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Der Baukultur verpflichtet: Grazer Modell neu

12.02.2019
Gemeinsame Freude über das Grazer Modell: v. l. DI Wilfried Krammer (Stadtbaudirektion), WKO-Fachgruppenobmann Ing. Gerald Gollenz, Bürgermeister Mag. Siegfried Nagl, Stadtplanungsvorstand DI Bernhard Inninger, Stadtbaudirektor DI Mag. Bertram Werle, Arch. DI Burkhard Schelischansky (Architektenkammer),  Baumeister DI Dr. Gernot Tilz (Landesinnung Bau Steiermark) und Mag. Dennis Lin, STP. © Stadt Graz/Fischer
Gemeinsame Freude über das Grazer Modell: v. l. DI Wilfried Krammer (Stadtbaudirektion), WKO-Fachgruppenobmann Ing. Gerald Gollenz, Bürgermeister Mag. Siegfried Nagl, Stadtplanungsvorstand DI Bernhard Inninger, Stadtbaudirektor DI Mag. Bertram Werle, Arch. DI Burkhard Schelischansky (Architektenkammer), Baumeister DI Dr. Gernot Tilz (Landesinnung Bau Steiermark) und Mag. Dennis Lin, STP.© Stadt Graz/Fischer

Mehr Qualität bei privaten Bauprojekten durch Wettbewerbe und mehr Planungssicherheit: Das aktualisierte Grazer Modell bringt Vorteile für alle Beteiligten.

                                                                                                                                

Mehrere Dutzend größere private Bauprojekte sind bereits nach den Spielregeln des Grazer Modells realisiert worden, etliche sind derzeit in Umsetzung und weitere in Planung. Was sie alle verbindet, ist vor allem das Bekenntnis zu höchster Qualität. Das von immer mehr Bauträgern freiwillig genutzte städtische Serviceangebot schlägt mehrere Fliegen mit einer Klappe: Die Durchführung von Architekturwettbewerben sichert die Auswahl des bestgeeigneten Vorschlags und somit die Qualität, die Begleitung durch die städtischen Fachabteilungen verhilft den BauwerberInnen zu mehr Planungs- und Rechtssicherheit und dazu noch zu einer kürzeren Verfahrensdauer. Das 2006 erstmals im Grazer Gemeinderat beschlossene Grazer Modell wurde vor kurzem durch einen neuerlichen Gemeinderatsbeschluss den geänderten Rahmenbedingungen angepasst. Vor allem das rasante Wachstum der Stadt und zuletzt vermehrt beplante größere Flächen machten eine andere Herangehensweise an Bauprojekte und somit die Aktualisierung des Erfolgsmodells notwendig, was sich in einer Anpassung der Zahl an WettbewerbsteilnehmerInnen und JurorInnen oder in der Höhe der der Aufwandsentschädigungen für die teilnehmenden ArchitektInnen widerspiegelt. Diese Werte sind jeweils von der Größe des Projekts abhängig.

Nagl: „Österreichweit einzigartiges Vorbild“

Nach dem Grazer Modell entwickelt - und hoch dekoriert: "Das Bauwerk" am Nikolaiplatz © Stadt Graz/Christian Probst
Nach dem Grazer Modell entwickelt - und hoch dekoriert: "Das Bauwerk" am Nikolaiplatz© Stadt Graz/Christian Probst

Bürgermeister Mag. Siegfried Nagl lobte das Grazer Modell heute in einer Pressekonferenz im Rathaus als „Vorbild für viele andere Städte, weil es den schwierigen Spagat zwischen vielen unterschiedlichen Wünschen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen schafft". Das Wettbewerbswesen werde auch bei städtischen Bauvorhaben zur Sicherung der Baukultur eingesetzt. Dass immer mehr Privatfirmen freiwillig ihre Projekte nach dem österreichweit einzigartigen Grazer Modell entwickeln, sei erfreulich und diene der Qualität im städtischen Baugeschehen. Das Verfahren ist für den Bürgermeister eines von drei Instrumentarien zur Qualitätssicherung - neben Bebauungsplänen und dem Fachbeirat für Baukultur. Nagl verwies auf zahlreiche bekannte Bauprojekte der Stadt, die nach dem Grazer Modell errichtet wurden und werden - darunter auch die beiden großen zukunftsfähigen Stadtteilentwicklungen in Reininghaus und in der Smart City Graz. Aber auch das „Haus der Zukunft - Reininghaus Süd", 2013 mit dem ÖGUT-Umweltpreis prämiert und danach für den Österreichischen Klimaschutzpreis sowie für den Holzbaupreis Steiermark nominiert, oder das 2016 mit der GerambRose für qualitätsvolles Bauen in der Sparte Arbeitswelten ausgezeichnete „Das Bauwerk" am Nikolaiplatz fanden sich in der Aufzählung des Bürgermeisters wieder.

Werle: „Service und Planungssicherheit“

Für Stadtbaudirektor DI Mag. Bertram Werle ist das aktualisierte Grazer Modell eine gutes Instrument, um auf freiwilliger Basis private Projektwerber zur Wahrung von Baukultur zu überzeugen: „Es ist ein vereinfachter Wettbewerb, den die Stadt im Einklang mit Wirtschaftskammer und Architektenkammer durchführt." Die Stadt wahre ihre Objektivität und den Servicecharakter, indem sie zwar den Entwicklungsprozess durch ihre Fachabteilungen inklusive Gutachten begleite, selbst aber keine Wettbewerbsteilnehmer nominiere: „Das machen jeweils zu 50 Prozent der Auslober und die Kammern!" Das Ergebnis des Prozesses sei intern verbindlich. Der Bauherr erspare sich so in der Umsetzung ein ausführliches weiteres Gutachten.

Gollenz: „Mehrwert klar erkennbar“

Mehrfach dekoriert - und nachhaltig: das nach dem Grazer Modell geplante "Haus der Zukunft - Reininghaus Süd". © Stadt Graz/Fischer
Mehrfach dekoriert - und nachhaltig: das nach dem Grazer Modell geplante "Haus der Zukunft - Reininghaus Süd".© Stadt Graz/Fischer

Lob für das Grazer Modell kam auch vom Bau-Fachgruppenobmann der Wirtschaftskammer Steiermark, Ing. Gerald Gollenz: „Wir Bauträger bekennen uns zur Baukultur, wünschen uns im Gegenzug aber mehr Rechtssicherheit und kürzere Verfahren. Das erhalten wir durch das vorliegende Modell!" Er habe selbst schon drei seiner Projekte nach dieser Methode abgewickelt und dabei auch kommerziell große Erfolge verzeichnet. Gollenz: „Das Grazer Modell ist eine große Chance. Es kostet zwar Geld, aber der Mehrwert ist klar erkennbar - eine größere Auswahl an Projektideen sowie mehr Rechts- und Planungssicherheit!"

Schelischansky: „Wünsche mir ein steirisches Modell“

Der Vorsitzende der Sektion Architekten der Ziviltechnikerkammer für Steiermark und Kärnten, Arch. DI Burkhard Schelischansky, bezeichnete Wettbewerbe als Basis für jegliche Baukultur. Der Begriff habe zuletzt auch Eingang in die beschlossenen Leitlinien des Bundes gefunden, und sogar in der EU erhalte das Thema immer höheren Stellenwert. Schelischansky: „Aus Sicht von uns Architekten wäre es schön, wenn nach dem Vorbild des Grazer Modells auch ein gesamtsteirisches Modell die Qualität im Baugeschehen in unserem gesamten Bundesland sichern könnte!"

Lin: „Großartige Kooperation mit Stadt“

Siegerentwurf: So wird das Wohnprojekt der STP in der Marburger Straße geplant. © Stadt Graz/Fischer
Siegerentwurf: So wird das Wohnprojekt der STP in der Marburger Straße geplant.© Stadt Graz/Fischer

Wie das Grazer Modell bei den Projektwerbern ankommt, schilderte Mag. Dennis Lin von der STP Wohnungserrichtungs- und Immobiliengesellschaft m.b.H. Für eine aktuell geplante Wohnbebauung in der Marburger Straße habe man die optimale Vorgangsweise überlegt - und durch Nutzung des Grazer Modells eine „großartige Kooperation mit der Stadt Graz erfahren". Lin: „Wir leisten einen städtebaulichen Beitrag und bekommen dafür eine beträchtliche Zeitersparnis zurück. Diese Win-win-Situation zeigt sich auch darin, dass wir ein nachhaltiges Produkt entwickeln und damit einen langfristigen wirtschaftlichen Erfolg erzielen wollen." Die STP errichtet in der Marburger Straße ein Projekt mit 6.000 Quadratmetern Geschoßfläche, vor allem mit hochwertigen Mietwohnungen. Es sei sogar gelungen, für den geplanten Marktplatz bereits Jahre vor der Fertigstellung den Einzug einer bekannten Bäckerei samt Café zu fixieren.

Inninger: „Auch Infrastruktur wird entwickelt“

Stadtplanungsvorstand DI Bernhard Inninger bestätigte Lins Expertise: „Auch wir von der Stadt Graz haben die Kooperation für dieses und andere Projekte als hervorragend empfunden. Und wenn sich dann dank einer modernen Siedlungsentwicklung neue BewohnerInnen ansiedeln, wird auch die Infrastruktur in vorher überwiegend mit Einfamilienhäusern bebauten Gegenden verbessert!" Diese Strategie komme also auch den „Alteingesessenen" zugute.

Wolfgang Maget

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Ihre Kommentare (1)

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  • Daniel Bauer,  13.02.2019, 21:22
    Subzentren?
    Schön wenn viel gebaut wird. Aber wenn dann alles voll sein wird, wo kommen dann die nötigen Stadtteilzentren, Plätze, konsumfreien öffentlichen Räume, Orte für Begegnung und Kultur hin? Im Moment wirkt das alles sehr planlos und nicht zukunftsfähig.