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Engagement, das vom Herzen kommt

10.12.2019

Menschenrechte sind mehr als nur ein Wort

Die Stadt Graz vergibt seit 2007 alle zwei Jahre den Menschenrechtspreis. Mit dieser Auszeichnung soll das friedliche Zusammenleben aller Menschen in Graz gefördert werden. Bei der Bewertung der Einreichungen wird seitens des Friedensbüros auf Werte wie Toleranz, Dialog und Versöhnung und deren Wirken im kommunalen Leben geachtet. Übrigens: Für diesen mit 7.000 Euro dotierten Preis sind Eigenbewerbungen nicht möglich, lediglich Vorschläge von Personen oder Organisationen.

Im heurigen Jahr geht der Menschenrechtspreis an eine Dame und zwei Herren. Am gestrigen Abend fand die feierliche Verleihung im Gemeinderatssaal des Rathauses statt. Für die musikalische Umrahmung sorgten der Stimmführer des Grazer Philharmonischen Orchesters, Karl Vorraber auf der Violine und Kammermusikerin Nadja Stiegler auf dem Violoncello.

Bürgermeister Siegfried Nagl zeigte sich erfreut und blickte zurück auf die Wurzeln des Preises: "Wir haben ihn damals eingeführt, weil wir nicht wussten, was wir Alfred Stingl schenken sollten. Auch versuchten wir auf Kommunalebene gute Beispiele der Menschenrechtsstadt der Gesellschaft aufzuzeigen. Und rasch war klar, dass nur ein Preis alle zwei Jahre zu wenig sein wird, also sind es jetzt drei." Auch betonte Nagl: "Die Entscheidung, Menschenrechtsstadt zu sein ist keine einmalige. Sie muss stets mit neuem Leben erfüllt werden." Und das Stadtoberhaupt zeigte sich realistisch: "Wir haben schon viel erreicht, dennoch bleibt vieles zu tun übrig. Gemeinsam können wir es schaffen."

Ebenfalls anwesend war bei der gestrigen Feier Stadträtin Judith Schwentner sowie einige Mitglieder des Grazer Gemeinderats und Altbürgermeister Alfred Stingl.

Bürgermeister Siegfried Nagl (3. v. l.) mit den PreisträgerInnen Karl-Heinz Herper, Edith Abawe und Peter Krasser (v. l.). © Stadt Graz/FischerDer pensionierte Schuldirektor Peter Krasser eröffnet in wenigen Monaten die neunte Schule in Äthiopien.  © Stadt Graz/FischerEdith Abawe wurde für ihr Engagement im Infocafé "palaver" mit dem Menschenrechtspreis ausgezeichnet. © Stadt Graz/FischerKarl-Heinz Herper lebt die Menschenrechte und betrachtet sie fernab von jeglichem Parteibuch. © Stadt Graz/FischerFestliche Stimmung im Gemeinderatssaal des Grazer Rathauses. Zahlreiche Gäste waren zur Verleihung des Menschenrechtspreises gekommen.  © Stadt Graz/FischerSorgten für die perfekte musikalische Umrahmung: Karl Vorraber (Violine) und Nadja Stiegler (Violoncello). © Stadt Graz/Fischer

Alle Kraft für die Frauen

Andrea Strutz hatte Edith Abawe vom "Infocafé palaver - Frauenservice Graz" für den Menschenrechtspreis vorgeschlagen.

Das Infocafé ist seit 1999 ein offener Ort der Begegnung von Menschen unterschiedlichster Kulturen und trägt mit seinen Aktivitäten zur Vernetzung und Wertschätzung von allen Frauen, die in Graz leben, wesentlich bei. "palaver" ist ein Kommunikationsraum, eine Informationsdrehscheibe für diverse Fragen und Problemstellungen, ein Ort des niederschwelligen Lernens und eine wesentliche Hilfestellung im Prozess der Integration von Migrantinnen.

Edith Abawe zeigte sich sichtlich gerührt von der Zuerkennung des Menschenrechtspreises: "Das ist eine ganz große Ehre für mich." Die aus Ruanda stammende unermüdliche Kämpferin für das Wohl der Frauen vergaß nicht, sich bei allen zu bedanken, die am vielfältigen Programm von "palaver" mitarbeiten: "Danke an alle Frauen, die bei uns ehrenamtlich mitarbeiten. Ohne ihr Engagement wäre vieles nicht möglich." Ein paar Worte verlor Abawe auch über ihre Motivation: "Meine Mutter ist nie in die Schule gegangen. Buben wurden vorgezogen. Das hat mich geprägt. Deshalb habe ich beschlossen, mich zu engagieren."

Menschenrechte haben kein Parteibuch

Denise Schiffrer-Barac, Kinder- und Jugendanwältin des Landes Steiermark hat Karl-Heinz Herper nominiert.

Das gesamte Leben hat sich Karl-Heinz Herper mit dem zentralen Gedanken der Umsetzung der Menschenrechte in Österreich beschäftigt - insbesondere in Graz. Egal, ob für PensionistInnen oder Kinder, Herper macht sich für alle jene stark, die Hilfe brauchen. Seit Jahrzehnten ist er überparteilich zum Thema Menschenrechte unterwegs. Sein Ziel: Diese sollen in der Stadt Graz lebbar, spürbar sein. Mit großem Geschick versucht Herper dabei immer Widerstand und Konfrontationen zu vermeiden und stets im Sinne der Menschen zu handeln.

Erwartet wortgewandt fiel die Dankesrede von Herper aus: "Ich bin sehr gerührt, dass ich wieder hier am Rednerpult stehen darf, wo ich so oft in der Vergangenheit viele Wortgefechte ausgetragen habe. Das war eine schöne und wichtige Zeit für mich. Wir hatten stets eine niveauvolle Streitkultur."

Herper, der nie müde wird zu betonen, dass die Menschenrechte kein Parteibuch haben, lebt das auch so und bemerkt wohlwollend: "Eine erfrischende Jugendbewegung, die freitags durch die Straßen zieht, trifft auf die Menschenrechtsbewegung. Die Menschheit braucht entschiedene kräftige Gegenreaktion."

Bildung als Grundlage für jegliche Entwicklung

Margareta Maria Deix von der Wirtschaftskammer Steiermark hat Peter Krasser aus Wies für den Menschenrechtspreis 2019 vorgeschlagen.

Peter Krasser hat in den vergangenen 17 Jahren Großartiges im Hochland von Äthiopien geleistet: Er hat acht Schulen gebaut, die neunte wird in wenigen Monaten eröffnet. Damit bekamen mehr als 10.000 Kinder die Möglichkeit einer Ausbildung und  die Hoffnung auf eine lebenswerte Zukunft. Krasser hat dafür Finanzmittel von 1,4 Millionen Euro auf die Beine gestellt: zehn Prozent aus Spenden, 90 Prozent aus dem Erlös von Benefizveranstaltungen, die er Jahr für Jahr organisiert. Das sind in Summe mehr als 120 Musikevents, Kabarettabende, Golfturniere, Kunstauktionen, Hoffeste oder Vorträge. Der pensionierte Schuldirektor wird nicht müde, den BesucherInnen das Thema Afrika und Entwicklungszusammenarbeit näher zu bringen. Ausgangsbasis für sein Tun bildet die von Karlheinz Böhm gegründete Hilfsorganisation "Menschen für Menschen".
Auch er wird oft gefragt, warum er sich denn so engagiere. Am gestrige Abend lieferte er die Antwort: "Der Auslöser war mein 50. Geburtstag. Da habe ich realisiert, das meiste, was ich mir wünsche, kann ich mir selber kaufen. Dafür, dass ich in dem gesegneten Land Österreich auf die Welt gekommen bin, kann ich nichts. Also möchte ich etwas zurückgeben." Seine wichtigste Erkenntnis nach all den Jahren enthielt Krasser den Gästen auch nicht vor: "Geben ist viel Schöner als Almosen empfangen."

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