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Trauersitzung

Abschied von Univ.-Prof. DI DDr. Willibald Riedler

15.03.2018
© Foto: Stadt Graz/Fischer
Trauersitzung für Prof. Willibald Riedler. © Stadt Graz/Fischer
Trauersitzung für Prof. Willibald Riedler.© Stadt Graz/Fischer
Beileidsbekundung an Witwe Lillie Riedler. © Stadt Graz/Fischer
Beileidsbekundung an Witwe Lillie Riedler.© Stadt Graz/Fischer

„Könnt ihr mich hören? Es war eine herrliche Zeit, um am Leben zu sein und theoretische Physik zu erforschen ...“ Mit diesen Worten des gestern verstorbenen Stephen Hawking leitete Bürgermeister Mag. Siegfried Nagl heute seine Trauerrede anlässlich des Ablebens des Ehrenringträgers der Stadt Graz Univ.-Prof. DI DDr. Willibald Riedler ein – „ein großer Grazer, der als gebürtiger Wiener mit starken Bezügen zu Finnland unsere Stadt zu seinem Lebensmitelpunkt erklärt hat“. Namhafte Persönlichkeiten aus Stadt und Land, darunter Ehrenbürger Bürgermeister a. D. Alfred Stingl, Ehrenringträger Landeshauptmann-Stv. a. D. Prof. Kurt Jungwirth, Landtagsabgeordnete Mag. Alexandra Pichler-Jessenko in Vertretung des Landeshauptmanns, Bischofsvikar Prälat Dr. Heinrich Schnuderl in Vertretung des Diözesanbischofs, HR Dr. Ernst Burger in Vertretung des Superintendenten der evangelischen Kirche, die Rektorin der Karl-Franzens-Universität Univ.-Prof. Dr. Christa Neuper, Univ.-Prof. DI Dr. Otto Koudelka in Vertretung des Rektors der Technischen Universität, Stadtpolizeikommandant Brigadier Kurt Kemeter in Vertretung des Landespolizeidirektors, Magistratsdirektor Mag. Martin Haidvogl und viele andere mehr hatten sich im Gemeinderatssitzungssaal des Rathauses versammelt, um des „Weltraumpapstes“ zu gedenken, der am 24. Jänner des heurigen Jahres im 86. Lebensjahr für immer seine Augen geschlossen hatte.

Visionär mit Weitblick

Nagls besondere Anteilnahme galt der Familie des Verstorbenen: Witwe Lillie Riedler, den Töchtern Birgit und Karin Riedler und Sohn Dr. Peter Riedler mit ihren Familien. „Prof. Riedler hat von hier aus den Kosmos erforscht und damit letztlich von Graz aus der Welt Ein- und Ausblicke in die unendlichen Weiten gewährt. Aber nicht nur das, er hat durch sein Engagement auch die wichtigsten Forscherinnen und Forscher nach Graz gebracht und damit unser Selbstbewusstsein und das unserer Universitäten maßgeblich positiv gestärkt“, betonte das Stadtoberhaupt.

Der gebürtige Wiener studierte Nachrichtentechnik und begann seine Forschungsarbeit in den Gebieten der Elektrodynamik und Mikrowellenphysik. 1960 führte ihn ein Praktikum nach Finnland, wo er seine große Liebe Lillie kennenlernte. Im hohen Norden begann er auch mit dem Studium der Meteorologie und Geophysik und war einige Jahre in Lappland an der Königlich-Schwedischen Akademie der Wissenschaften im Bereich der Weltraum- und Ionosphärenphysik tätig. 1968 wurde er zum ordentlichen Professor für Nachrichtentechnik an der TU Graz ernannt, der er von 1973 bis 1975 als Rektor vorstand. Rund 130 wissenschaftliche Publikationen auf den Gebieten Nachrichtentechnik, Magnetosphären- und Lonosphärenphysik sowie der Physik des interplanetaren Raumes verschafften ihm bald die Bezeichnung „Weltraumpapst“. So geht auf ihn das 1970 gegründete Institut für Weltraumforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften in Graz zurück, wo Messgeräte entwickelt wurden, die an Bord von Raumfahrzeugen das Weltall erforschen helfen.

Einsatz zur Völkerverständigung

Die verdienten Ehrungen für den international anerkannten Weltraumforscher blieben nicht aus. Für seinen Einsatz erhielt Prof. Riedler 1982 das Ehrenkreuz für Wissenschaft und Forschung 1. Klasse und 1984 das Große Goldene Ehrenzeichen des Landes Steiermark. 1987 erfolgte die Verleihung des Ehrenrings der Stadt Graz. Auch das Goldene Ehrenzeichen der TU Graz und der Kardinal-Innitzer-Forschungswürdigungspreis finden sich unter den vielen Auszeichnungen. Seiner Initiative ist es zu verdannken, dass in Graz die Forschungssatellitenbodenstation Lustbühel aufgebaut wurde und die Hilmwarte einen Wetterradar bekam. Ferner gelang es ihm gemeinsam mit der Hochschule für Musik und darstellende Kunst, das Studium „Toningenieur“ einzuführen. Und 1984 organisierte er den Weltraumkongress COSPAR (Committee on Space Research), der allein 1.300 Wissenschaftler und Fachleute aus aller Welt, aus West und Ost in Graz zusammenführte.

„Dabei ist es Prof. Willibald Riedler nie nur um Wissen und Wissenschaft gegangen, sondern immer auch um das friedliche Zusammenleben der Menschen“, so Nagl. Ein Einsatz zur Völkerverständigung, der international gesehen wurde: mit dem Komturkreuz des Finnischen Löwenordens, zweimal mit der Juri-Gagarin-Medaille sowie dem sowjetischen Orden der Völkerfreundschaft. „Henry Ford hat gesagt:,Nimm die Erfahrung und die Urteilskraft der Menschen über 50 heraus aus der Welt, und es wird nicht genug übrigbleiben, um ihren Bestand zu sichern“ – schloss Nagl.

Den musikalischen Rahmen der Sitzung gestaltete das Bläserensemble des Grazer Philharmonischen Orchesters mit „In monte Oliveti“ von Franz Schubert und der „Hymne an die Nacht“ von Ludwig van Beethoven.

Ulrike Lessing-Weihrauch

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