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Auch in den großen europäischen Städten fällt es den Bewohnern immer schwerer, wirksame zwischenmenschliche Kontakte herzustellen, ein Zugehörigkeitsgefühl zu irgendeiner Gemeinschaft zu entwickeln. Mit fortschreitender Stilllegung menschlichen Gemeinschaftsgefühls gerät jeder Einzelne zunehmend in eine individuelle Form der Isolation. Durch die stete Verfügbarkeit virtueller Ersatzwelten wird dieser Vorgang meist nicht wahrgenommen. |
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Bezirke des Ver- schwin- dens |
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Rasch wachsende Städte waren schon immer bevorzugte Orte namenlosen Verschwindens: unnachgiebig gegen jeden Lebensumstand und in nahezu allen Berufszweigen ziehen die dichten, unsichtbaren Netze der globalisierten Informations- und Wettbewerbsgesellschaft ihre Klientel in die digitalen Bezirke ihrer Unterstadt. Nahezu körperlos und jeder für sich, klappern Scharen von Eingeschworenen über die Tastaturen ihrer Auftraggeber, klicken sich Heimkehrende in die weltweiten Bedürfniswinkel, verenden stumm und reglos heranwachsende Generationen auf den virtuellen Schlachtfeldern. Tauchen sie auf, durchkämmen die Reste ihres Überlebens gespenstisch und mundtot die Einkaufs- und Freizeitambulatorien der europäischen Großstädte, suchen Trost und ihre Verluste. |
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In den digitalen Hospitälern der Arbeitsämter, Kriminalabteilungen und Krankenkassen garnieren die Notrufe nahezu lautlos die Festplatten, kleine, unsichtbare, im Abspeichern auffiepende Datentürmchen. Verbucht, verschleppt, verschwunden. Nicht nur unsere Daten, Mitteilungen und Handlungsräume, auch deren Zuträger, Verfasser und Akteure verschwinden in den digitalen Sèparèes. Den Städten wachsen neue Labyrinthe heran; an ihren Eingängen wachen die separatistischen Parolen der modernen Informations- und Wettbewerbsgesellschaft. Obwohl noch in der Vielzahl haftet den Ausgeschlossenen bereits der Makel einer jeden Minderheit an: sie vermögen nicht deutlich zu werden; auch ihnen hat es die Sprache verschlagen. Im zunehmenden Schweigen und Verschwinden kommt der form- und sinngebenden Widerspenstigkeit der Kunst eine wichtige Aufgabe zu: Sie entschlüsselt die zeitgerechten Verliese der Verschwundenen, bringt die Ausgeschlossenen zur Sprache, und gibt den Menschen und ihren Verlusten die großen Namen zurück. Sie durchmißt mit ihren geretteten Sinnen die Viertel der Abwesenheit, und erinnert uns, bevor wir zusehens verschwinden. |
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