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Mobilitätserhebung: Mehr Rad, weniger Auto

28.03.2019

Ein insgesamt erfreuliches Ergebnis hat die alle 5 Jahre durchgeführte Erhebung "Mobilitätsverhalten der Grazer Wohnbevölkerung" gebracht: Im Vergleich zu 2013 sind deutlich mehr Grazerinnen und Grazer mit dem Fahrrad und weniger mit dem motorisierten Individualverkehrsmittel unterwegs, die mit den Öffis und zu Fuß zurückgelegten Wege sind in etwa gleichgeblieben. Verkehrsstadträtin Elke Kahr: „Das Ergebnis zeigt, dass die Bemühungen in Richtung sanfte Mobilität fruchten. Der Umweltverbund - Fuß, Rad, ÖV - hat dazugewonnen, der Autoverkehr hat abgenommen. Das bedeutet auf keinen Fall, dass wir uns zurücklehnen dürfen, denn es dauert lange, bis Maßnahmen wirken. Das positive Ergebnis ist als Auftrag zu sehen, die Ziele und Prioritäten konsequent zu verfolgen und daran zu arbeiten, dass der Autoverkehr weiter zurückgeht."

 

Verkehrsmittelaufteilung im Zeitvergleich

Modal Split - Zeitreihe © Stadt Graz Verkehrsplanung/ZIS+P
Modal Split - Zeitreihe© Stadt Graz Verkehrsplanung/ZIS+P

Befragt wurden 2040 Personen im Zeitraum Oktober und November 2018 mittels Fragebogen (Rücklauf 38 %), durchgeführt wurde Erhebung und Auswertung von der Fa. ZIS+P Verkehrsplanung. Nach dem gleichen Design (KONTIV) werden in Graz schon seit 1982 in Fünf-Jahres-Schritten Messungen des Modal Splits (Verkehrsmittelaufteilung) und des Mobilitätsverhaltens der Grazer Wohnbevölkerung durchgeführt. Die Ergebnisse geben Auskunft über den Effekt von verkehrspolitischen Maßnahmen, dienen der planerischen Erfolgskontrolle und zeigen auf, wo Handlungsbedarf gegeben ist.

Über 19 % mit´m Radl da

Verkehrsmittelanteile nach Verkehrszwecken © Stadt Graz Verkehrsplanung/ZIS+P
Verkehrsmittelanteile nach Verkehrszwecken© Stadt Graz Verkehrsplanung/ZIS+P

  • Jeder fünfte Weg (19,3 %) wird mit dem Fahrrad zurückgelegt - ein Plus von fast 5 Prozentpunkten gegenüber 2013
  • der Anteil des MIV (inkl. MitfahrerInnen) ist um gut 5 Prozentpunkte gesunken (41,6 nach 46,8 %)
  • die Anzahl der Wege, die mit „Öffis" erledigt wurden, ist annähernd gleichgeblieben (19,8 %). Die Fahrgastzuwächse konnten offensichtlich durch Bevölkerungszuwachs und mehr PendlerInnen erzielt werden.
  • die Wege zu Fuß haben sich leicht erhöht (19,3 %)
  • gegenüber 2013 hat der „Umweltverbund" um gut 5 % zulegen können (von 53,2 auf 58,4 %) 
  • Männer legen mehr Wege mit dem MIV zurück als Frauen (44 zu 39 %), allerdings ist auch bei den Männern der MIV-Anteil deutlich gesunken und das Fahrrad beliebter geworden (22 % Weganteil)
  • Betrachtet man die Zeitreihe, so zeigt sich ein Trend zur Multimodalität, d.h. AutobesitzerInnen nutzen ihr Auto weniger und fahren öfters Rad, Personen ohne Autobesitz sind heute nahezu zu gleichen Teilen mit MIV, Fahrrad und zu Fuß sowie überproportional mit dem ÖV unterwegs.
  • Die meisten RadfahrerInnen finden sich in der Altersgruppe der 16- bis 25-Jährigen (31 %), die jüngere Gruppe der 11- bis 15-Jährigen ist hingegen vorwiegend mit dem ÖV unterwegs (61 %). Die meisten Autowege als LenkerIn absolviert die Gruppe der 36- bis 65-Jährigen (47 %), das Mitfahren im Auto ist hingegen im Volksschulalter am stärksten (39 %).
  • Der Fahrradanteil unter den PflichtschülerInnen ist nach dem Tiefststand von 2013 (1 - 3 % der Wege) wieder auf ca. 8 - 9 % gestiegen.
  • Nach Verkehrszwecken betrachtet, wird das Fahrrad für Ausbildungswege am häufigsten genutzt (26 %), wobei in diesem Segment insgesamt der ÖV dominiert (44 %). Bei PendlerInnen ist das Auto als LenkerIn das wichtigste Verkehrsmittel (46 %).
  • Wie nicht anders zu erwarten, werden kurze Wege eher zu Fuß und mit dem Fahrrad zurückgelegt: unter 1 km sind Wege zu Fuß dominierend (69 %), von 2 bis 3 km mit dem Fahrrad (37 %). In diesem Segment von 2 bis 3 km Wegentfernung wird das Auto als LenkerIn für 24 % der Wege benutzt (grundsätzlich eine Fahrraddistanz). 
  • Die mittlere (berichtete) Tür-zu-Tür Geschwindigkeit aller Wege liegt bei 17 km/h, die mittlere Wegdauer bei 21 min. und die mittlere Wegentfernung bei 6 km. Pro Tag verbringt der mobile Grazer/ die mobile Grazerin 1h 16 min. im Verkehr.  

Auf dem richtigen Weg - aber weiter Handlungsbedarf

Stadträtin Kahr beim Interview © Stadt Graz/Wehap
Stadträtin Kahr beim Interview© Stadt Graz/Wehap

Nimmt man die Mobilitätsstrategie der Stadt Graz als Maßstab, ist Graz auf dem richtigen Weg, wenngleich man vom Ziel, das Verhältnis Umweltverbund zu MIV von 55:45 (2008) auf 63:37 bis zum Jahr 2020 zu verbessern, noch entfernt ist (aktuell 58:42). Während die Zielwerte im Radverkehr und bei den Wegen zu Fuß praktisch erreicht sind, ist der MIV-Anteil noch zu hoch und jener des ÖV zu niedrig.

Die Schlussfolgerung im Sinne eines Handlungsbedarfs für die Zukunft:

  • Ziel "Stadt der kurzen Wege" weiterverfolgen!
  • Förderung Fußgänger- und Radverkehr fortsetzen, inbesondere Anteil bei Jugendlichen und SchülerInnen erhöhen! 
  • Maßnahmen zur Verringerung des MIV-Anteilsbeim Berufspendlerverkehr und Personenwirtschaftsverkehr, z.B. Zielgruppe Altersklasse 35 bis 65
  • Maßnahmen im Sinne einer ÖV-Offensive zur Erhöhung des Öffi-Anteils!

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