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Neue Betätigungsfelder für „grüne Daumen“

09.03.2018
Präsentierten das Konzept der neuen MORGENTAUGÄRTEN: Biopionier Christian Stadler, Bgm. Siegfried Nagl und Robert Wiener, Leiter der Grünraumabteilung (v. l.). © Stadt Graz/Fischer
Präsentierten das Konzept der neuen MORGENTAUGÄRTEN: Biopionier Christian Stadler, Bgm. Siegfried Nagl und Robert Wiener, Leiter der Grünraumabteilung (v. l.).© Stadt Graz/Fischer

Die Stadt Graz wächst dynamisch – was dabei ebenfalls immer größer wird, ist die Sehnsucht vieler BewohnerInnen nach einem nutzbaren Fleckchen Grün, in dem eigenes Gemüse, Obst oder Kräuter gezogen und geerntet oder einfach ein paar erholsame Stunden abseits des städtischen Alltagsbetriebs verbracht werden können. Das zuletzt stark gewachsene Angebot auf diesem Sektor erhält jetzt einen zusätzlichen Schub: Der in Oberösterreich erfolgreiche Biobauer und Biopionier Christian Stadler kommt mit seinem Projekt „MORGENTAUGÄRTEN" auch nach Graz, um Menschen mit „grünen Daumen" auf dem Weg zur eigenen Ernte behilflich zu sein. Bereits kommende Woche stehen zwei Informationstermine für die beiden geplanten Standorte in der steirischen Landeshauptstadt auf dem Programm.

Nagl: „Achten schon in der Planung auf Grünräume“

„Graz hat einen Grünraumanteil, den sich andere Städte nur wünschen können", freut sich Bürgermeister Mag. Siegfried Nagl. 44 Prozent des Stadtgebietes sind Freiland, 25 Prozent Wald. Zudem sind mehr als 5,5 Millionen Quadratmeter für Freilandsondernutzung (Sportflächen, Parks, Kinderspielplätze etc.) zweckgewidmet – im neuen Flächenwidmungsplan ganze 30 Hektar. Das rasante Bevölkerungswachstum in der Stadt mache die Schaffung von noch mehr Grünzonen umso wichtiger, ist der Bürgermeister – auch Planungs- und Baureferent der Stadtregierung – überzeugt: „Wir berücksichtigen das auch bei unseren Projekten wie Reininghaus oder der Smart City, wo wir immer auf entsprechende Grünräume in fußläufiger Entfernung zu neuen und bestehenden Ballungsräumen achten. Dazu gibt es in Graz ein im doppelten Wortsinn wachsendes Angebot an privaten und öffentlichen Projekten, die dem Trend nach städtischem Gärtnern mit eigenen Ernteerfolgen entgegenkommen!" Zur bestehenden Auswahl geselle sich nun mit den beiden geplanten MORGENTAUGÄRTEN ein weiterer attraktiver Anbieter dazu.

Wiener: „Gartenstadt mit Tradition und neuen Ansätzen“

Für den städtischen Abteilungsvorstand für Grünraum und Gewässer, DI Robert Wiener, ist das Gärtnern in der Stadt unter dem Fachbegriff „Urban Gardening" ein Trend, dem sich auch die Stadt seit längerer Zeit nicht verschließe: „Graz hat schon eine lange Tradition als Gartenstadt mit ihren öffentlichen Parkanlagen, grünen Innenhöfen, Vor- und ViIlengärten und zahlreichen Privatgärten. Zudem hat Graz nach Wien die größte Dichte an Kleingärten, auch wenn dieses Modell zuletzt in den Hintergrund getreten ist." Die moderne Idee von Stadtgärten setze eher auf Gemeinschaftsgärten sowie Selbsterntegärten, die oft in Privatinitiative eingerichtet, von der Stadt aber sehr begrüßt und unterstützt würden. "Wichtig ist vor allem die soziale Komponente beim Garteln. Dieses fördert das Gemeinschaftsgefühl und die Integration!" Die Stadt selbst bringe sich mit Gemeinschaftsgärten und Beiträgen zur „essbaren Stadt" – also Naschobst-Projekten, Ernte- und Minigärten und auch mit extensiv bewirtschafteten Blumenwiesen als Bienen- und Insektengärten – ein.

Nutzbare Stadtgärten in vielen Bezirken

Urban Gardening in Graz (Karte: Stand Mai 2016) © CC-BY Forum Urbanes Gärtnern
Urban Gardening in Graz (Karte: Stand Mai 2016)© CC-BY Forum Urbanes Gärtnern

Beispiele für gern genutzte Angebote des Stadtgärtnerns sind laut Wiener fast übers gesamte Stadtgebiet verstreut. Dazu zählen:

  • die Hochbeete am Kinderspielplatz Augassensiedlung am GBG-Grund (30 Quadratmeter, seit 2016 mit dem Verein „Gemeinsam Gesund in Gösting")
  • die Gemeinschaftsgärten Grazer Straße (GBG-Grund, 520 Quadratmeter, seit 2016 gemeinsam mit dem Verein AGFA in Andritz)
  • das Gartenprojekt Rechbäuerinnen (ÖGUT, 100 Quadratmeter, seit 2016 in der Rechbauerstraße/Ecke Wastiangasse)
  • die Gemeinschaftsgärten am Andräplatz „Gottesacker" (ÖGUT, 100 Quadratmeter, seit 2011 in der Kernstockgasse)
  • „Muttererde" (Bundesstraßenverwaltung Asfinag, 2.500 Quadratmeter, seit 2009 in der Salfeldstraße)
  • die acht temporären Hochbeete im Volksgarten jeweils über den Sommer (GBG-Grund, seit 2013 mit dem Verein „Alles Garten")
  • Gartenprojekt Vinzenz-Muchitsch-Straße 6d (GBG-Grund, Verein Illusions in Zusammenarbeit mit dem Stadtteilzentrum Triesterstraße)
  • Gartenprojekt Triesterstraße 66 (Landesstraße, seit 2013, Verein Illusions mit bepflanzten Einkaufswagen, mobilen Hochbeeten und bepflanzten Kisten sowie Grünstreifenpflege)

Neue „MORGENTAUGÄRTEN“ starten in Graz

Bei den privaten Angeboten kommt jetzt ein attraktiver „Neuling" dazu: Der überzeugte Biobauer Christian Stadler möchte mit seinem 2015 in Linz erfolgreich gestarteten Bio-Urban Farming-Projekt „MORGENTAUGÄRTEN" auch Graz erobern. Interessierte sollen im dicht bebauten Gebiet eine leistbare Möglichkeit bekommen, eigenes Biogemüse anzubauen und zu ernten. Als Standorte sind Reininghaus (Alte Poststraße/Kratkystraße) und Straßgang (Martinhofstraße/Weiberfeldweg) vorgesehen, die bequeme Erreichbarkeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist Vorausetzung. In Oberösterreich umfassen die MORGENTAUGÄRTEN bereits 15 Standorte mit rund neun Hektar Gesamtfläche und mehr als 530 zufriedenen urbanen HobbygärtnerInnen. Die Felder in der Stadt werden von Stadlers Team in sogenannte Selbsterntegärten zu 20, 40 oder 60 Quadratmetern parzelliert, professionell aufbereitet und mit Bio-Gemüsepflanzen (20 Kulturen) bestückt. Das nötige Fachwissen sowie eine Grundausstattung mit Werkzeugen, Gießkannen und Gießwasser werden bereitgestellt. Der Ernteerfolg wird mit einem vergleichsweise niedrigen Zeitaufwand von nur rund zwei Stunden Pflege pro Woche garantiert. 
Preise pro Gartensaison pro Jahr

Zwei Infotermine in kommender Woche

Bei zwei Infoterminen wird in der kommenden Woche das Projekt vorgestellt: Der erste steigt am Montag, 12. März, ab 19 Uhr im Star Inn Hotel, Waltendorfer Gürtel 8-10, der zweite am Dienstag, 13. März, ab 19 Uhr im Steiermarkhof in der Ekkehard-Hauer-Straße 33. Die Teilnahme ist frei.

Städtische Strategien für die Zukunft

Und wie geht die Stadt Graz mit dem Trend zum städtischen Gärtnern in Zukunft um? Auch dafür hat Grünraum-Abteilungsvorstand Robert Wiener bereits klare Pläne: „Wir stellen als Stadt Graz schon jetzt und auch künftig aktiv Flächen zur Verfügung und sichern geeignete weitere Grünräume im Rahmen unserer Grünrauminitiative, etwa in der Josef-Huber-Gasse, nahe des ORF-Parks in St. Peter oder in der Leutzenhofgasse." Zudem schenke man dem Gartenthema in der Stadt bei der Planung und Umsetzung auf öffentlichen und privaten Flächen große Aufmerksamkeit – etwa in öffentlichen Parks wie am Südgürtel, dem Naschobstgarten in der Emichgasse in Andritz oder durch Anlage von Naschobstgehölzen bei Bach-Revitalisierungs- und Hochwasserschutzprojekten. Auch in Reininghaus spielt das Thema Garten in der Quartiersentwicklung eine große Rolle. Zudem arbeitet die Abteilung für Grünraum und Gewässer an einer Gesamtstrategie für die Stadt, die auch die Rechte und Pflichten der NutzerInnen bei übergebenen Flächen umfasst. Wiener: „Wir unterstützen und kooperieren – in Form von Beratung und Planungsleistungen bei der Anlage entsprechender Flächen, durch Sachleistungen oder eine Startförderung, wie sie derzeit im städtischen Umweltamt angesiedelt ist!"

Wolfgang Maget

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