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Symbolfiguren ausgezeichnet

Menschenrechtspreisverleihung 2017 im Grazer Rathaus

13.12.2017

In der Stadt Graz werden Menschenrechte gelebt

Menschenrechtspreis 2017: LRin Dr. Bettina Vollath, Johann Kohlbacher, Mag. Harald Schmied, Gilbert Prilasnig, BGM Mag. Siegfried Nagl, Emel Heinreich (in Vertretung von Asli Erdoğan ) und Stadträtin Elke Kahr (v. l.). © Stadt Graz/Foto Fischer
Menschenrechtspreis 2017: LRin Dr. Bettina Vollath, Johann Kohlbacher, Mag. Harald Schmied, Gilbert Prilasnig, BGM Mag. Siegfried Nagl, Emel Heinreich (in Vertretung von Asli Erdoğan ) und Stadträtin Elke Kahr (v. l.).© Stadt Graz/Foto Fischer

Sie tragen weiße T-Shirts mit den bunten Flaggen verschiedener Länder. Mit ihren hellen Stimmen singen sie von Frieden, dem Miteinander und der Zusammengehörigkeit. Der Schülerinnen-Chor des BG/BRG/MG Dreihackengasse präsentierte sein selbstkomponiertes Musikstück "Europa", das er im Rahmen der heutigen Verleihung des Menschenrechtspreises 2017 erstmals der Öffentlichkeit präsentierte.

Bürgermeister Mag. Siegfried Nagl begrüßt alle Anwesenden zur Feierstunde im bis auf den letzten Sitzplatz gefüllten Gemeinderatssaal des Rathauses - besonders auch jene Bürgermeister-Kollegen aus dem nordafrikanischen Raum, die sich derzeit in der Landeshauptstadt aufhalten. Und Nagl vergaß auch den Mann nicht zu erwähnen, der die Idee von Graz als Menschenrechtsstadt maßgeblich mitgetragen hatte: Altbürgermeister Alfred Stingl.

Graz ist seit 2001 Menschenrechtsstadt und trat 2006 der Städtekoalition gegen Rassimus bei. Ein Jahr später konstituierte sich der Menschenrechtsbeirat, der demnach heuer sein 10-Jahre Jubiläum feiert und seit Mitte November trägt die Landeshauptstadt offiziell das UNESCO-Logo als "Zentrum zur Förderung der Menschenrechte in Gemeinden und Regionen". Seit 2007 wird alle zwei Jahre ein Preis für außergewöhnliche Leistungen im Sinne der Menschenrechte auf kommunaler Ebene vergeben - der Grazer Menschenrechtspreis.

Sowohl Personen als auch Organisationen sind berechtigt, Vorschläge für mögliche PreisträgerInnen zu unterbreiten, Eigenbewerbungen  jedoch nicht zulässig. Vorschläge können für Einzelpersonen, Gruppen von Einzelpersonen oder Vereine und andere Rechtspersonen in Österreich und im europäischen Ausland eingebracht werden, die Leistungen für Menschenrechte auf kommunaler Ebene durchgeführt haben. Heuer zählte man 17 solcher Einreichungen insgesamt.

Worauf wird von der Jury des Grazer Friedensbüros bei den Einreichungen geachtet?

Eingereichte Leistungen werden in Hinblick auf die Förderung von Toleranz, Dialog und Versöhnung und auf ihre Wirkung im kommunalen Leben von Graz und anderen europäischen Städten bewertet. Einreichungen sind sowohl für aktuelles Engagement wie auch für das Lebenswerk möglich. Besonderes Anliegen der Menschenrechtsstadt Graz ist die Förderung des friedlichen Zusammenlebens aller Menschen innerhalb der Kommune.

Dreimal beeindruckender Einsatz für die Menschenrechte

Sorgten für eine stimmungsvolle musikalische Umrahmung der Feierstunde: Der Schülerinnen-Chor des BG Dreihackengasse. © Stadt Graz/Foto Fischer
Sorgten für eine stimmungsvolle musikalische Umrahmung der Feierstunde: Der Schülerinnen-Chor des BG Dreihackengasse.© Stadt Graz/Foto Fischer

Bürgermeister Nagl übergab den Menschenrechtspreis 2017 an folgende Personen bzw. Organisationen:

  • Blinden- und Sehbehindertenverband Steiermark für die Unterstützung von blinden und sehbehinderten Menschen in allen Lebensbereichen und Förderung ihrer Integration in die Gesellschaft - im Sinne eines selbstbestimmten Lebens. Den Preis nahm Obmann Johann Kohlbacher entgegen.

  • Asli Erdoğan, geboren 1967 in Istanbul, ist Schriftstellerin und war Kolumnistin der kurdischen Tageszeitung Özgür Gündem. Als solche wurde sie im August 2016 verhaftet. Bei der heutigen Preisverleihung konnte Erdoğan nicht persönlich anwesend sein, da sie einen Autounfall hatte und sich in Deutschland in Spitalsbehandlung befindet. Stellvertretend entsandte sie eine Freundin Emel Heinreich. Den Menschenrechtspreis bekam Asli Erdoğan für Berichte über die Bedingungen in türkischen Gefängnissen, über Folter und Gewalt gegen Frauen. Die Literatin, die 2012 und 2013 Grazer Stadtschreiberin war, prangerte die staatlichen Repressionen gegen KurdInnen an und unterstützte hungerstreikende Gefangene.

  • Harald Schmied, Gilbert Prislasnig und das Team des "Homeless Streetsoccer Worldcup": Ziel dieses sportlichen Projekts ist es, Menschen, die aus unterschiedlichen Gründen an den Rand der Gesellschaft gedrängt wurden, wieder in deren Mitte zu holen. Durch die Popularität von Fußball hat man ein wirkungsvolles Medium geschaffen, um wachzurütteln. Alle zwei Jahre wird mittlerweile in einem anderen Land gekickt und die FiFA hat Worldcup offiziell anerkannt. Der Erfolg ist beachtlich: Zweidrittel der SpielerInnen konnte sein Leben nach der Teilnahme am Worldcup positiv verändern.

Nagl gratulierte allen PreisträgerInnen und bedankte sich für deren unermüdliches Engagement. Asli Erdoğan richtete er zudem gute Besserung aus: "In Graz warten viele Freundinnen und Freunde auf Sie." Und das Stadtoberhaupt zitierte den ehemaligen deutschen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker: "Wo Freiheit, Menschenrechte und Pluralismus sind, ist Europa."

Von: Michaela Krainz

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