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Klettersteige: Überschätzung als Unfallursache

27.08.2019

Klettersteiggehen erfreut sich in Österreich zunehmender Beliebtheit und hat sich in den letzten Jahren zu einer regelrechten Trendsportart entwickelt. Damit einher geht aber auch eine Zunahme der Zahl der Unfälle am Klettersteig. Im Zeitraum von 01.11.2017 bis 31.10.2018 verunfallten auf Österreichs Klettersteigen 180 Personen. Davon verunglückten 6 Personen tödlich, 59 Personen verletzten sich und 115 Personen wurden unverletzt gerettet. Eine Analyse des KFV liefert nun umfangreiche Einblicke hinsichtlich des Verhaltens von Klettersteignutzern.

Wissens- und Fitnessmangel

Ein echter Genuss, aber.... © Oliver Weber - stock.adobe.com
Ein echter Genuss, aber....© Oliver Weber - stock.adobe.com

In der aktuellen Befragung von mehr als 300 Personen gibt mehr als ein Fünftel der Befragten (22 %) an, schon einmal einen Klettersteig ohne Klettersteigset (Sicherung) gegangen zu sein und 18 Prozent der Befragten sind beim Überholen am Klettersteig nicht durchgehend gesichert. Jeder zehnte Befragte (10 %) erklärte zudem, selten oder fast nie einen Partnercheck hinsichtlich des Gurtverschlusses sowie der Verbindung Klettersteigset mit Klettergurt durchzuführen. Auch das Drahtseil und die Verankerungen am Klettersteig werden nur von etwa 6 von 10 Personen (61 %) häufig oder (fast) immer überprüft. „Sehr viele Unfälle in den letzten Jahren hätten durch eine gute Ausbildung, die richtige Selbsteinschätzung und eine sorgfältige Tourenplanung vermieden werden können. Die beste Ausrüstung ist nutzlos, wenn man damit nicht sachgemäß umgehen kann", erklärt Dr. Ilona Schöppl, Leiterin des Bereichs Haushalts-, Freizeit- und Sportsicherheit im KFV.

Jeder fünfte Befragte (20 %) gab an, bereits einmal körperliche Probleme am Klettersteig (z.B. Herz-Kreislauf, Schwindel, Erschöpfung) gehabt zu haben. Ein Viertel der Befragten (25 %) übt keine weiteren Sportarten regelmäßig aus, und nur etwa die Hälfte der Befragten (51 %) trainiert zusätzlich in Kletterhallen. Darüber hinaus gab jeder zehnte Befragte (10 %) an, bei körperlichen Anstrengungen manchmal unter Schwindel zu leiden, jedoch sind nur etwa 5 von 10 Personen (55 %) - und dabei vor allem Frauen - regelmäßig beim Gesundheitscheck. Darüber hinaus gibt jeder zehnte Befragte (10 %) an, die Sicherungstechnik von niemandem erklärt bekommen zu haben und zwei Drittel der Befragten (66 %) haben keinerlei Kurs oder Ausbildung zum Klettern absolviert.

KFV Präventionstipps

  • Vor jeder Klettertour sollten Kondition und Können überprüft werden. Nach diesen persönlichen Skills richten sich Schwierigkeit und Dauer der Tour.
  • Vorsicht, Steinschlag! Kletterhelme schützen vor Steinschlag. Das Lostreten von Steinen kann durch achtsam gesetzte Schritte vermieden werden.
  • Gewissenhafte Tourenplanung: Schwierigkeitsgrad, Länge und Topografie der Route sollten sich stets nach dem schwächsten Mitglied der Gruppe richten.
  • Aktuelle Wetterprognosen einholen und tagesaktuelle Entwicklungen im Auge behalten!
  • Ein vollständiges, normgerechtes Outfit inklusive Klettergurt, Klettersteigset, hochqualitativem Schuhwerk und Helm ist die Grundvoraussetzung für eine sichere Klettertour. Auch ein vollständiges Erste-Hilfe-Set und ein Mobiltelefon samt Kabel oder Powerbank sollten Teil des Marschgepäcks sein.
  • Drahtseil und Verankerungen am Klettersteig schon zu Beginn der Tour auf mögliche Schäden überprüfen. Vor allem im Frühjahr können vermehrt Schäden durch Steinschlag, Schneedruck, Frostsprengung oder Korrosion auftreten.
  • Partner-Check am Einstieg: Vier Augen sehen mehr als zwei - überprüfen Sie am Einstieg des Klettersteigs nicht nur die eigene Ausrüstung, sondern auch die Ihrer Kletterpartner.
  • Klettersteigkurs absolvieren: Bei Klettertouren ist einiges zu beachten - eine solide Grundausbildung vermittelt nicht nur technische Kenntnisse, sondern schult auch die mentalen Fähigkeiten.

(Quelle: KFV)

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