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Hirnforscher Gerald Hüther: Kindliches Lernen ohne Druck

Spannender Vortrag zum Thema „Das Spiel als Möglichkeit der Entfaltung und Entwicklung“

09.10.2018
Gerald Hüther beim Vortragsabend © Manuela Fink
Gerald Hüther beim Vortragsabend© Manuela Fink

Gleich zu Beginn seines Referats am 5. Oktober im Audimax FH Joanneum bekannte der Biologe und Hirnforscher Gerald Hüther über sich selbst: „Man entwickelt sich nicht weiter, wenn man funktionieren muss". Diese seine These zog sich wie ein roter Faden durch einen spannenden Vortragsabend. Er machte seinen ZuhörerInnen aber auch Hoffnung: Das Hirn wäre nicht genetisch determiniert, sondern lernfähig - verbunden mit der wohl wichtigsten Botschaft für Eltern und PädagogInnen: Kinder entwickeln ihre Potentiale, wenn sie ohne Druck, also im Spiel, etwas Neues ausprobieren dürfen.

Das Spiel als Lebensschule

Kurzerhand formulierte er den Titel der Veranstaltung um: „Das Spiel als EINZIGE Möglichkeit der Entfaltung der in uns Menschen angelegten Potentiale und der Entwicklung verantwortungsbewusster und selbstbewusster Personen" - um klarzumachen, dass sich auch Schulnoten kontraproduktiv auf die kindliche Entwicklung auswirken würden. „Kinder hören auf zu lernen, in dem Moment wo wir anfangen, sie zu unterrichten", plädiert er für das Spiel als Lebensschule.

Weg mit dem Spielzeug!

Durch den Zwang zum Üben, ermahnte er insbesondere die PädagogInnen im Saal, verliere das Kind die Lust am Lernen, es erlebe sich nur mehr als Objekt, aber nicht als Gestalter des Lernprozesses. Am besten, so Hüther, würden Kinder gemeinsam mit anderen Kindern, ohne Erwachsene, in einer nicht vorstrukturierten Umgebung lernen. Eine seiner wichtigsten Botschaften: Weg mit allem Spielzeug, weg auch mit dem sogenannten pädagogisch wertvollen Spielzeug!

Jenen Eltern und PädagogInnen, die Sorge haben, dass ein Kind im Spiel nicht sein volles Potential entwickeln würde, hielt er entgegen: „Kinder wollen nicht mittelmäßig sein! Kinder gehen im Spiel immer an die Grenzen ihrer Möglichkeiten!"

Freude am Lernen

An diesem spannenden Abend im vollbesetzten Audimax der Fachhochschule Joanneum wurden im zweiten Teil auch Fragen aus dem Publikum beantwortet. Dabei hatte Hüther einen Rat für alle Eltern parat, damit die „Bürgerinitiative Lernlust Graz" erfolgreich verläuft: „Fragen Sie die Lehrerin Ihres Kindes, was sie denn tut, damit Ihr Kind die Freude am Lernen nicht verliert"!

Wer ist Gerald Hüther?

Gerald Hüther zählt zu den bekanntesten Hirnforschern Deutschlands. Er befasst sich v.a. mit neurobiologischer Präventionsforschung, er schreibt Sachbücher, hält Vorträge, organisiert Kongresse, arbeitet als Berater für Politiker und Unternehmer und ist häufiger Gesprächsgast in Rundfunk und Fernsehen. Er ist Wissensvermittler und -umsetzer in einer Person. Er versteht sich als „Brückenbauer" zwischen wissenschaftlichen Erkenntnissen und gesellschaftlicher bzw. individueller Lebenspraxis. Sein Ziel ist es günstigerer Voraussetzungen für die Entfaltung menschlicher Potentiale zu schaffen.

Vasiliki Argyropoulos

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