

Arme werden krank, Kranke werden arm - diese traurigen Tatsachen wurden heute im Grazer Rathaus diskutiert. Alle Fotos: Stadt Graz/Fischer„Armut macht krank - und Krankheit macht arm" war die Hauptaussage des Eröffnungsreferates von Prof. Dr. Gerhard Trabert, Sozialmediziner und Sozialpsychiater an der Hochschule RheinMain in Wiesbaden, der über „Armut und Gesundheit in Deutschland" sprach. Er berichtete von einer Entwicklung des Gesundheitssystems hin zu einer Drei-Klassen-Medizin und dass Hartz IV-BezieherInnen monatlich genau 15,55 Euro für Gesundheits-Ausgaben zur Verfügung hätten. Chronisch Kranke verarmen, arme Menschen werden häufiger krank - beide Gruppen sterben signifikant früher als gut situierte Menschen. Je größer die soziale Ungleichheit in einem Land ist, desto niedriger ist die Lebenserwartung. In Europa verhungern Menschen aber nicht nur körperlich, sondern auch geistig und seelisch, weil sie diffamiert werden, weil sie keine Anerkennung finden, weil sie nichts wert sind. Die Folgen sind Depressionen, Burn out und Suizid.
Vor allem Familien mit mehr als den statistisch durchschnittlichen 1,24 Kindern sind von Armut bedroht: „Es ist ein Skandal, dass Kinder ein Armutsrisiko sind!", wetterte Dr. Trabert und erläuterte den Teufelskreis von Armut - schlechtem Wohnumfeld - negativen Auswirkungen auf die Schulleistungen - geringerer Bildung - und wieder Armut. Trabert forderte mehr Verteilungsgerechtigkeit von den Reichen zu den Armen, gleiche Chancen im Zugang zu Bildung, Mindestlöhne, einen niedrigschwelligen Zugang zu Gesundheitseinrichtungen; schlicht: Gleichwürdigkeit. Und: „Jeder sollte sich von staatlichen Transferleistungen ausreichend und gesund ernähren sollen!"