• Seite vorlesen
  • Feedback an Autor
  • Auf Twitter teilen
  • Auf Facebook teilen

Wohnen im grünen Bereich

11.06.2019
Bgm.-Stv. Mario Eustacchio, Wohnen Graz-GF Gerhard Uhlmann, Gerald Fuchs (Argis) und Architekt Josef Hohensinn vor dem Projektareal Am Grünanger, wo neue städtische Wohnungen entstehen sollen. © Stadt Graz/Fischer
Bgm.-Stv. Mario Eustacchio, Wohnen Graz-GF Gerhard Uhlmann, Gerald Fuchs (Argis) und Architekt Josef Hohensinn vor dem Projektareal Am Grünanger, wo neue städtische Wohnungen entstehen sollen.© Stadt Graz/Fischer

Auf dem historisch sensiblen Areal des ehemaligen Lagers Liebenau soll noch heuer der Spatenstich für moderne Wohngebäude erfolgen, in denen rund 350 Personen ein neues Zuhause finden werden.

Modulares Wohnen am Grünanger © Hohensinn Architektur
Modulares Wohnen am Grünanger© Hohensinn Architektur

Und dieses ist der zweite Streich: Nach dem Projekt Faunastraße nimmt die Stadt Graz in Sachen städtischer Wohnbau erneut die Gestaltung in die Hand. Aus dem Wohnareal Grünanger mit derzeit 35 Holzbaracken sollen so bis Ende 2021 36 Gebäude mit über 150 zeitgemäßen und modernen Wohnungen entstehen. Für Bürgermeister-Stellvertreter Mario Eustacchio ein wahres Leuchtturmprojekt, das westlich der Andersengasse zwischen Theyergasse, Pichlergasse und Eduard-Keil-Gasse entsteht: „Es war für uns vor allem wichtig, die bestehenden Angerstrukturen in der Neugestaltung zu bewahren, das heißt den Dorfcharakter mit zentralem Begegnungspunkt zu erhalten, was einzigartig in Graz ist. Mit viel Grün und kleinteiligen Strukturen, die Platz für Gemeinschaft, Kommunikation und Begegnung schaffen, entsteht ein Wohnprojekt, das eindeutig für Nachhaltigkeit und Moderne steht", so der Wohnbaureferent anlässlich der heutigen Pressekonferenz im Jugendzentrum Grünanger.

Leistbarer Wohnraum mit hoher Lebensqualität

„Die bestehenden Objekte werden ins Projekt integriert. Jene Mieter, die in den Häusern bleiben möchten, müssen auch nicht ausziehen", zerstreute Gerhard Uhlmann, Geschäftsführer von Wohnen Graz, die Sorgen, gekündigt zu werden. Den Bewohnerinnen und Bewohnern stehe es allerdings frei, alt gegen neu zu tauschen. Frei gewordene, nicht mehr sanierungswerte Objekte würden dann peu à peu Neubauten weichen. Und diese fügen sich nahtlos in das historisch bedeutsame Wohnareal ein. Die einzelnen Wohnungen mit ca. 46 bis 66 m² Nutzfläche sind in nicht unterkellerten zwei- bis dreigeschossigen Gebäuden so angeordnet, dass die Zugangs- und Erschließungsbereiche eine bestmögliche Privatsphäre gewährleisten. Fast alle Sozialmietwohnungen, die an das Fernwärmenetz der Stadt Graz angeschlossen und mit moderner LED-Technologie ausgestattet sind, ist ein Garten- oder Freiflächenanteil zur vorwiegend privaten Nutzung zugeordnet. Das Wohngebiet selbst ist nahezu autofrei, geparkt wird am Rand. „Mit diesem Konzept sind wir dem Ziel, Wohnraum zu verdichten, einen großen Schritt nähergekommen. In den geplanten 36 Häusern werden 350 Menschen ein neues Zuhause finden - zweieinhalb Mal so viel wie in den 35 bestehenden Holzbaracken mit insgesamt 62 Wohneinheiten", rechnete Uhlmann vor.

Realisierung in zwei Bauphasen

Für die Planung und Realisierung ist das Grazer Büro Hohensinn Architektur ZT GmbH zuständig, das den von der Stadtbaudirektion ausgeschriebenen Wettbewerb gewonnen hat. Bebaut wird in zwei Abschnitten. Der Spatenstich zum ersten soll noch heuer erfolgen, 13 neue Gebäude mit insgesamt 60 Wohneinheiten sind vorgesehen. „Die größte Herausforderung war es, die bestehenden Strukturen ins Konzept zu integrieren", verrät Architekt Josef Hohensinn. Das Angerareal (= Dorfplatz) impliziere ein Maximum an Grün- und Freiflächen, quasi ein gemeinsames „Wohnzimmer" mit Werkstätten, Gemeinschaftsraum und gedeckter Sitzterrasse. „Es ist uns gelungen, die Qualität, die in der Siedlung vorhanden ist, durch zeitgemäße Wohnqualität zu ergänzen."

Gedenkkultur bewahren

Dass das Wohnareal, das sich zur Gänze im Bereich des ehemaligen Lagers Liebenau befindet, ein besonders sensibles ist, steht außer Frage. Deshalb wird seitens Wohnen Graz und in Absprache mit dem Denkmalschutz auch Historiker Gerald Fuchs vom Argis Archäologie Service das Projekt begleiten. Historische Auszüge und Dokumentationen belegen eine lagerartige Bebauung von eingeschossigen und ebenerdigen Holzbaracken mit teilweise unterirdischen Deckungsgängen zur Unterbringung von Zwangsarbeitern während der NS-Zeit. Im Falle von archäologisch bedeutsamen Funden werden die Bauarbeiten unmittelbar eingestellt und die kulturellen Zeitzeugnisse gemäß den Bestimmungen des Bundesdenkmalschutzgesetzes oder des Kriegsgräberfürsorgegesetzes in Kooperation mit den zuständigen Behörden und Abteilungen behandelt.

Eckdaten städtischer Wohnbau Grünanger

  • Projektgebiet: Grünanger (Höhe Puchsteg, westlich der Andersengasse zwischen Theyergasse, Pichlergasse und Eduard-Keil-Gasse)
  • Wettbewerbssieger: Grazer Architekturbüro Hohensinn Architektur ZT GmbH
  • Geschaffen werden: 36 Gebäude mit 156 Wohneinheiten und insgesamt 3.350 m² Wohnnutzfläche für 350 Personen
  • Bauabschnitt eins: 13 Gebäude mit insgesamt 60 Wohneinheiten, Projektkosten: rund 5,5 Mio. Euro, Start voraussichtlich dieses Jahr Bauabschnitt zwei: weitere 23 Gebäude mit 96 Wohneinheiten
  • Wohnungen: 46 bis 66 m², zwei- bis dreigeschossig, nicht unterkellert, mit Gartenanteilen und Kommunikationsräumen

Ulrike Lessing-Weihrauch

Mehr zum Thema

War diese Information für Sie nützlich?

Danke für Ihre Bewertung. Jeder Beitrag kann nur einmal bewertet werden.

Die durchschnittliche Bewertung dieses Beitrages liegt bei ( Bewertungen).