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News + Aktuelles

01.08.2010

Schloss Eggenberg ist Weltkulturerbe!

Beschluss auf der 34. UNESCO-Jahrestagung in Brasilia gefällt

Seitenansicht des Schlosses Eggenberg mit dem Parapluie auf der Kuppe des Rosenhügels 
Seitenansicht des Schlosses Eggenberg mit dem Parapluie auf der Kuppe des RosenhügelsSeitenansicht des Schlosses Eggenberg mit dem Parapluie auf der Kuppe des Rosenhügels
 

Das Grazer Weltkulturerbe ist gewachsen: Das zuständige UNESCO-Komitee hat auf seiner 34. Jahrestagung in Brasilia heute Sonntag, 1. August 2010, die Erweiterung der Grazer Welterbezone um Schloss Eggenberg beschlossen, wie Stadtbaudirektor DI Mag. Bertram Werle direkt aus Südamerika gemeldet hat. Damit wurden die jahrelangen Bemühungen von Stadt Graz und Land Steiermark von Erfolg gekrönt. "Das ist die Folge einer fünfjährigen peniblen Vorbereitung und der guten Kontakte, die wir inzwischen mit Fachleuten aus aller Welt, zum Beispiel in China, geknüpft haben", freut sich Werle, der auch vom politisch zuständigen Referenten, Bürgermeister Mag. Siegfried Nagl, bereits herzliche Glückwünsche am Telefon entgegennehmen durfte.

 
Intensive Vorarbeit
Wunderbar gelegen präsentiert sich das Schloss Eggenberg inmitten der grünen Parklandschaft. 
Wunderbar gelegen präsentiert sich das Schloss Eggenberg inmitten der grünen Parklandschaft.Wunderbar gelegen präsentiert sich das Schloss Eggenberg inmitten der grünen Parklandschaft.
 
Am Vorplatz des Schlosses stolzieren gerne Pfauen auf und ab. 
Am Vorplatz des Schlosses stolzieren gerne Pfauen auf und ab.Am Vorplatz des Schlosses stolzieren gerne Pfauen auf und ab.
 
Eine wahre Augenweide: der neu gestaltete Planetengarten 
Eine wahre Augenweide: der neu gestaltete PlanetengartenEine wahre Augenweide: der neu gestaltete Planetengarten
 
Bereits im Jahr 2005 war Schloss Eggenberg für die begehrte Aufnahme ins Weltkulturerbe der UNESCO eingereicht worden, die UNESCO erteilte Graz bei ihrer 30. Sitzung des Welterbekomitees (WHC) 2006 in Vilnius (Litauen) jedoch den Auftrag, für ihre gesamte Welterbezone einen Managementplan zu erstellen. Nachdem dieser eingereicht und von der UNESCO wohlwollend zur Kenntnis genommen worden war, wurde mit dem Universalmuseum Joanneum des Landes Steiermark gemeinsam die neuerliche Bewerbung vorbereitet. Insbesondere ging es darum, die historische Achse zwischen der bereits 1999 zum Weltkulturerbe ernannten Grazer Altstadt und Schloss Eggenberg im Westen der Stadt darzustellen und eine Pufferzone zum Schutz der historischen Baujuwele einzurichten. Für diese Aufgaben zog die zuständige Grazer Stadtbaudirektion zu Beginn des heurigen Jahres internationale Experten zu Rate, unter ihnen den berühmten englische Star-Landschaftsarchitekt Hal Moggridge, der auch im Auftrag des britischen Königshauses tätig ist, sowie den offiziellen österreichischen Welterbe-Beauftragten Ministerialrat Dr. Bruno Maldoner aus dem Kulturministerium und den Präsidenten von ICOMOS Österreich, Dr. Wilfried Lipp. Nach tagelangen intensiven Verhandlungen konnte mit Hilfe dieser Fachleute der Erweiterungsantrag für das Grazer Weltkulturerbe um Schloss Eggenberg ergänzt werden. So schaffte man nicht nur den Sprung auf die Tagesordnung der WHC-Sitzung in Brasilia, sondern auch eine Empfehlung der ICOMOS für die Aufnahme. ICOMOS ist übrigens der Internationale Rat für Denkmalpflege, der die Einreichungen für die Aufnahme ins Weltkulturerbe evaluiert und Beschlussempfehlungen abgibt.
 
Bürgermeister Nagl: "Ernennung ist Erfolg und Auftrag"
Stolz über die Erweiterung der Welterbezone Graz: Bürgermeister Mag. Siegfried Nagl 
Stolz über die Erweiterung der Welterbezone Graz: Bürgermeister Mag. Siegfried NaglStolz über die Erweiterung der Welterbezone Graz: Bürgermeister Mag. Siegfried Nagl
 
Wie sich jetzt zeigt, hat sich der Aufwand gelohnt: Das Welterbekomitee in Südamerika gab "grünes Licht" für Schloss Eggenberg. Groß ist natürlich die Freude bei den Verantwortlichen, die seit Jahren für diesen Erfolg gekämpft haben. Bürgermeister Mag. Siegfried Nagl, in dessen Ressort die Stadtbaudirektion fällt, sprach in einer ersten Reaktion von einem "wunderschönen Tag". Die Erweiterung der Welterbezone um Schloss Eggenberg sei für ihn und die Stadt Graz aber nicht nur ein toller Erfolg, "sondern auch ein Auftrag, die historischen Schätze mit aller Kraft auch für zukünftige Generationen zu bewahren".
 
"Schlossherrin" Kaiser bemüht um Erweiterung
Stolz ist natürlich auch die Leiterin des Schlosses Eggenberg, Dr. Barbara Kaiser vom Universalmuseum Joanneum des Landes Steiermark, die sich an vorderster Front um diese Erweiterung bemüht hat. "Wir freuen uns, dass die jahrzehntelange vorbildliche Arbeit des Universalmuseums Joanneum, Schloss und Park Eggenberg als Gesamtkunstwerk bestmöglich zu konservieren und zu präsentieren, nun auch belohnt wird." Ab jetzt heißt das Grazer Welterbe "City of Graz – Historic Centre und Schloss Eggenberg", also "Stadt Graz – Historisches Zentrum und Schloss Eggenberg". Das zeige, dass Schloss und Familie Eggenberg untrennbar mit der Geschichte des Landes Steiermark und seiner Hauptstadt verbunden seien, denn: "Die Eggenberger übten über Jahrhunderte wichtigen Einfluss auf die politische und ökonomische, vor allem aber auf die künstlerische Entwicklung der Stadt aus, wofür ihre Residenz am Stadtrand das bedeutendste Zeugnis darstellt!"
 
Stadtbaudirektor Werle als "Krisenfeuerwehr" in Brasilia
Die Aufnahme des Schlosses Eggenberg ins UNESCO-Weltkulturerbe ist ein großer Erfolg für die Stadtbaudirektion und deren Leiter DI Mag. Bertram Werle. 
Die Aufnahme des Schlosses Eggenberg ins UNESCO-Weltkulturerbe ist ein großer Erfolg für die Stadtbaudirektion und deren Leiter DI Mag. Bertram Werle.Die Aufnahme des Schlosses Eggenberg ins UNESCO-Weltkulturerbe ist ein großer Erfolg für die Stadtbaudirektion und deren Leiter DI Mag. Bertram Werle.
 
Strahlen darf am anderen Ende der Erdkugel aber auch der Grazer Stadtbaudirektor und Weltkulturerbe-Beauftragte, DI Mag. Bertram Werle. Er war mit dem Auftrag nach Brasilia gereist, bei eventuell auftauchenden Schwierigkeiten vor Ort als "Krisenfeuerwehr" parat zu stehen. "Unsere jahrelangen Bemühungen in engem Zusammenwirken mit dem Universalmuseum Joanneum, dem Kulturministerium, der UNESCO und ICOMOS haben sich ausgezahlt. Jetzt bekommt das Grazer Weltkulturerbe jenes abgerundete Gesamtbild, das ihm auf Grund seiner historischen Bedeutung zusteht!" Mit der Erweiterung des bestehenden Welterbes um das Schloss Eggenberg wurde das bisherige "Missing Link" eingefügt, wodurch sich das Grazer Weltkulturerbe somit als vollständiges Ganzes präsentiere, freut sich Werle.
 
Begründung für die Weltkulturerbe-Erweiterung
Die erweiterte Grazer Welterbestätte wird wie bisher unter den UNESCO-Kriterien (ii) und (iv) gelistet, mit folgender Begründung: "Historischer Stadtkern und Schloss sind das Spiegelbild einer Jahrhunderte langen Verbindung von künstlerischen und architektonischen Bewegungen, die ihren Ursprung im deutschen und mediterranen Raum und am Balkan fanden. Die bedeutendsten Künstler und Architekten haben der Welterbestätte ihren Stempel aufgedrückt und so eine brillante Synthese geschaffen. Die Stadt Graz und Schloss Eggenberg bilden das außergewöhnliche Beispiel einer harmonischen Integration der architektonischen Stile aufeinander folgender Epochen. Erscheinungsbild von Stadt und Schloss lassen deren gemeinsame historische und kulturelle Entwicklung deutlich ablesen."
 
Geschichte und Bedeutung von Schloss Eggenberg
Nach 1625 vom Norditaliener Pietro de Pomis als Residenz des kaiserlichen Statthalters Hans Ulrich von Eggenberg (1568-1634) errichtet, sollte Schloss Eggenberg ein deutliches Zeichen setzen. Es ist politische Architektur, anspruchsvolle Legitimation für die Herrschaft einer Familie. Das Haus ist als riesiges Gleichnis erbaut, ein symbolisches Abbild des Universums, in dem der gelehrte Bauherr seine Vorstellung einer idealen Welt in einer Epoche von Chaos und Auflösung formuliert. Entscheidend für den Rang von Schloss Eggenberg als Raumkunstwerk ist ein Zyklus von 24 Prunkräumen mit dem großen Planetensaal im Zentrum. In ihnen verbinden sich die Ausstattungsphasen von Barock und Rokoko zu einer aus heutiger Sicht untrennbaren Einheit von höchstem Reiz und selten so ungestörtem Erlebniswert. Vor allem der riesige Zyklus von über 500 Deckengemälden des 17. Jahrhunderts mit seinem überaus anspruchsvollen und komplexen Bildprogramm, ein charakteristisches Zeugnis für frühbarockes Weltverständnis, ist von singulärem Rang. Qualität und Umfang der erhaltenen authentischen Substanz der Eggenberger Beletage stellen einen besonderen Glücksfall dar, der deshalb auch von der Welterbekommission als "excellent" bewertet wurde, führt Dr. Barbara Kaiser aus.
 
Die UNESCO-Welterbekonvention
Die UNESCO-Welterbekonvention ist das bedeutendste völkerrechtlich verbindliche Instrument zum Schutz des Kultur- und Naturerbes der Menschheit, das von bislang 187 Staaten unterzeichnet wurde. Leitidee der Konvention ist es, die herausragenden Kultur- und Naturstätten der Erde nicht als Eigentum eines einzigen Staates anzusehen, sondern als ideellen Besitz der gesamten Menschheit. Für die Welterbeliste ausgewählt werden Stätten ausschließlich auf Basis ihrer Bedeutung als bestmögliche Beispiele für das Kultur- und Naturerbe der Welt.
 
Wie wird eine Stätte zum Welterbe?
Über die Aufnahme von Stätten in die Welterbeliste entscheidet einmal jährlich das Welterbekomitee, in dem Mitglieder aus 21 Ländern vertreten sind, die aus den Unterzeichnerstaaten gewählt werden. Beraten wird das Komitee vom Internationalen Rat für Denkmalpflege (ICOMOS) bzw. der Internationalen Naturschutzunion (IUCN), die die Einreichungen evaluieren. Zu den wesentlichen Kriterien für die Aufnahme zählen die "Einzigartigkeit" und "Authentizität" (historische Echtheit) eines Kulturdenkmals bzw. die "Integrität" (Unversehrtheit) einer Naturerbestätte. Neben dem aktuellen Erhaltungszustand muss zusätzlich ein detaillierter Managementplan vorgelegt werden. Wesentlich ist, dass nicht nur die Stätte an sich (Kernzone), sondern auch die Umgebung (Pufferzone) zum Welterbe gehört. Die Welterbeliste umfasste vor Beginn der Konferenz in Brasilia 890 Welterbestätten (689 Kultur- und 176 Naturdenkmale sowie 25 Stätten gemischten Charakters) in 148 Staaten. In Brasilia wurde und wird noch bis 3. August über weitere 39 Nominierungen aus 33 Staaten entschieden.
 
Starke Weltkulturerbe-Achse: das historische Zentrum und das Schloss Eggenberg im Westen von Graz 
Starke Weltkulturerbe-Achse: das historische Zentrum und das Schloss Eggenberg im Westen von GrazStarke Weltkulturerbe-Achse: das historische Zentrum und das Schloss Eggenberg im Westen von Graz
 
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