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28.01.2010

Architekturförderungspreise vergeben

Stadt Graz fördert in memoriam Herbert Eichholzer junge ArchitekturstudentInnen

Kulturstadtrat Wolfgang Riedler mit den TrägerInnen des 1. Preises des Herbert-Eichholzer-Architekturförderungspreises der Stadt Graz, Ulrike Tinnacher und Oliver Wildpanner. Foto: HDA/Florian Lierzer. 
Kulturstadtrat Wolfgang Riedler mit den TrägerInnen des 1. Preises des Herbert-Eichholzer-Architekturförderungspreises der Stadt Graz, Ulrike Tinnacher und Oliver Wildpanner. Foto: HDA/Florian Lierzer.Kulturstadtrat Wolfgang Riedler mit den TrägerInnen des 1. Preises des Herbert-Eichholzer-Architekturförderungspreises der Stadt Graz, Ulrike Tinnacher und Oliver Wildpanner. Foto: HDA/Florian Lierzer.
 
Beeindruckt zeigte sich Kulturstadtrat Dr. Wolfgang Riedler von den Projekten „Kunstkastl" und „345323", die im Haus der Architektur mit den diesjährigen Herbert-Eichholzer-Architekturförderungspreisen der Stadt Graz ausgezeichnet wurden. Der nach dem Grazer Architekten Herbert Eichholzer benannte Förderungspreis wird alle zwei Jahre an begabte Architekturstudentinnen vergeben. Der mit 4.400 Euro dotierte 1. Preis ging an Ulrike Tinnacher und Oliver Wildpanner für das Projekt „Kunstkastl", Ahmed Ibrahimpašić, Boško Marušić und Ana Glavaš erhielten für das Projekt „345323" den mit 2.200 Euro dotierten 2. Preis. Der von der Fakultät für Architektur an der Technischen Universität ausgeschriebene Wettbewerb verlangte die Planung einer Kunstuniversität für MalerInnen, BildhauerInnen, Medien- und ObjektkünstlerInnen. Zu entwerfen war ein Gebäude, das zukünftige Abteilungen für Malerei, Bildhauerei, Audiovisuelles Design und Möbel/Keramik/Metall-Gestaltung beherbergen soll. Riedler verwies bei der Überreichung auf die gesellschaftspolitische Relevanz von Architektur: „Die Politik ist verpflichtet, größeres Gewicht auf die architektonische Qualität von öffentlichen Planungen zu legen!"
 
 
Verbundenheit

Benannt ist der Architekturförderungspreis der Stadt Graz nach dem am 7.1.1943 vom NS-Regime hingerichteten, zum Zeitpunkt seines Todes erst 40-jährigen Grazer Architekten Herbert Eichholzer. Von 1938 bis 1940 war er als freier Mitarbeiter bei Clemens Holzmeister in der Türkei tätig und baute eine Auslands-Widerstandsgruppe der KPÖ u.a. mit der Archi-ektin Margarethe Schütte-Lihotzky auf. 1940 kehrte er illegal nach Österreich zurück, wurde zur Deutschen Wehrmacht einberufen und setzte seine politische Tätigkeit fort. Im Februar 1942 wurde Herbert Eichholzer von den Nazis verhaftet, am 9.9.1942 in Berlin zum Tode verurteilt und am 17.1.1943 in Wien enthauptet. Der Förderungspreis soll einerseits die Verbundenheit der Stadt Graz und der Technischen Universität Graz mit Herbert Eichholzer symbolisieren und andererseits die verantwortungsbewusste Auseinandersetzung des Architekten mit den Strömungen seiner Zeit fortführen. Zugleich soll auch dem architektonischen Schaffen Herbert Eichholzers ein bleibendes Denkmal gesetzt werden.

Die Preisträger werden von einer Expertenjury ausgewählt, der Univ.-Prof. Dipl.-Ing. Archi-tekt Roger Riewe, Vorstand am Institut für Architekturtechnologie an der Fakultät für Architektur an der TU Graz, vorsteht. Die weiteren Mitglieder der Jury sind: Arch. DI Christian Jabornegg, freischaffender Architekt, Jabornegg & Palffy Architects, Wien, Univ.-Prof. Dipl.-Ing. (FH) MLA MDesS Harvard Klaus K. Loenhart, Vorstand am Institut für Architektur und Land-schaft an der Fakultät für Architektur an der TU Graz, weiters O.Univ.-Prof. Hans Kupelwieser, Vorstand am Institut für Zeitgenössische Kunst an der Fakultät für Architektur an der TU Graz, O.Univ.-Prof. Mag.art. Dipl.-Ing. Dr.techn. Robert Höldrich, Professor am Institut für Elektronische Musik und Akustik an der Universität für Musik und darstellende Kunst in Graz, zugleich Vizerektor für Kunst und Wissenschaft an der Universität für Musik und darstellende Kunst in Graz, sowie Stadtrat a.D. DI Helmut Strobl und Abteilungsvorstand Dr. Peter Grabensberger.

Kunstuniversität

Inhalt des Ideenwettbewerbs war der Entwurf einer Kunstuniversität. Damit wurde die Absicht verfolgt, dem Kampf des Architekten Herbert Eichholzer für eine offene und fortschrittliche Kunst- und Kulturbetrachtung Tribut zu zollen. Denn auch wenn wir heute nicht, wie Herbert Eichholzer, mit einer menschen- und kulturverachtenden Diktatur zu kämpfen haben, muss daran erinnert werden, dass die Kunst aus dem gesamtgesellschaftlichen Zusammenhang nicht weggedacht werden kann.

Graz hat sich in den letzten Jahrzehnten im Bereich der Kunst erfolgreich positioniert, wozu die hier ansässigen Institutionen und Ausbildungsstätten maßgeblich beigetragen haben. Ein Kunststudium (Malerei, Bildhauerei, Neue Medien) wird jedoch nicht angeboten. Die Schließung dieser (Ausbildungs)lücke wurde nun im Rahmen des Studierendenwettbewerbs the-matisiert, wobei in der räumlichen Ausformulierung über das Raumprogramm hinaus auch Antworten auf die Frage nach einer zeitgemäßen Kunstuniversität gefunden werden sollten. In diesem Zusammenhang ist auch die Wahl des Wettbewerbsgrundstück zu sehen, das im Sinne der Bildung einer Kunst-Achse entlang der Leonhardstraße zwischen der Universität für Musik und darstellende Kunst, MUMUTH und dem Neubau der KUG in der Reiterkaserne an der Ecke Leonhardstraße / Merangasse ausgesucht wurde.

Die Projekte des Wettbewerbs sind noch bis 10. Februar 2010 im Haus der Architektur (Pa-lais Thinnfeld) ausgestellt und können von Dienstag bis Sonntag, 10.00 - 18.00 Uhr besichtigt werden.

Text: Büro Stadtrat Riedler

 
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