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24.10.2012

Firma Sappi versorgt Graz ab 2016 mit Fernwärme

„Letter of Intent“: Industrielle Abwärme für 18.000 Haushalte

 Fotos: Stadt Graz/Fischer

 
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Schon 46.000 Grazer Haushalte nutzen umweltfreundliche Fernwärme, doch bis 2030 sollen es noch deutlich mehr werden, nämlich 80.000. Um diese energiepolitische Wende zu meistern und die Fernwärme zur Nummer eins in Graz zu machen, wird in Zukunft industrielle Abwärme aus der Gratkorner Papierfabrik Sappi genutzt. Ein Letter of Intent - also eine konkrete Absichtserklärung - unterzeichneten heute, 24. Oktober 2012, DI Wolfgang Malik von der Holding Graz, Dr. Gert Heigl von der Energie Graz, DI Christian Purrer, Energie Steiermark sowie DI Dr. Max Oberhumer, Direktor der Gratkorner Firma Sappi.

Energiepolitisch unabhängig und umweltfreundlich
„Wir haben in Graz das Feinstaubproblem und müssen daher auf umweltfreundliche Energieformen umsteigen. Außerdem ist es wichtig, unabhängig zu sein, spätestens dann, wenn in anderen Ländern die Gashähne zugedreht werden", erklärte der Grazer Bürgermeister Mag. Siegfried Nagl, der das Projekt gemeinsam mit den Unterzeichnern der Absichtserklärung der Öffentlichkeit vorstellte.

Fernwärmeleitung nach Norden
Die zwischen Holding Graz, Energie Steiermark, Energie Graz und Sappi Austria abgeschlossene Absichtserklärung sieht die Nutzung der industriellen Abwärme von Sappi in Form von Fernwärme für Graz vor. Das Projekt dient nicht nur der Erhöhung der Versorgungssicherheit in der steirischen Landeshauptstadt, sondern auch der Verbesserung der Schadstoff-Emissionssituation im Großraum Graz.

Baustart 2015, Fertigstellung 2016
Konkrete Eckpfeiler für dieses Großprojekt liegen bereits vor: Für den Bau der neuen, neun Kilometer langen Fernwärmeleitung von Gratkorn nach Graz sowie die nötigen Investitionen für die Kraftwärme-Auskopplung in der Firma werden insgesamt 30 Millionen Euro veranschlagt. Die Vorarbeiten sollen bis Frühjahr 2013 laufen, im Jahr 2014 und 2015 folgen die Abwicklung der Behördenverfahren, der Abschluss der Verträge sowie der Baubeschluss, die Ausschreibungen und die Vergabe. Geplanter Baustart ist 2015 und die Inbetriebnahme ist für Herbst 2016 avisiert.

Kraft-Wärme-Kopplung: Ökonomisch und ökologisch sinnvoll
Fernwärme ist Energie, die im Zuge der Stromerzeugung beim hocheffizienten Kraft-Wärme-Kopplungsprozess anfällt und sowohl ökologisch als auch ökonomisch sinnvoll genutzt wird. Mit dieser Energie wird Wasser aufgeheizt, ins Fernwärme-Netz eingespeist und gelangt über gut isolierte Leitungen in die Gebäude der Kunden.
Bei der Fernwärme kann industrielle Abwärme sehr gut in das Gesamtkonzept eingebunden werden. So betreibt die Energie Graz zum Beispiel im Stahl- und Walzwerk Marienhütte seit vielen Jahren eine Wärmeauskopplungsanlage, nutzt somit die Abwärme aus dem Stahl- und Walzwerksprozess, speist diese in das Grazer Fernwärmenetz ein und beheizt damit jährlich rund 8000 Wohnungen.
Zusätzlich wurde eben nun durch das Grazer Umweltamt die Nutzung der industriellen Abwärme aus dem Werk Sappi-Gratkorn gemeinsam von den Unternehmungen Sappi, Energie Graz, Holding Graz sowie der Energie Steiermark geprüft.

Fernwärme wird Nummer eins in Graz
Bei diesem Großprojekt zur nachhaltigen Energiegewinnung sind zwei „Haus-Graz"-Töchter in führender Position: Die Holding Graz und ihre Tochter Energie Graz bekennen sich klar zur Forcierung von Alternativenergien und schreiben dies permanent in ihren Strategien und Budgets fort. „Wir haben einen klaren Auftrag, Alternativenergie zu nutzen und diesem Auftrag kommen wir intensiv nach: Wir verwenden Gas-Busse, prüfen derzeit eine Biogasanlage, betreiben eine Fotovoltaik-Anlage und testen demnächst E-Busse", erklärte Holding-Chef DI Wolfgang Malik. Die angepeilte Kooperation mit der Firma Sappi stellt daher einen weiteren, wichtigen Meilenstein auf diesem Weg dar. „Wir wollen den Wärmemarkt in Graz umdrehen", so Dr. Gert Heigl, „denn derzeit hat die Fernwärme in Graz einen Anteil von 30 Prozent und künftig sollen es 57 Prozent werden." Rund 18.000 Haushalte sollen letztlich durch die Abwärme aus der Papierfabrik versorgt werden können.

Fa. Sappi: „Hatten noch nie einen Versorgungsengpass"
Die Nutzung der Abwärme durch Kraftwärme-Kopplung ist für die Firma Sappi jedenfalls kein Neuland: „Wir versorgen seit 30 Jahren die Gemeinde Gratkorn und seit einigen Jahren auch Judendorf und Gratwein mit Wärme. Und wir hatten noch nie einen Versorgungsengpass", berichtet der Direktor des Unternehmens DI Dr. Max Oberhumer. Das Vorhaben mit der Stadt Graz sei freilich um Dimensionen größer und stellt daher eine besondere Herausforderung dar, gibt der Firmen-Chef zu. Ein Drittel der Baukosten von insgesamt 30 Millionen Euro wird alleine in die Errichtung der Kraft-Wärmekopplungsanlage fließen.

 
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