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Der Bürgermeister im Interview

Nagl vermisst die Menschen und freut sich über viel Disziplin

17.04.2020
Bürgermeister Siegfried Nagl ist optimistisch und lobt das disziplinierte Verhalten der GrazerInnen. © Stadt Graz/Fischer
Bürgermeister Siegfried Nagl ist optimistisch und lobt das disziplinierte Verhalten der GrazerInnen.© Stadt Graz/Fischer

Ein Presseclub der anderen Art fand am gestrigen Abend statt. So waren nicht die JournalistInnen bei Heinz M. Fischer in der Bürgergasse 2 zu Gast, sondern dieser im Media Center des Rathauses in Abwesenheit der MedienvertreterInnen. Eine Premiere für den Steirischen Presseclub, der seit mehr als 25 Jahren ein offenes und unabhängiges Forum für Information und Kommunikation darstellt. Aber auch für Bürgermeister Siegfried Nagl: Das Interview mit dem Stadtoberhaupt zur aktuellen Situation in Graz wurde als Videokonferenz durchgeführt.

Wie es ihm als Bürgermeister aktuell so ergehe, wollte Fischer zu Beginn wissen. "Ich bin wie wir alle total gefordert. Informationen strömen von morgens bis abends ein, es sind viele Entscheidungen zu treffen, Austausch zu forcieren. Wenn ich dann aber von meinem Büro hinunter auf den Hauptplatz blicke und diesen so menschenleer sehe, das tut mir dann im Herzen weh." 22 Jahre sei er nun schon permanent unter den GrazerInnen und jetzt müsse er auf Distanz gehen, das stimme ihn nachdenklich. Er sei zwar nur ein kleines Rädchen im Gesamten, dennoch: "Es gibt viel zu tun. 10.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in unserem Haus Graz müssen ihre Arbeit geschützt verrichten können. Rund 1.700 tun das derzeit im Homeoffice. Es funktioniere gut! Ich bin sehr stolz auf die gesamte Mannschaft", bedankte sich der Bürgermeister. Er freue sich dennoch, wenn wieder langsam Normalität einkehre.

Kommunalsteuer zurückholen

Sein Dank ging auch nach außen. Den GrazerInnen bescheinigte Nagl unglaubliche Disziplin, räumte aber ein: "Ungeduldig sind wir alle. Es macht allerdings einen Unterschied, ob man in einer solchen Krise alleine oder als Familie lebt." Seitens der Stadt habe man zur Abfederung der psychischen Belastung rasch Hilfe in Form von Beratung durch ExpertInnen etc. angeboten.

Die Sorgen der Menschen teilt der Bürgermeister: "Die Arbeitslosenrate ist gewaltig in die Höhe geschossen. Trotz Kurzarbeit, was eine großartige Überbrückungsmaßnahme ist. Dennoch müssen wir den Wirtschaftsmotor bald wieder zum Brummen bringen."

Um hier unterstützend zu wirken, hat die Stadt ja bereits zu Beginn der Krise ein Hilfspaket in der Höhe von drei Millionen Euro geschnürt und hilft zudem etwa mit dem Entfall von Mieten in den eigenen Gebäuden und den Gastgartengebühren für GastronomInnen. "Zum Einheben der Steuern sind wir allerdings verpflichtet", betonte Nagl und wies darauf hin: "Wir verlieren die gesamte Kommunalsteuer für alle, die sich in Kurzarbeit befinden. Darüber hinaus verlieren wir die Bundesertragsanteile." Der Bürgermeister unterstrich deshalb die klare Forderung des Städtebundes: "Man möge uns diese verlorene Kommunalsteuer zurückgeben." Denn es wäre falsch, wenn Kommunen nicht mehr investieren können.

 

Großprojekte bleiben unangetastet

Wird sich Graz denn in Zukunft seine Projekte noch leisten können, wollte Fischer vom Bürgermeister wissen. "An unseren Großprojekten halten wir fest: Die drei Säulen Fahrradstadt, Ausbau der Öffis und Klimaschutzfonds bleiben aufrecht." Gerade die veränderte Mobilität in den letzten Wochen habe gezeigt, wo die Chancen für die Zukunft liegen. "Mit Homeoffice können wir locker 10 bis 20 Prozent aus dem Tagesverkehr bringen. Die Menschen haben gelernt, sich umzustellen." Auf die Nachfrage einer Journalistin betreffend Plabutschgondel erklärte Nagl: "Wir entwickeln den Thalersee. Die Gondel wird in dieser Legislaturperiode jedoch nicht mehr gebaut."

Generell meinte der Bürgermeister, brauche es nach der Krise genaue Analysen. Was hat gut geklappt, woran herrschte Mangel. "Wir müssen in Österreich und Europa unabhängiger werden. Wichtige Dinge wie Medikamente und Schutzausrüstungen dürfen nicht zu Abhängigkeiten führen." Der Bürgermeister zeigte sich dennoch begeistert, wie man die Krise im Land meistere: "Das ist nur mit einem Schulterschluss möglich. Ich habe als Katastrophenreferent schon viel erlebt. Es läuft toll. Wir werden das Thema Katastrophenschutz und Zivischutz weiter ausbauen." Hier könne er sich sogar eine eigene Abteilung im Rathaus vorstellen. Bisher ist dafür ein Referat zuständig.

Kultur- & Sportjahr 2021

Auf den schwer getroffenen Flughafen Graz und die Tourismusbranche in der Stadt angesprochen, erklärte der Bürgermeister: "Der Flughafen zählt mit der Messe und dem Ankünder zu unseren Cashcows. Die bisherigen Ergebnisse wird man dort im kommenden Jahr einfach nicht mehr bringen können. Die Hotellerie in Graz ist besonders betroffen. Kongresse, Tagungen, Veranstaltungen fallen weg. Hier werden wir eine eigene Kampagne starten."

Zur Verlängerung des Kulturjahrs ins 2021-er Jahr sagte Nagl: "Die aktuelle Situation hat gezeigt, wie wichtig Kultur und Sport für die Menschen sind. Nun sind beide Bereiche im kommenden Jahr vereint. 2021 ist demnach Kulturjahr und Sportjahr. Das wird schön und auch in der Kombination gut passen."

Ungeduldig aber optimistisch

Zum Schluss richtete das Stadtoberhaupt noch eine Botschaft an alle GrazerInnen: "Bitte so diszipliniert wie bisher bleiben! Wir werden das Leben langsam wieder hochfahren. Ich selbst bin ungeduldig aber optimistisch."

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Symbolbild: Graz © www.ages.at
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