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Thema des Monats - Juni 2018

So schützen Sie sich selbst

01.06.2018
Das Buch "Ich rette mich". © swen-gruber.com
Das Buch "Ich rette mich".© swen-gruber.com

Ob in einer dunklen Nebenstraße, im Treppenhaus oder in der Tiefgarage - Gefahren können überall lauern. Richtiges präventives Verhalten kann helfen, erst gar nicht in gefährliche Situationen zu kommen. Wie dieses Verhalten ausschauen sollte, das beschreibt der steirische Sicherheitsexperte Markus Schimpl im Buch "Ich rette mich", in dem er er Tipps und Tricks zur Selbstbehauptung, Selbstverteidigung und Prävention für Menschen vom 6. bis zum 99. Lebensjahr gibt.

Für das Sicherheitsmanagement der Stadt Graz hat Schimpl die wichtigsten acht Verhaltensregeln zusammengefasst.

1. Eine aufrechte Körperhaltung signalisiert Stärke und Selbstbewusstsein. Du nimmst auch mehr von deiner unmittelbaren Umgebung wahr.

Falsch!  © swen-gruber.com
Falsch! © swen-gruber.com
Richtig! © swen-gruber.com
Richtig!© swen-gruber.com

Selbstbewusstes Auftreten wird in erster Linie über die Körpersprache, also nonverbal, signalisiert. Diese Signale drücken sich durch Mimik, Gestik, Körperhaltung, Augenbewegungen und die Atmung aus. Wenn wir eindeutige Signale nach außen senden, um Komplikationen zu vermeiden, ist die Gestik und Mimik mit 55 Prozent am wirkungsvollsten, 30 Prozent bewirken Stimme und Tonfall (nicht die Lautstärke) und relativ wenig bewirkt die Wortwahl mit etwa 7 Prozent. Ein Mensch, der Selbstbewusstsein und Selbstsicherheit über seine Körpersprache signalisiert, veranlasst sein Umfeld, ihm mit Achtung zu begegnen und sichert somit seine Unantastbarkeit. Neigt man den Kopf nach unten, befindet man sich in einer gebückten Körperhaltung, dies signalisiert Schwäche und verfügt darüber hinaus über ein eingeschränktes Sichtfeld und erkennt somit mögliche Gefahren zu spät. In Selbstbehauptungs- und Selbstverteidigungskursen sollte deshalb die aufrechte Körperhaltung ein elementares Element darstellen! 

Merke: Eine aufrechte Körperhaltung ist deshalb so wichtig, weil sie eine nonverbale Signalwirkung für das jeweilige Gegenüber (Tier oder Mensch) darstellt. Bei Ausdruck von Stärke und Selbstbewusstsein ist die Gefahr eines An- oder Übergriffs sehr klein. Das Ziel eines vermeintlichen Täters/einer vermeintlichen Täterin ist es, ohne Gegenwehr und großen Aufwand einfach und leicht zum Erfolg zu kommen.

2. Hör auf dein Bauchgefühl, denn es gibt dir intuitiv meistens rechtzeitig Bescheid, um gefährliche Situationen abzuwenden oder zu vermeiden!

Bauchkribbeln ist gut und für alle Altersgruppen anwendbar! Man sollte es nur zulassen.

Wenn man Kinder danach fragt, wo sie ihre Angst spüren, zeigen sie auf den Bauch und nennen es „Bauchkribbeln". Angst hat viel mit Vertrauen zu tun, einerseits in sich selbst und andererseits in das Leben. In der Natur entsteht Angst nur in Gefahrensituationen (Naturkatastrophen, natürliche Feinde). Doch durch die Zivilisation entstehen weitere Gefahren, die von der Natur nicht vorgesehen sind (Krieg, Bedrohung des Menschen durch andere Menschen). Kinder sind anfänglich bei Angst wie „hypnotisiert" wie auch viele Erwachsene. Sie weinen und laufen zu ihren Eltern, um Schutz zu suchen. Die ohnmächtige Reaktion, das Festfrieren, entsteht durch den falschen Umgang damit. Angst ist eine natürliche Schutzfunktion, sie kommt auf und warnt uns. Durch die Angst wird man hellwach und sie lenkt die Wahrnehmung auf die Bedrohung. So bleibt die Wahrnehmung erhalten, die Kinder sind reaktions- und handlungsfähig. Nach der Bewältigung der Situation verschwindet die Angst wieder, denn sie hat uns erfolgreich bewahrt und geschützt. Ein besonderes Augenmerk wird darauf gelegt, dass jedes Kind zumindest eine Telefonnummer von einer Bezugsperson auswendig kennt, damit es im Ernstfall einen Erwachsenen um Hilfe bitten und jemanden anrufen kann, der es abholt.

3. Erkenne die mögliche Gefahr und meide sie!

Durch vorzeitiges Erkennen eines möglichen An- oder Übergriffes kann man den aktuellen Ort meiden oder umgehend verlassen. Am effektivsten sind zwei schnelle Beine, um so schnell als möglich zu flüchten. Ist die Distanz für eine Flucht zu kurz, kann man immer noch zu einem Selbstverteidigungshilfsmittel greifen. 

In nur 5 von 100 An- und Übergriffen treten diese so überraschend auf, dass man nur noch die Möglichkeit hat, sich mit gezielten, effektiven Techniken vom Täter erfolgreich zu lösen, um umgehend die Flucht zu ergreifen.

4. Halte Abstand zu einem möglichen Täter/Angreifer. Wechsle gegebenenfalls die Straßenseite oder drehe um.

Auf das Bauchgefühl hören und Abstand halten. © swen-gruber.com
Auf das Bauchgefühl hören und Abstand halten.© swen-gruber.com

Sicherer Abstand ist die sichere Entfernung zu einem möglichen Täter oder einer Gegebenheit, wo sich dieser verstecken könnte, sodass er/sie keinen Handlungsspielraum für An- oder Übergriffe bekommt und man dadurch die Möglichkeit für eine Flucht oder realistische Verteidigung wahrnehmen kann. Diese Entfernung hängt von mehreren Faktoren ab: dem eigenen Gemütszustand, der körperlichen Verfassung, dem Standort, der unmittelbaren Gefährdung, die vom möglichen Täter ausgeht, der Bewaffnung des möglichen Täters, der aktuellen Witterung etc. 

Wenn man grundsätzlich auf den sicheren Abstand achtet, ist man mental schon in einem ganz anderen, gefassteren Gemütszustand und kann dadurch, sollte es notwendig sein, auch viel schneller reagieren und agieren. Man sollte aber auch nicht hinter jedem Busch jemand Bösen vermuten.

5. Nimm, wenn möglich, das Selbstverteidigungs-Hilfsmittel einsatzbereit in die Hand.

Einsatzbereit sein für den Notfall. © swen-gruber.com
Einsatzbereit sein für den Notfall.© swen-gruber.com

Ein Selbstverteidigungs-Hilfsmittel - Taschenlampe, Pfefferspray, Alarmpieps etc. - kann realistisch nur dann eingesetzt werden, wenn man vorher die Situation eingeschätzt hat und dieses auch schon einsatzbereit in der Hand hält, das heißt z.B. beim Pfefferspray den Finger am Auslöser oder beim Alarmpieps die Auslöseleine gespannt zu haben. 

6. Hilfe holen heißt auch helfen, spiele nicht den Helden! Zivilcourage mit Köpfchen!

Zivilcourage ist ein heikles Thema, deshalb sollte „Zivilcourage mit Köpfchen" beachtet werden. In den meisten Fällen hat man ein bis zwei Sekunden Zeit, um Entscheidungen zu treffen, bevor man unterstützend und helfend eingreift. Diese Zeit sollte man sich nehmen, um die beste und gefahrloseste Lösung für sich und das/die Opfer zu finden. Safety first!

Hilfe holen heißt auch helfen!

Zivilcourage, aber bitte nicht so: Diese Situation passierte schon vor einiger Zeit in Deutschland auf einer S-Bahn- Station. Fünf Personen prügelten einen Jungen, eine vollbesetzte S-Bahn stand zu diesem Zeitpunkt gerade am Bahnsteig. Einer von ca. 50 Insassen stieg aus und wollte helfen, er kam dabei ums Leben. Besser wäre es gewesen, sich einige Sekunden Zeit zu nehmen, um andere Insassen zu aktivieren, um gemeinsam dem Jungen zu Hilfe zu kommen.

7. Nur ein nicht stattgefundener Kampf ist ein gewonnener Kampf.

Wenn ich die Punkte 1 bis 6 einhalte und mögliche Gefahren spüre, erkenne und/oder diese meide, ist die Wahrscheinlichkeit auch relativ gering, dass mir etwas passiert. Wenn ich mich für einen Kampf entscheide, ist die Chance zu verlieren immer möglich. Oft ist es sinnvoll, nach dem Motto "der Gescheitere gibt nach, der Dumme fällt in den Bach" vorzugehen. 

8. Informiere in sicherer Umgebung umgehend die Polizei.

So detailliert und so rasch als möglich die Information eines Vorfalls an die Polizei weitergeben: Wer? Was? Wann? Wie? Wo? Wie viele?

Zum Autor

Sicherheitsexperte Markus Schimpl, Autor dieses Beitrags und des Buches "Ich rette mich". © swen-gruber.com
Sicherheitsexperte Markus Schimpl, Autor dieses Beitrags und des Buches "Ich rette mich".© swen-gruber.com

Markus Schimpl ist seit 1991 im staatlichen und zivilen Sicherheitswesen tätig, war Ausbildner beim Jagdkommando und hat als Sicherheitsberater und Personenschutzexperte nationale und internationale Berufserfahrung. Einsätze führten ihn in mehr als 30 Länder, auch in Krisen- und Kriegsgebiete. Schimpl entwickelte Ausbildungen zum Thema Prävention, Selbstbehauptung und Selbstverteidigung und legte hier besonderen Wert auf altersgerechte Schulungen für Kinder von 6 bis 10 Jahren. Seit 1999 zeigt er seine Methode unter dem Motto "Sensibilisieren ohne Angst zu machen" in mehr als 180 österreichischen Schulen.

Im Buch "Ich rette mich" (208 Seiten, 175 Fotos, 25 Euro) hat Schimpl seine Erfahrungen und Praktiken zusammengefasst und zeigt altersspezifische und real einsetzbare Möglichkeiten zur Selbstbehauptung.

Mehr Infos unter ichrettemich.com.

Video zur Anwendung von Pfefferspray

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