

Sie sind irgendwann einmal weg gegangen aus Österreich. Oftmals aus beruflichen Gründen oder auch der Liebe wegen. Die Gründe sind vielschichtig, weshalb ÖsterreicherInnen ihr Land verließen und in die Ferne zogen. Und viele von ihnen waren „draußen in der Fremde“ überaus erfolgreich!
Waren es früher klassische „Auswanderer“, sind es heute vermehrt junge Menschen, die ein paar Jahre lang Auslandserfahrung sammeln möchten. Sie lassen ihr Land nicht hinter sich, sondern sind stark daran interessiert, mitwirken zu können und möchten in der Zeit ihrer Abwesenheit auch vertreten werden.
„Wir haben sehr oft Diskussionen über die Integration von Menschen, die zu uns nach Österreich kommen. Sehr selten haben wir umgekehrt die Gelegenheit, darüber zu sprechen, wie es Menschen geht, die wo anders hingegangen sind und dort Österreich repräsentieren“, erklärte Bürgermeister Mag. Siegfried Nagl bei der heute stattgefundenen Pressekonferenz anlässlich der Jahrestagung des Auslandsösterreicher-Weltbundes in der steirischen Landeshauptstadt. „Die Zugvögel – im Gegensatz zu uns Nesthockern – möchte ich herzlich willkommen heißen. Durch die Wertschätzung die wir ihnen entgegenbringen, wird auch die Bindung gestärkt und wir können natürlich auch davon profitieren“, so Nagl.
Vor fast genau 60 Jahren wurde für die Menschen, die es in die Ferne zog, aber deren Herz Österreich nach wie vor gehört, der Auslandsösterreicher-Weltbund gegründet. Er versteht sich als Interessensvertretung in politischer, kultureller, sozialer und wirtschaftlicher Hinsicht für die im Ausland lebenden StaatsbürgerInnen und „HerzensösterreicherInnen" (das sind jene Menschen, die ihre Staatsbürgerschaft aufgeben mussten). Der gemeinnützige und nicht gewinnorientierte Verband hat in der Zeit seines Bestehens sehr viel erreicht: das Wahlrecht für AuslandsösterreicherInnen, das Briefwahlrecht und demnächst soll auch die Möglichkeit, per E-Voting an einer Wahl teilzunehmen, verhandelt werden.
Doch dem nicht genug: der Präsident des Auslandsösterreicher-Weltbundes, Dkfm. Ing. Gustav Chlestil, verkündete bei der heutigen Pressekonferenz ein weiteres großes Ziel: eine Vertretung im Österreichischen Parlament.
Stolz sei man auch auf die Internet-Plattform für Auslandsösterreicher www.austrians.org, die „besser als Facebook oder Twitter ist", wie Chlestil begeistert berichtete. Hier können auf einfache Weise österreichische Freunde rund um den Globus gefunden werden, es gibt täglich neue Nachrichten und Insider-Informationen, sowie ein UserInnen-Forum.
Zwei sehr erfolgreiche Auslands-GrazerInnen berichteten von ihren Erfahrungen und Motiven, warum sie ins Ausland zogen: Doris Maninger und Univ. Doz. Dr. Rudolf Schmidt.
Doris Maninger ist geborene Grazerin und vor rund 30 Jahren nach Italien ausgewandert. Es lag wohl am familiären Einfluss, dass es gerade „bella italia" wurde. Die Künstlerin errichtete in Florenz eine Kunstschule für zeitgenössischen Schmuck.
Univ. Doz. Dr. Rudolf Schmidt fuhr vor rund 30 Jahren mit einem alten Opel und einer Decke nach Holland und dachte, er käme bald wieder zurück.
Der erfolgreiche Wissenschaftler begann damals bei der Europäischen Weltraumbehörde zu arbeiten, will aber seinen Lebensabend wieder in der Steiermark verbringen. „Ich war damals der erste, in der Zwischenzeit sind es 47 ÖsterreicherInnen, die Flagge zeigen", berichtete Schmidt, der zwei bis drei Mal im Jahr in Graz ist und die Schlüssel seiner Grazer Wohnung immer dabei hat.
Für die Weltbund-Tagung wurde ein umfangreiches Programm zusammengestellt. Heute gibt es eine Stadtrundfahrt mit dem Cabriobus der Graz Linien und am Abend wird ein Empfang bei Landeshauptmann Mag. Franz Voves stattfinden. Am morgigen Abend lädt Bürgermeister Siegfried Nagl in den Grazer Congress. Dort wird das neue Projekt von Oskar Stocker präsentiert: „Yearning:Sehnsucht" - ein Porträt von 22 Auslands-Steirerinnen und Steirern, mit Texten, Biografien und Selbstauskünften.
Am Samstag, 8. September 2012, findet im Grazer Congress der große Festakt mit der Auszeichnung des „Auslandsösterreichers des Jahres 2012" statt. Es ist kein Geheimnis, wer diesen Titel heuer erhalten wird: Der vielfach ausgezeichnete Spitzenkoch Johann Lafer.