Thema des Monats - Oktober 2016

Zivilschutz-Probealarm – Sirenentest am 1. Oktober

30.09.2016
2016 ist es am 1. Oktober soweit: Ab 12 Uhr testet die Bundeswarnzentrale im Bundesministerium für Inneres gemeinsam mit den Landeswarnzentralen der Bundesländer eine dreiviertel Stunde lang alle Zivilschutz-Sirenen in Österreich. Neben der Überprüfung der technischen Einrichtungen sollen mit diesem Probealarm in erster Linie der Bevölkerung die Sirenensignale für die Warnung und Alarmierung im Katastrophenfall in Erinnerung gebracht werden. Nach der Sirenenprobe um 12 Uhr - sie dauert 15 Sekunden - folgen:
Grafik: BMI 
Grafik: BMI
  • Warnung: 3 Minuten Dauerton; um 12.15 Uhr
    Der gleichbleibende Dauerton in der Länge von 3 Minuten bedeutet "Warnung". Dieses Signal wird ausgelöst, wenn die Bevölkerung vor herannahenden Gefahren gewarnt wird. Was ist für die Bevölkerung zu tun? Radio oder TV (ORF) einschalten und Verhaltensmaßnahmen beachten.

  • Alarm: 1 Minute auf- und abschwellender Heulton; um 12.30 Uhr
    Ein auf- und abschwellender Heulton von mindestens 1 Minute Dauer bedeutet "Alarm". Die Gefahr steht unmittelbar bevor. Radio, TV (ORF) einschalten und Verhaltensmaßnahmen beachten!

  • Entwarnung: 1 Minute Dauerton; um 12.45 Uhr
    Ein gleichbleibender Dauerton von 1 Minute (nur nach vorausgegangenem Alarmsignal) bedeutet "Entwarnung", das heißt Ende der Gefahr. Beachten Sie weiterhin die Durchsagen im Radio oder TV, da es vorübergehend bestimmte Einschränkungen geben kann.

Mehr als 8.000 Sirenen

Von diesem Arbeitsplatz in der Bundeswarnzentrale wird der österreichweite Sirenentest ausgelöst. Foto: Friedrich Rumpold, BMI 
Von diesem Arbeitsplatz in der Bundeswarnzentrale wird der österreichweite Sirenentest ausgelöst. Foto: Friedrich Rumpold, BMI

Österreich verfügt - als eines der wenigen Länder in Europa - über ein flächendeckendes Warn- und Alarmsystem, das vom Innenministerium gemeinsam mit den Ämtern der Landesregierungen betrieben wird. Mit mehr als 8.000 Sirenen kann die Bevölkerung im Katastrophenfall gewarnt und alarmiert werden. Über die im Einsatz- und Koordinationscenter des Innenministeriums eingerichtete Bundeswarnzentrale hat Österreich eine koordinierte Alarmierungsmöglichkeit. Die Bundeswarnzentrale dient als nationale Kontaktstelle für Meldungen über Stör- und Unfälle bzw. Vorfälle, die geeignet sind, bei der Bevölkerung Besorgnisse zu erwecken, sowie für Fragen der Zusammenarbeit bzw. möglicher Hilfeleistung im Anlassfall.

Die mehr als 8.000 Sirenen können also von der Bundeswarnzentrale, aber auch von den Landeswarnzentralen der einzelnen Bundesländer oder den Bezirkswarnzentralen ausgelöst werden. Und: Über diese Sirenen werden auch die Freiwilligen Feuerwehren alarmiert.

Sirene funktioniert nicht? Bitte an 872-5858 melden!

Die Ergebnisse des Zivilschutz-Probealarms sind immer sehr zufriedenstellend: Fast 100 Prozent der Sirenen funktionieren, die Ausfallquote liegt meist bei unter 0,5 Prozent. Hier wird die Bevölkerung um Mithilfe gebeten: Wenn Sie bemerken, dass im Grazer Stadtgebiet eine der insgesamt 76 Sirenen nicht funktioniert, melden Sie das bitte an die Brandmeldezentrale der Berufsfeuerwehr unter Tel. 0316 872-5858! Die Wartung und Finanzierung der Sirenen ist grundsätzlich Landessache und obliegt in der Steiermark der Katastrophenschutzabteilung der Landesregierung mit der Landeswarnzentrale. Das Land berichtet nach dem Test auch dem Bund, wie viele Sirenen funktioniert haben.

Falls Sie sich wundern, dass nicht mehr öfter im Jahr die Sirenen heulen: Bis 2014 wurden - allerdings nur in der Steiermark - drei Mal jährlich Gesamttests durchgeführt, nur der im Oktober war der bundesweite Probealarm. Die zwei regionalen Tests entfallen seither.

Ein bisschen Geschichte

Das war einmal: Mobile Handsirene aus dem Fundus der Landeswarnzentrale Steiermark. Foto: LWZ 
Das war einmal: Mobile Handsirene aus dem Fundus der Landeswarnzentrale Steiermark. Foto: LWZ

Wie ist unser Warnsystem eigentlich entstanden? Nun, akustische Warnungen haben eine lange Geschichte - von Trommeln und Naturhörnern in der Steinzeit über Trompeten und Posaunen zu den Kirchenglocken und den ersten „echten" Sirenen, die für Dampfschiffe entwickelt wurden. Bei den leisen Segelschiffen genügten Glocken, um Signal zu geben, die reichten bei den relativ lauten Dampfern aber nicht mehr aus.

Es waren die Luftangriffe des Zweiten Weltkriegs, die die Installation einer flächendeckenden Warn-Einrichtung notwendig machten - den „Luftschutzalarm". Auf diesem Konzept basieren die modernen Alarmsysteme. In den 1980er-Jahren wurden die Kriegs-Sirenen, die meist schon verrostet oder überhaupt abmontiert waren, österreichweit durch ein neues Warn- und Alarmsystem ersetzt. Die Sirenen werden digital per Funk angesteuert, es gibt keine Kabelverbindungen mehr.

Sehr erfreulich: Seit das aktuelle System installiert wurde, musste es weder bundes- noch landesweit ausgelöst werden. Nur in einigen Bezirken war es notwendig, Zivilschutzalarm zu geben - etwa bei den Hochwassern in Niederösterreich.

Die Sirenen sind technisch schon veraltet

Der Leiter der Landeswarnzentrale Steiermark, Günter Hohenberger. Foto: LWZ 
Der Leiter der Landeswarnzentrale Steiermark, Günter Hohenberger. Foto: LWZ
ExpertInnen sehen unser Alarmierungssystem durchaus kritisch, die Sirenen sind längst überholt: Die Leute arbeiten nicht mehr auf dem Feld, sondern sitzen in Büros oder zu Hause, abgeschirmt von Schallschutzfenstern und Wärmeschutz - da hört man die Sirenen (fast) nicht mehr. Auch wenn man deren Zahl verdoppeln würde: Die Hörbarkeit nimmt rapide ab, die Reichweite sinkt.

"Darüber hinaus werden durch die wachsende Desensibilisierung hinsichtlich der Wahrnehmung von Gefahren immer weniger Menschen erreicht; die Bevölkerung nimmt die Zivilschutz-Sirenensignale im Sinne der Unbetroffenheit nicht mehr wahr, die meisten Menschen glauben, die Sirene heult für die Feuerwehr", merkt Günter Hohenberger, der Leiter der Landeswarnzentrale Steiermark, an.

Ein weiterer Nachteil: Über eine Sirene kann man keine Informationen über die Lage und über zu treffende Maßnahmen transportieren. Die Bevölkerung muss, wenn sie die Warnung hört, sich über TV, Radio oder Handy schlau machen, was los und was zu tun ist.  

Amtsdirektor Friedrich Rumpold vom Innenministerium, Staatliches Krisen- und Katastrophenschutzmanagement berichtet: „Derzeit arbeiten das BM.I, die Bundesländer sowie Softwareentwickler und Forschungsinstitute gemeinsam in einem KIRAS-Projekt an der Entwicklung eines modernen Warn- und Alarmierungssystems für die Bevölkerung, das neben den Sirenenwarnungen zukünftig auch über das Internet, über Apps auf Smartphones und andere, jederzeit erweiterbare Kanäle, die Bevölkerung nicht nur warnen, sondern anlassbezogen auch gleichzeitig über Schutzmaßnahmen informieren wird können. Nach derzeitigem Planungstand werden verschiedene Schnittstellen geschaffen werden, um etwa Informationen im Anlassfall beispielsweise auch über die Displays der elektronischen Fahrplananzeigetafeln in den Großstädten, über elektronische Werbetafeln in Einkaufsstraßen und ähnliche Kanäle bereitstellen zu können."  

Selbstschutz und Selbstvorsorge

Der Sirenentest am 1. Oktober zeigt uns also ein interessantes Spannungsfeld auf. Und er sollte wieder in Erinnerung rufen, wie wichtig es im Sinne des Selbstschutzes ist, Vorsorge für einen Katastrophenfall zu treffen. Denn nur dann, wenn Bevölkerung und Staat für den Ernstfall vorbereitet sind, kann ein Warnsystem wirklich seinen Zweck erfüllen.

Angela Schick

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