Behinderte AutofahrerInnen brauchen mehr Platz
Alice Geiger, Beauftragte für Behindertenfragen der Stadt Graz, weist auf eine zusätzliche Problematik hin: „Nicht nur das Verparken von Behindertenparkplätzen, sondern auch das zu enge Parken stellt für die Betroffenen oft ein großes Problem dar. Behindertenparkplätze sind extra breit, damit Autotüren ganz geöffnet werden können. Besonders RollstuhlfahrerInnen brauchen beim Ein- und Aussteigen ausreichend Platz, um Rollstühle auf- und zuklappen und im Auto verstauen zu können. Viele Menschen denken gar nicht daran, dass ein zu knappes Parken für die betroffene Person ein unlösbares Problem darstellt."
Fiktive Strafzettel für Falschparkende
Letzte Woche waren deshalb acht MitarbeiterInnen des Vereins ERfA - Erfahrung für alle in Graz unterwegs, um Behindertenparkplätze zu kontrollieren. AutofahrerInnen, die ihre Vehikel unberechtigt auf einem Behindertenparkplatz stehen ließen, wurden mit einem fiktiven Strafzettel mit dem Hinweis „Sie parken gerade unerlaubt auf einem Behindertenparkplatz!" auf ihrer Windschutzscheibe versehen. Der Folder beinhaltete weiters eine bebilderte Erklärung, weshalb Behindertenparkplätze für die Betroffenen so wichtig sind.
20 Prozent parken widerrechtlich
Die MitarbeiterInnen des Vereins ERfA haben bei der Aktion auch darüber Buch geführt, wie viele Autos zum Zeitpunkt der Kontrollen widerrechtlich auf den Grazer Behindertenparkplätzen standen. „Von den 250 kontrollierten Parkplätzen waren 20% - also jeder Fünfte! - jener Stellplätze, die besetzt waren, widerrechtlich verparkt", so Elke Edlinger und Alice Geiger. „Unsere ‚KontrollorInnen' bekamen es meistens mit Ausreden zu tun wie: Bin nur kurz stehen geblieben um etwas abzuholen. Oder: Bin eh gleich wieder weg. Teilweise standen die Falschparkenden ganz bewusst auf einem Behindertenparkplatz - es sei sonst halt nichts frei gewesen, war dann die Antwort. Der Großteil nahm jedoch die fiktiven Strafzettel reumütig und mit offensichtlich schlechtem Gewissen entgegen. Dies zeigt, wie wichtig es ist, die Menschen dafür zu sensibilisieren, dass das Parken auf Behindertenparkplätzen eben kein Kavaliersdelikt ist!"
Schlechte Beschilderung
Bei der Aktion wurde auch festgestellt, dass Behindertenparkplätze oft schlecht (sichtbar) beschildert sind oder Bodenmarkierungen neu aufgemalt werden müssten. Stadträtin Elke Edlinger: „Wir werden uns dieser Sache annehmen und den zuständigen Stellen mitteilen, wo Behindertenparkplätze besser ausgezeichnet werden müssen."
Aktion wird fortgesetzt
Die Aktion soll ausgeweitet werden, so Edlinger und Geiger. Hatte man sich in der letzten Woche auf die Stadtbezirke Innere Stadt, Leonhard, Jakomini, Wetzelsdorf, Gries und Eggenberg konzentriert, so sollen ob des Erfolgs der Aktion heuer auch Kontrollen in den restlichen Stadtbezirken und auf Parkplätzen von Supermärkten und Einkaufszentren durchgeführt werden.
Text: Nina Pölzl, Büro Stadträtin Elke Edlinger
|