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Mit Mutmachern gegen Gewalt an Kindern

08.01.2020
Kurt Hohensinner, Ernst Eber, Gabriella Walisch, Ingrid Krammer, Holger Till © Stadt Graz/Fischer
Kurt Hohensinner, Ernst Eber, Gabriella Walisch, Ingrid Krammer, Holger Till© Stadt Graz/Fischer

Vor mehr als 30 Jahren, am 20. November 1989, wurde von der UNO die Konvention über die Rechte des Kindes beschlossen. Dieses Übereinkommen sichert jedem Kind grundlegende politische, soziale, ökonomische, kulturelle und bürgerliche Rechte zu. Ebenfalls im Jahr 1989 wurde in Österreich Gewalt in der Erziehung verboten. „Trotzdem gehört das Thema Gewalt in der Familie leider nicht der Vergangenheit an", weiß Jugend- und Familienstadtrat Kurt Hohensinner, „nach wie vor sind manche Kinder von Gewalt in der Familie oder in ihrem Umfeld betroffen. Diese kommt dabei nach wie vor in allen Altersstufen, Kulturen und sozialen Schichten vor." Mit der Kampagne „Ich hab‘ Mut" will die Stadt Graz nun verstärkt auf diese Thematik aufmerksam machen und die Grazerinnen und Grazer für den Kinderschutz sensibilisieren. „Kinderschutz ist seit jeher eine der Kernaufgaben des Amtes für Jugend und Familie - ein gesetzlicher Auftrag, den wir nur im Verbund mit vielen Partnern erfüllen können, ich denke dabei im Besonderen natürlich an die Eltern, Lehrerinnen und Lehrer, die Polizei, Kinderschutz-Einrichtungen und viele andere", erklärt Abteilungsvorständin Ingrid Krammer.

Mut in vielen Lebenssituationen

Im Zentrum der Kampagne stehen kleine, kuschelige Wesen: Der Mutmacher und die Mutmacherin. Diese wurden von den drei sozialökonomischen Betrieben tag.werk, Jugend am Werk und heidenspass produziert, und sollen Kindern Mut geben. In vielen alltäglichen Situationen, aber ganz besonders dann, wenn es darum geht über erfahrene Gewalt im familiären Umfeld, aber auch im sozialen Umfeld oder im Freundeskreis zu sprechen. „Wir wollen für Kinderschutz sensibilisieren und ein starkes Zeichen gegen Gewalt an Kindern setzen. Gleichzeitig war uns aber wichtig, dass die Mutmacher auch eine positive Bedeutung für die Kinder haben und ein kuscheliger Begleiter für sie und ihre Familien sind", erklärt Hohensinner, „Mut braucht man in vielen Situationen: Vor Schularbeiten, schwierigen Entscheidungen oder wenn es eben darum geht Dinge anzusprechen. Genau dann können sich die Kinder an ihre Mutmacher wenden."

Mut, familiäre Gewalt anzusprechen

Die Mutmacher-Kampagne wird in Kooperation mit der Abteilung für Bildung und Integration durchgeführt. Alle Grazer Kinder in den 3. Klassen Volksschule bekommen ihren ganz individuellen Mutmacher bzw. ihre Mutmacherin. Da diese aus Stoffresten gefertigt werden, haben alle ein (beinahe) einzigartiges Aussehen. Das grundlegende Aussehen des Mutmachers geht auf die Zeichnung von Helena, einer jungen Grazerin, im Rahmen eines Workshops des Kindermuseums zurück. Aufgabe war es ein Tier/Wesen zu zeichnen, das man besonders mit Mut verbindet. Ein Hinweis: Der Mutmacher, die Mutmacherin ist ein Wesen, das sowohl weiblich als auch männlich sein kann, daher haben wir bei den Produkten wie auch Drucksorten das Geschlecht immer wieder gewechselt. Die Kampagne richtet sich außerdem an Erwachsene, insbesondere natürlich an Eltern, Lehrerinnen und Lehrer und alle anderen Fachkräfte, die mit Kindern arbeiten. Sie können mit Hilfe der Mutmacherinnen und Mutmacher mit Kindern leichter ins Gespräch kommen, wenn es um Fragen familiärer Gewalt geht.

Mut, hinzuschauen

Die Patronanz für diese Initiative haben die beiden Klinikvorstände, Universitätsprofessor Ernst Eber (Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde) und Universitätsprofessor Holger Till (Kinder- und Jugendchirurgie), gerne übernommen. „Die Unterstützung bzw. Stärkung der Ausdrucksmöglichkeiten von Kindern stellt besonders in herausfordernden Zeiten eine wichtige Initiative und gute Investition in die Zukunft unserer Kinder dar. Mutmacher und Mutmacherinnen können Kommunikation unabhängig vom sozioökonomischen Status stärken und im besten Fall direkte Kommunikation und Reflexion ermöglichen", erklärt Eber. Inhaltlich begleitet wird die Kampagne vom Kinderschutz-Zentrum Graz, stellvertretend für die Grazer Kinderschutz-Einrichtungen. Das Kinderschutz-Zentrum Graz ist eine Beratungs- und Therapieeinrichtung und besteht seit nunmehr 30 Jahren. Die Arbeitsschwerpunkte sind psychische, physische und sexuelle Gewalt in der Familie. Das Zentrum bietet Unterstützung und Hilfe für Kinder, Jugendliche, Eltern, Erziehungsberechtigte und Bezugspersonen bei Gewalterfahrungen, Krisen und verschiedensten anderen Problemen an. Im Jahr 2019 wurden rund 720 Familien und deren Kinder sowie Einzelpersonen beraten und therapiert. Insgesamt leistete das Kinderschutz-Zentrum rund 3.850 Beratungsstunden.

Mut, Hilfe in Anspruch zu nehmen

Die Initiative versteht sich als ein Teil der Anstrengungen des Amtes für Jugend und Familie zum Thema Kinderschutz. „Damit es erst gar nicht zu Gewalt in der Familie kommt, setzen wir im Jugendamt verstärkt auf den präventiven Kinderschutz. Wir stärken Eltern in ihrer Erziehungskompetenz und wir beraten sie, wenn sie an ihre Grenzen stoßen. Je früher Eltern zu uns kommen, desto besser können wir sie unterstützen! Wir alle kennen das nigerianische Sprichwort: „Um ein Kind aufzuziehen, braucht es ein ganzes Dorf." Die Idee dahinter ist, dass Kinder in einem sozialen Umfeld aufwachsen, dass sie vielfältige Ansprechpartner brauchen und vor allem, dass Kindererziehung nicht nur auf den Schultern von Müttern und Vätern lasten sollte. Eltern mögen uns als Ressource sehen - wir im Jugendamt sind Teil dieses vielzitierten Dorfes", so Ingrid Krammer abschließend.

Michael Wildling

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