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Rathaus

02.03.2011

„Zwangsheirat hat bei uns keinen Platz!“

Beratung und Hilfe für Betroffene

Stellten im "Auschlössl" das Projekt "Divan" und die Tagung "Zwischen Zwangsheirat und Selbstbestimmung" vor: Bgm. Mag. Siegfried Nagl, Integrationsreferat-Leiterin Brigitte Köksal, Divan-Projektleiterin Mag.a Christina Kraker-Kölbl und Caritas-Präsident Franz Küberl (v. l.). Fotos: Stadt Graz/Fischer 
Stellten im "Auschlössl" das Projekt "Divan" und die Tagung "Zwischen Zwangsheirat und Selbstbestimmung" vor: Bgm. Mag. Siegfried Nagl, Integrationsreferat-Leiterin Brigitte Köksal, Divan-Projektleiterin Mag.a Christina Kraker-Kölbl und Caritas-Präsident Franz Küberl (v. l.). Fotos: Stadt Graz/FischerStellten im "Auschlössl" das Projekt "Divan" und die Tagung "Zwischen Zwangsheirat und Selbstbestimmung" vor: Bgm. Mag. Siegfried Nagl, Integrationsreferat-Leiterin Brigitte Köksal, Divan-Projektleiterin Mag.a Christina Kraker-Kölbl und Caritas-Präsident Franz Küberl (v. l.). Fotos: Stadt Graz/Fischer
 
25 Personen - 23 Frauen und Mädchen, 2 Männer - sind bei der Grazer Caritas-Beratungsstelle „Divan" in intensiver Betreuung. Ihr Problem: Sie sollen oder mussten auf Wunsch ihrer Eltern eine Zwangsehe eingehen, einen Bund für´s Leben mit einem ungeliebten, oft unbekannten Partner. Die Flucht vor oder aus der Zwangsehe bedeutet fast immer den Bruch mit der Familie und eine komplette Änderung des Lebens, denn oft müssen Frauen (und ihre Kinder) ihre Identität wechseln und in andere Bundesländer umziehen, um der Verfolgung und der Gewalt durch Ehemann und Vater/Brüder zu entgehen.

„Zwangsheirat, diese besondere Form von familiärer seelischer Gewalt, hat in Österreich keinen Platz, dieses Verhalten gehört ins Museum! Die Männerwelt, die bei uns solche Traditionen leben will, muss die Botschaft endlich verstehen: Bei uns ist Ehe eine Liebessache!", erklärten Bgm. Mag. Siegfried und Caritas-Präsident Franz Küberl heute eindringlich. Bei einer Pressekonferenz im „Auschlössl" stellten Nagl und Küberl sowohl das vom Integrationsreferat der Stadt unterstützte Projekt „Divan - frauenspezifische Beratung für Migrantinnen mit spezialisiertem Angebot für Betroffene von Gewalt im Namen der Ehre" als auch die Fachtagung „Zwischen Zwangsheirat und Selbstbestimmung" vor, die am Donnerstag, 10. März 2011, im Grazer Rathaus stattfindet.

 
Leidensgeschichten
Frauen, die aus einer Zwangsehe flüchten, müssen aus Sicherheitsgründen oft in ein anderes Bundesland umziehen, berichtete "Divan"-Leiterin Mag.a Christina Kraker-Kölbl von der Caritas Steiermark. 
Frauen, die aus einer Zwangsehe flüchten, müssen aus Sicherheitsgründen oft in ein anderes Bundesland umziehen, berichtete "Divan"-Leiterin Mag.a Christina Kraker-Kölbl von der Caritas Steiermark.Frauen, die aus einer Zwangsehe flüchten, müssen aus Sicherheitsgründen oft in ein anderes Bundesland umziehen, berichtete "Divan"-Leiterin Mag.a Christina Kraker-Kölbl von der Caritas Steiermark.
 

Die Mitarbeiterinnen von „Divan" werden mit unfassbaren, teils von extremer Gewalt geprägten Leidensgeschichten konfrontiert. Sie helfen mit juristischer, psychologischer, pädagogischer und ökonomischer Beratung und praktischen Lösungen, berichtete Projektleiterin Mag.a Christina Kraker-Kölbl, und es wird ein Sicherheitsplan erstellt. „Neben der Aufenthaltsunsicherheit - die meisten Frauen sind beim Niederlassungsrecht an ihre Männer gekoppelt - gibt es das Problem der Wohnversorgung derjenigen, die aus Zwangsehen ausbrechen; es herrscht Mangel an Krisenunterbringungsplätzen." Erschreckend ist, dass viele Mädchen und Frauen gar nicht wissen, dass eine Zwangsheirat gegen die Menschenrechte verstößt.

 

Bgm. Mag. Nagl forderte deutlich: „Der Staat sollte gut überdenken, ob Menschen, die ihrem Kind eine Ehe aufzwingen, die österreichische Staatsbürgerschaft erhalten sollen! Solche Menschen sollten vorgemerkt werden. Diejenigen, die die Probleme verursachen - die Eltern - bleiben bei der Diskussion ja im Hintergrund. Wir müssen Druck auf die Männer ausüben, damit sie den furchtbaren Gedanken, ihre Kinder unter Druck zu verheiraten, aufgeben." Da viele Frauen - siehe oben - in andere Bundesländer umziehen müssen, bedürfe es einer intensiven Vernetzung der Städte und die Bereitstellung von zusätzlichen Übergangs- und Krisenwohnungen. Diesen Vorschlag will Nagl in den „Österreichischen Städtebund" einbringen.

 
Die Patriarchen aufklären
Bürgermeister und Caritas-Präsident wollen die patriarchalische Männerwelt aufrütteln: "Ehe muss eine freie Willensbildung sein und darf nicht unter Zwang geschlossen werden." 
Bürgermeister und Caritas-Präsident wollen die patriarchalische Männerwelt aufrütteln: "Ehe muss eine freie Willensbildung sein und darf nicht unter Zwang geschlossen werden."Bürgermeister und Caritas-Präsident wollen die patriarchalische Männerwelt aufrütteln: "Ehe muss eine freie Willensbildung sein und darf nicht unter Zwang geschlossen werden."
 
„Wir müssen die Probleme rund um die Zwangsheirat benennen, müssen Bewusstseinsbildung betreiben und nach Lösungen suchen, um Menschen, die um ihre Zukunft kämpfen, die notwendigen Chancen zu geben. Hintergrund der Zwangsheirat ist nicht die Religion, sondern das Patriarchat. Deshalb ist die wichtigste Botschaft an die Väter und Brüder: In Österreich leben Männer und Frauen partnerschaftlich miteinander, die Grundlage der Ehe ist die freie Willensbildung!", führte Caritas-Präsident Küberl weiter aus.
 

Ein Schritt, um den Kreis der Menschen zu vergrößern, die sich gegen Zwangsheirat wenden, ist die Fachtagung „Zwischen Zwangsheirat und Selbstbestimmung" am 10. März 2011 im Grazer Rathaus. Leider ist die Tagung bereits überbucht; Anmeldungen können nur noch für die Warteliste angenommen werden (Integrationsreferat der Stadt Graz, Tel. 0 31 6/872-22 43, Mail integrationsreferat@stadt.graz.at).

Kontakt zur Beratungsstelle „Divan": Leonhardstraße 116,
Tel. 0 676/880 15 744, Mail divan@caritas-steiermark.at.
Das Team berät anonym, kostenlos und in acht Sprachen.

Links: Caritas Steiermark
Integrationsreferat der Stadt Graz
Infos zur Fachtagung "Zwischen Zwangsheirat und Selbstbestimmung"

Text: Angela Schick, Integrationsreferat der Stadt Graz

 
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