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100 Jahre Österreichisches Schwarzes Kreuz

Thema des Monats - Dezember 2019

01.12.2019

Ehemalige Offiziere gründeten das Österreichische Schwarze Kreuz

Der Soldatenfriedhof in St. Kathrein am Hauenstein © ÖSK
Der Soldatenfriedhof in St. Kathrein am Hauenstein© ÖSK

Vor 100 Jahren herrschten im zum Kleinstaat geschrumpften Deutsch-Österreich Hunger, große Not und vor allem großer Zweifel an einer positiven Zukunft. Der Friedensvertrag von St. Germain war nach dem katastrophalen Ausgang des Ersten Weltkrieges eine weitere große Demütigung für unser Heimatland. 

Da die österreichisch-ungarische Armee, die die Kriegsgräberfürsorge über Jahrhunderte wahrgenommen hatte, nicht mehr existierte, haben sich in dieser tristen, perspektivenlosen Zeit ehemalige Offizierskameraden zusammengetan und im Sommer 1919 den Verein Österreichisches Schwarzes Kreuz (ÖSK) gegründet.

Zahlreiche Aufgaben

Feierliche Beisetzung eines k.u.k.-Soldaten im September 2019 in Polen. © ÖSK
Feierliche Beisetzung eines k.u.k.-Soldaten im September 2019 in Polen.© ÖSK

Zwei wichtige Aufgabenbereiche wurden damals festgelegt: 

  • Die Hinterbliebenen von Gefallenen sollten darüber informiert werden, wo sich die Gräber ihrer Angehörigen befinden bzw. ob es überhaupt ein Grab gibt.
  • Die Instandsetzung und Pflege der Kriegsgräber im In- und Ausland sollten wahrgenommen werden.

Weitere Aufgabenbereiche heutzutage sind die

  • Hilfe für Angehörige bei Nachforschungen und bei der Klärung von Soldatenschicksalen,
  • die Hilfestellung bei Exhumierungen und Überführungen gefallener Soldaten in die Heimat,
  • die Organisation von Arbeitseinsätzen Freiwilliger zur Pflege und Instandsetzung von Kriegsgräberanlagen im In- und Ausland sowie
  • die Organisation gemeinsamer Gedenkveranstaltungen zur Verständigung und Aussöhnung mit den Gegnern von einst.

Überparteilich, überkonfessionell, ehrenamtlich

Kriegsgräbereinsatz am Grazer Zentralfriedhof © ÖSK
Kriegsgräbereinsatz am Grazer Zentralfriedhof© ÖSK

Durch den Friedensvertrag von St. Germain von 1919 war Österreich nun auch verpflichtet, die Grabstätten aller Kriegsopfer auf österreichischem Staatsgebiet unabhängig von ihrer Herkunft und Religion zu pflegen und zu erhalten. Mit der Durchführung wurde das Innenministerium beauftragt, das sich dazu des Vereins „Österreichisches Schwarzes Kreuz" (ÖSK) bediente. 

Das ÖSK ist überparteilich und überkonfessionell und verfolgt gemeinnützige Zielsetzungen. Es finanziert sich zur Gänze aus Spenden, die vor allem anlässlich der alljährlichen Allerheiligensammlungen auf den Friedhöfen durch Freiwillige - u.a. Soldaten des ÖBH sowie Kameraden des ÖKB - gesammelt werden. Die Funktionäre des ÖSK sind allesamt ehrenamtlich tätig.

Erinnern statt vergessen

K.u.k.-Soldatenfriedhof in Polen © ÖSK
K.u.k.-Soldatenfriedhof in Polen© ÖSK

„Erinnern statt vergessen - Arbeit für den Frieden" ist der Leitspruch des ÖSK. Durch seine Aktivitäten erinnert es sichtbar und mahnend an die Kriegstoten und versucht, dadurch zur Erhaltung und Festigung des Friedens beizutragen.

Österreichweit sind es mehr als 1.000 Kriegsgräberanlagen, davon mehr als 200 in der Steiermark, die vom Schwarzen Kreuz oft auch mit Hilfe des Österreichischen Kameradschaftsbundes betreut werden. Dazu kommen mehr als 250 Soldatenfriedhöfe im Ausland, wo man sich um die würdige Wiedererrichtung und Pflege der Gräber gefallener k.u.k.-Soldaten bemüht. Seit der Ostöffnung arbeitet das ÖSK verstärkt in Polen, in der Ukraine, in Ungarn und in Russland, auch in Italien, Slowenien, Kroatien und Bosnien-Herzegowina werden Kriegsgräberanlagen betreut.

Soldatenfriedhöfe als Mahner gegen den Krieg

Oberst Dieter Allesch vor der neuen Namenstafel am Friedhof Lang-Lebring. © ÖSK
Oberst Dieter Allesch vor der neuen Namenstafel am Friedhof Lang-Lebring.© ÖSK

Der Wahnsinn von Kriegen wird uns nirgends anderswo dramatischer und deutlicher vor Augen geführt als auf Soldatenfriedhöfen. Vor allem Jugendliche, für die heutzutage der Frieden einfach etwas Selbstverständliches ist, sollten zumindest einmal einen Soldatenfriedhof besuchen, um zu erkennen, welch fürchterliches Leid die Kriege im vergangenen Jahrhundert bei uns verursacht haben und dass dieser Zustand bei Gott nicht selbstverständlich ist. 

Es ist daher so wichtig, dass Soldatenfriedhöfe als die großen Mahner für den Frieden und gegen den Krieg gepflegt, erhalten und besucht werden! 

Aus Anlass des 100-jährigen Bestandsjubiläums fanden in Wien zwei würdige Veranstaltungen statt. Obst Prof. Hannes Apfolterer, Militärmusik Tirol, hat eine Hymne komponiert und eine Sonderbriefmarke wurde aufgelegt. 

Mit dieser Information über das vielen Mitbürgerinnen und Mitbürgern wenig bekannte Schwarze Kreuz hoffe ich, einen Beitrag dazu geleistet zu haben, dass nach dem Grundsatz „nur wenn man weiß, wofür man gibt, spendet man gerne" viele LeserInnen in Zukunft aus Überzeugung zu Allerheiligen für die Kriegsgräberfürsorge spenden.

Oberst i.R. Dieter Allesch
Landesgeschäftsführer ÖSK Steiermark

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