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Radfahren verbindet

450 TeilnehmerInnen aus 22 Nationen tauschen sich zum Thema Fahrrad aus

28.05.2019
Eröffneten heute den 12. Österreichischen Radgipfel: Verkehrsstadträtin Elke Kahr, Bürgermeister Siegfried Nagl, Umweltstadträtin Judith Schwentner und Baudirektor Bertram Werle (v. l.). © Stadt Graz/Fischer
Eröffneten heute den 12. Österreichischen Radgipfel: Verkehrsstadträtin Elke Kahr, Bürgermeister Siegfried Nagl, Umweltstadträtin Judith Schwentner und Baudirektor Bertram Werle (v. l.).© Stadt Graz/Fischer

"Radfahren verbindet". So lautet das Motto des 12. Österreichischen Radgipfels, der von 27. bis 29. Mai auf der Grazer Messe über die Bühne geht. 450 TeilnehmerInnen aus 22 Nationen treffen dabei aufeinander, um sich auszutauschen, zu diskutieren und neue Ideen zum Thema Fahrrad zu schmieden.

Nachdem Bürgermeister Siegfried Nagl gestern schon KollegInnen aus der EU begrüßt hatte und sich mit ihnen beriet, eröffnete er heute die Veranstaltung offiziell: "Wir haben ideales Tagungswetter. Aber ich hoffe doch, dass es am Nachmittag aufreißt und Sie Graz mit dem Fahrrad erkunden können." Das Stadtoberhaupt verlieht seiner Freude Ausdruck: "Schön, dass sich Ihre Community bei uns trifft, denn wir wollen über den Tellerrand hinausblicken und Vorreiter sein, wenn es um den Radverkehr geht." Über den Besuch von VertreterInnen aus drei Grazer Partnerstädten (Ljubljana, Darmstadt und Groningen) freute sich Nagl ganz besonders.

Auf die Frage, ob sich der Bürgermeister noch an sein allererstes Fahrrad erinnern könne, antwortete dieser:  "Mein Dreirad war graublau, dann gab es da noch einen knallroten Roller und schließlich das erste Fahrrad, für das ich auch im Unternehmen meines Vaters mitarbeiten musste. Es war ein grünes KTM. Dabei hätte ich damals so gerne ein Puch gehabt."
Seitens der Grazer Stadtregierung waren auch Verkehrsreferentin Elke Kahr und die für das Umweltressort zuständige Stadträtin Judith Schwentner anwesend.

Fahrradhauptstadt sein oder nicht sein

Die zwölfte Auflage des Radgipfels war von organisatorischer Seite eine perfekte Kooperation zwischen Stadt (Baudirektion, EU-Referat und Verkehrsplanung), Land Steiermark und dem Bund.

Als erster Keyspeaker an diesem Tag betrat Bernhard Wieser, assoziierter Professor an der Science, Technology and Society Unit der TU Graz, das Rednerpult. Sein Vortrag trug den Titel "Fahrradhauptstadt werden und Fahrradhauptstadt bleiben." Zunächst stellte der Buchautor ("How Genes Matter") die Frage in den Raum, ob Graz denn überhaupt eine Fahrradhauptstadt sei. Und lieferte gleich selbst die Antwort: "Es kommt immer darauf an, mit wem man unsere Stadt vergleicht. Wir haben einen Radanteil von 19,3 Prozent, Linz hat nur 7 Prozent. Groningen jedoch 33 Prozent. Es ist also wie mit dem Wasserglas - halb voll oder halb leer." Auf jeden Fall attestierte Wieser Graz noch Spielraum nach obenhin was den Radanteil am Gesamtverkehr betrifft.

Seine Ausführungen beinhalteten auch zahlreiche Blicke in die Vergangenheit, um die Entwicklung des Fahrradfahrens in Graz zu demonstrieren. Zu dessen Anfängen - der erste Drahtesel ritt 1880 ein - blieb das Fahrrad den jüngeren Männern der gesellschaftlichen Eliten als reines Freizeitvergnügen vorbehalten. Diese importierten Modelle aus England und gründeten wie dort Fahrradclubs. "Das bedeutete aber nicht, dass die anderen nicht auch fahren wollten."

Damen im Sattel

Elise Steininger schwang sich mit gleichgesinnten Damen in den Sattel und gründete den Grazer-Damen-Bicycle-Club".
Im Laufe des 20. Jahrhunderts erfuhr das Fahrrad dann einen Bedeutungwandel hin zum Transportmittel: "Mobilität für den Massentransport. Der Höhepunkt wurde in den 50er Jahren erreicht. Nach dem Zweiten Weltkrieg folgte dann das Zeitalter des Automobils und die Städte wurden für dieses entsprechend gestaltet", erklärte Wieser.

Einen erneuten Aufschwung erlebte das Fahrrad dann in den 70er Jahren als Freizeitgerät. Das Mountainbike trat seinen Siegeszug von den USA aus an. "Und die Bedeutung als urbanes Transportmittel erfuhr es auch wieder", fügte der Wissenschafter hinzu.

Gemeinsame Zielsetzung

Gegen Ende seines Vortrags unterstrich Wieser die Bedeutung einer gemeinsamen Zielsetzung. Hier sieht er auch die Politik gefordert.

Mit 130 Kilometer-Radwege-Netz, Öffnung der meisten Einbahnen für den Radverkehr und Tempo 30 in den Nebenstraßen, seien schon einige Schritte in Richtung Fahrradhauptstadt gesetzt worden. "Aber, wie ich bereits zu Beginn erwähnt habe: Das Glas ist halb voll oder halb leer."

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