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14.08.2012

Neue Asylschreiberin in Graz

Asli Erdogan engagiert sich für Kurdenfrage

Literatin, Menschenrechtsaktivistin, Atomphysikerin - das ist Asli Erdogan. Und seit wenigen Tagen ist die 45-Jährige auch neue Asylschreiberin der Stadt Graz. Kulturstadtrat Michael Grossmann, der die gebürtige Türkin im Cerrini-Schlössel auf dem Schlossberg, ihrem neuen Wohnsitz, willkommen hieß: „Mit dieser Initiative ermöglicht es die Stadt Graz SchriftstellerInnen, die in ihrer Heimat der Verfolgung ausgesetzt sind, weitgehend sorgenfrei ihrer Berufung nachzugehen."

 
Stadtrat Michael Grossmann hieß Asli Erdogan in Graz willkommen. (Stadt Graz/Fischer) 
Stadtrat Michael Grossmann hieß Asli Erdogan in Graz willkommen. (Stadt Graz/Fischer)Stadtrat Michael Grossmann hieß Asli Erdogan in Graz willkommen. (Stadt Graz/Fischer)
 

„Die Angst, nachts verhaftet zu werden, war mein ständiger Begleiter." Das sagt Asli Erdogan über die Jahre in ihrer türkischen Heimat, ehe sie 2011 zunächst nach Zürich und jetzt nach Graz kam. Grund für die Repressalien, denen die 45-Jährige ausgesetzt war: Sie engagierte sich journalistisch für die Rechte der Kurden, für misshandelte Frauen, für politisch Inhaftierte - Themen, die sie auch in einigen ihrer Bücher aufgriff. Zwei Romane („Der wundersame Mandarin" und „Die Stadt mit der roten Pelerine") sind auch auf deutsch erschienen. In Graz teilt sich Asli Erdogan das Cerrini-Schlössel auf dem Schlossberg mit Stadtschreiberin Barbara Markovic und dem Kurzzeit-Literaturstipendiaten Nikola Madzirov aus Mazedonien. Hier kann sie ihrer schriftstellerischen Tätigkeit nachgehen, ohne Angst vor politischer Verfolgung haben zu müssen. Sie arbeitet derzeit an einem Buch mit autobiografischen Details, das den Arbeitstitel „Nachtzug nach Graz" trägt.

Die Biografie von Asli Erdogan könnte tatsächlich mehrere Bände füllen: In Istanbul aufgewachsen, absolvierte sie ein Studium der Atomphysik und kam 1991 als Wissenschafterin ans Kernforschungsinstitut CERN in Genf. Dort litt sie laut eigener Aussage als einzige osteuropäische Frau unter Diskriminierung, kehrte für kurze Zeit nach Istanbul zurück, ehe sie nach Rio de Janeiro zog, um dort ihre wissenschaftliche Arbeit fortzusetzen. Doch die vielversprechende akademische Karriere endete abrupt, als Erdogan beschloss, zwei Jahre im südamerikanischen Dschungel zu leben und sich aufs Bücherschreiben zu verlegen. 1996 versuchte sie wieder in der Türkei Fuß zu fassen, betätigte sich als Journalistin und Menschenrechtsaktivistin. Das setzte sie trotz zunehmender weltweiter Anerkennung als Literatin immer stärker dem Druck des Regimes aus. Als die Angst vor einer Verhaftung zu groß wurde, fand die politisch engagierte Autorin mit einem Stipendium vorübergehend Aufnahme in der Schweiz, ehe sie jetzt als „Asylschreiberin" nach Graz kam.

„Mit dem Angebot, AsylschreiberInnen aufzunehmen, war Graz 1997 die erste österreichische Stadt, die sich an dem internationalen Projekt ,Städte der Zuflucht' beteiligt hat", weiß Kulturstadtrat Michael Grossmann. Seither waren im Rahmen dieser von der Stadt gemeinsam mit der Kulturvermittlung Steiermark und dem Internationalen Haus der Autorinnen und Autoren betriebenen Initiative LiteratInnen unter anderem aus Kuba, Nigeria, Usbekistan oder Bangladesch in Graz zu Gast.

 
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