1900 errichtet wurden, sollten den "deutschen Charakter" von Graz/Gradec betonen: die Hauptpost, die Herz-Jesu-Kirche und vor allem das neue Rathaus, das aus einem den aufklärerischen Geist atmenden klassizistischen Bau ein städtebaulich auftrumpfendes Gebäude gemacht hatte, das die Renaissance deutsch deklinierte und mit den Rathausfi guren eine krude Vorstellung von der historischen Tiefe des Deutschen Reiches geben sollte.


Otto Hochreiter

 
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