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Sicherheit auf der Schipiste

Thema des Monats – Jänner 2020

01.01.2020
Ab ins Schivergnügen - mit Helm und Köpfchen! © Adobe Stock
Ab ins Schivergnügen - mit Helm und Köpfchen!© Adobe Stock

Schifahren, Snowboarden, Schitouren gehen, Langlaufen, Rodeln: Wintersport macht Spaß, ist aber nicht ungefährlich, wie die Zahlen des Österreichischen Kuratoriums für alpine Sicherheit zeigen.

Das größte Sicherheitsrisiko ist der Mensch, die meisten Unfälle sind das Resultat von zu geringer Fitness und Selbstüberschätzung. Unfallursache waren fast immer Kollisionen - fast 90 Prozent der Beteiligten verletzten sich beim Zusammenstoß mit anderen. Und nur allzu oft lassen die Unfallverursacher die Unfallopfer in Stich, fahren einfach davon und entziehen sich so ihrer doppelten Verantwortung. Denn: Wer einem Verletzten nicht Erste Hilfe leistet, handelt nicht nur moralisch bedenklich, sondern begeht auch eine Straftat.

Das „Imstichlassen eines Verletzten" ist laut Strafgesetzbuch mit bis zu zwei Jahren Strafe bedroht. Strafbar macht sich auch, wer „es bei einem Unglücksfall unterlässt, die zur Rettung eines Menschen offensichtlich erforderliche Hilfe zu leisten" (Strafrahmen sechs Monate). Das heißt: Alle am Unfall Beteiligten und alle Zeugen können zur Verantwortung gezogen werden, da Zusammenstöße mit Verletzten polizeilich erhoben werden.

Der Eindruck, dass es vermehrt Fahrerflucht nach Unfällen gibt, täuscht allerdings, sagt die Statistik des Kuratoriums für alpine Sicherheit; die Zahlen sind in den letzten Jahren mit einem durchschnittlichen Wert von 16 Prozent konstant.

Unfall auf der Piste

Damit es erst gar nicht zu einer gefährlichen Situation oder zu einem Unfall auf der Piste kommt, halten Sie sich an die zehn FIS-Pistenregeln, die Sie am Ende dieses Artikels finden. Wenn´s trotzdem passiert ist, achten Sie vorrangig auf die Sicherheit aller beteiligten Personen: Unfallstelle absichern, dem Verletzten Erste Hilfe leisten, Pistenrettung unter dem Notruf 140 alarmieren. Alle am Unfall Beteiligten und alle Zeugen sollten ihre Personalien bekannt geben bzw. austauschen. Dies ist grundsätzlich ratsam, da sich oft erst später herausstellt, dass jemand verletzt worden ist.

Zeugen können maßgeblich dazu beitragen, Fahrerflucht aufzuklären - fast jeder ist mit Handy ausgestattet und kann Video/Filme machen. Solche Aufnahmen können die Alpinpolizei in ihren Ermittlungen unterstützen. Laut Strafprozessordnung hat jeder auch ein privates Anhalterecht, wenn er annehmen kann, dass eine Person eine strafbare Handlung unmittelbar zuvor ausgeführt hat. Ein so Verdächtiger kann „auf verhältnismäßige Weise" angehalten weisen, man muss aber sofort Anzeige bei der Polizei erstatten.

Hat der/die UnfallverursacherIn Fahrerflucht begangen und Sie verletzt zurück gelassen, sollten Sie aus versicherungstechnischen Gründen bei der Polizei Anzeige gegen Unbekannt machen.

Pistenrettung: Notruf 140

Unter dem Alpin-Notruf 140 erreicht man die Berg- bzw. Pistenrettung. Die Pistenrettung ist in Österreich zwar nicht ausdrücklich gesetzlich geregelt, doch sind Pistenhalter verpflichtet, einen Pistenrettungsdienst zu gewährleisten. Der Pistenhalter (Seilbahnunternehmer) kann diesen Rettungsdienst selbst einrichten oder Bergrettung, Rotes Kreuz oder andere Sanitätsorganisationen beauftragen. Die Pistenrettung muss von Betriebsbeginn bis zur letzten Kontrollfahrt am Nachmittag (bzw. auch bei Nacht-/Flutlicht-Schilauf) für den organisierten Schiraum (Pisten, Schirouten, Liftanlagen) erreichbar sein.

Rechtliche Folgen

Ein Schiunfall mit Verletzten bringt rechtliche Folgen mit sich: Das Allgemeine Bürgerliche Gesetzbuch regelt das Schmerzengeld und berechtigt Geschädigte zum Ersatz der Heilungskosten und, sollte durch die Verletzung eine Erwerbsunfähigkeit eintreten, des Verdienstentganges. Der Beweis des Verschuldens ist in der Regel vom Geschädigten zu erbringen und gründet sich meist auf eine Verletzung der FIS-Regeln bzw. der Pistenordnung.

Wer zahlt die Kosten?

Die gesetzliche Sozial- und Krankenversicherung zahlt bei einem Schiunfall nur begrenzt, nämlich die Kosten für die medizinische Behandlung, nicht aber die Bergung von der Piste. Erfolgt diese durch Pistendienst oder Liftbetreiber, fallen meist keine Kosten an. Muss aber die Bergrettung kommen oder gar ein Hubschrauber, kann das bald ein paar tausend Euro kosten.

Deshalb wird eifrigen WintersportlerInnen eine Zusatzversicherung empfohlen. Organisationen wie Alpenverein, Bergrettung, Naturfreunde, ÖAMTC, ARBÖ, manche Sportvereine, Kreditkartenfirmen und natürlich alle Versicherungen bieten Schutzbriefe, Sport- und Unfallversicherungen an. Aber Achtung: Auch diese Versicherung zahlt nicht, wenn man einen Unfall etwa alkoholisiert verursacht.

Die 10 FIS-Pistenregeln

Prinzipiell gilt auf der Piste: Helm auf, defensiv fahren, das eigene Können nicht überschätzen, keinen Alkohol trinken und diese zehn Pistenregeln beherzigen:
Grafik: Zivilschutz Steiermark 
Grafik: Zivilschutz Steiermark
  1. Rücksicht auf andere Schifahrer: Jeder Schifahrer muss sich so verhalten, dass er keinen anderen gefährdet oder schädigt.
  2. Beherrschung der Geschwindigkeit und Fahrweise: Jeder Schifahrer muss auf Sicht fahren. Er muss seine Geschwindigkeit und Fahrweise seinem Können und den Gelände-, Schnee- und Witterungsverhältnissen sowie der Verkehrsdichte anpassen.
  3. Wahl der Fahrspur: Der von hinten kommende Schifahrer muss seine Fahrspur so wählen, dass er vor ihm fahrende Schifahrer nicht gefährdet.
  4. Überholen: Überholt werden darf von oben oder unten, von rechts oder links, aber immer nur mit einem Abstand, der dem überholten Schifahrer für alle seine Bewegungen genügend Raum lässt.
  5. Einfahren und Anfahren: Jeder Schifahrer, der in eine Schiabfahrt einfahren oder nach einem Halt wieder anfahren will, muss ich nach oben und unten vergewissern, dass er dies ohne Gefahr für sich und andere tun kann. 
  6. Anhalten: Jeder Schifahrer muss es vermeiden, sich ohne Not an engen oder unübersichtlichen Stellen einer Abfahrt aufzuhalten. Ein gestürzter Schifahrer muss eine solche Stelle so schnell wie möglich freimachen.
  7. Aufstieg und Abfahrt: Ein Schifahrer, der aufsteigt oder zu Fuß absteigt, muss den Rand der Abfahrt benutzen.
  8. Beachten der Zeichen: Jeder Schifahrer muss die Markierung die Signalisation beachten.
  9. Hilfeleistung: Bei Unfällen ist jeder Schifahrer zur Hilfeleistung verpflichtet.
  10. Ausweispflicht: Jeder Schifahrer, ob Zeuge oder Beteiligter, ob verantwortlich oder nicht, muss im Falle eines Unfalles seine Personalien angeben.

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