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Erfolgreiche Anti-Vandalismus-Workshops

Thema des Monats - September 2019

01.09.2019

WARUM Vandalismus-Workshops an Schulen?

Das Thema Vandalismus ist für alle jungen Menschen spannend, da die Täter und Täterinnen in allen sozialen Schichten, in allen Bildungsschichten und auch in allen Grazer Bezirken zu finden sind. Vandalismus wird selten geplant, sondern passiert in Situationen mit Kontrollverlust.

Daher werden sehr oft auch so genannte „brave" Jugendliche plötzlich zu Tätern und sind danach selbst schockiert von ihren Handlungen.

Die Statistik zeigt, dass vor allem 16- bis 22-jährige, hauptsächlich männliche Täter wegen Vandalismus verurteilt werden.

WIE alles begann

Lehrreich fürs Leben: die Vandalismus-Workshops mit Barbara Apschner (Mitte). © Apschner
Lehrreich fürs Leben: die Vandalismus-Workshops mit Barbara Apschner (Mitte).© Apschner

Um Jugendliche vor diesem Risiko mit weitreichenden Folgen zu schützen und den finanziellen Schaden durch Vandalismus im öffentlichen Raum zu reduzieren, beschloss Bürgermeister Siegfried Nagl mit dem Sicherheitsmanagement, die direkte Diskussion mit den jungen Grazerinnen und Grazern zu suchen.

Aufbauend auf die Plakatkampagne „Vandalismus ist nicht nett" 2011 wurden im Schuljahr 2012/13 die ersten 20 Workshops an Grazer Schulen mit Jugendlichen ab 14 Jahren durchgeführt. Der Stadtschulrat bewarb das Projekt bei Direktionen und Lehrerschaft, die Stadt Graz übernahm die Finanzierung, sodass den Schülern und Schülerinnen keine Kosten entstanden.

Die Workshops dauern zwei bis drei Unterrichtseinheiten und können ohne organisatorische Vorbereitung in der Klasse durchgeführt werden.

Sie werden von SchülerInnen und LehrerInnen als interessant, lebendig und lehrreich fürs Leben beschrieben.

Da so positive Eindrücke gerne weitererzählt werden, stieg die Nachfrage nach „Vandalismus ist nicht nett" stetig. Mittlerweile melden sich viele LehrerInnen gleich zu Schulbeginn bei der Referentin, um einen Workshop für ihre Klasse zu sichern. Seit zwei Jahren ermöglicht die Stadt 45 Workshops und für den Herbst 2019 wurden weitere zehn genehmigt. Das Projekt ist inzwischen auch bei weiterführenden höheren Schulen auf großes Interesse gestoßen, denn Themen wie respektvoller Umgang mit Menschen, Tieren und Umwelt, Menschenwürde, Zivilcourage und Hilfsbereitschaft können nicht oft genug besprochen werden.

WIE sind die Workshops gestaltet?

Die SchülerInnen erarbeiten Ursachen und Alternativen zu Vandalismus © Apschner
Die SchülerInnen erarbeiten Ursachen und Alternativen zu Vandalismus© Apschner

Die SchülerInnen sitzen während der Workshops gemeinsam mit Referentin und LehrerIn in einem Sesselkreis. In einer entspannten Atmosphäre werden folgende Fragen besprochen:

  • Was ist Vandalismus - was ist ein Missgeschick?
  • Warum veranstaltet die Stadt Graz diese Workshops?
  • Welche Folgen hat Vandalismus für die Opfer, die TäterInnen, die Stadt?
  • Wer hat selbst Vandalismus als Opfer oder BeobachterIn erlebt?
  • Ab 14 Jahren ist man strafmündig und hat auch die Pflicht, zu helfen bzw. Hilfe zu holen - was bedeutet das für jede Einzelne/jeden Einzelnen?
  • Was sind die strafrechtlichen Folgen von Vandalismus und warum kann das auch zu einer finanziellen Belastung über viele Jahre führen?

Mit Storytelling und Bildern aus dem Leben von Jugendlichen erkennen die Schüler die psychologische Dynamik, die oft in Eskalation und Vandalismus gipfelt. Sie benennen jene intensiven Gefühle, die zu Kontrollverlust führen können. In Kleingruppen überlegen sie, wie solche Situationen entschärft werden könnten und welche Coping-Strategien sie bei großer Aufregung für sich selbst gefunden haben.

Man könnte den Workshop mit einer Feuerübung vergleichen, sodass Jugendliche im Ernstfall vernünftige Handlungsstrategien abrufen können.

Da Vandalismus oft im alkoholisierten Zustand passiert, wird auch der Konsum von Alkohol und das Risiko von Drogenkonsum (Gehirnumbau!) besprochen.

Betont wird auch, wie wichtig es ist, gute Freunde zu finden, die bereit sind, füreinander Verantwortung zu übernehmen, um die ersten Ausflüge ins Partyleben schadlos und fröhlich erleben zu können.

WELCHE Ziele haben die Workshops?

Die SchülerInnen entwickeln eine kritische Haltung gegenüber Vandalismus. Sie erkennen die Ursachen, die zu Vandalismus führen und überlegen für sich positive Alternativen.

Jugendlichen wird ihre Verantwortung für einen wertschätzenden Umgang mit Menschen und ihrem Lebensraum bewusst.

ENDE und Pause

5.400 SchülerInnen beteiligten sich bereits an den Anti-Vandalismus-Workshops. © Apschner
5.400 SchülerInnen beteiligten sich bereits an den Anti-Vandalismus-Workshops.© Apschner

Sehr oft sind die SchülerInnen am Ende eines Workshops überrascht, dass die Zeit so schnell vergangen ist. Immer wieder fragen sie auch nach einer Fortsetzung. Das ist die schönste Auszeichnung für Referentin und Veranstalter und schürt die Vorfreude auf das neue Schuljahr.

P.S.: Wenn die anwesenden LehrerInnen aus ihrer eigenen Jugend erzählen, hören die SchülerInnen besonders aufmerksam zu ... und schmunzeln.

Autorin: Barbara Apschner

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