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Waldbrand: Gefahr für Mensch und Natur

Thema des Monats – Mai 2020

30.04.2020

Waldbrandverordnung

Bodenbrände im Wald haben eine Ausbreitungsgeschwindigkeit von bis zu 7 km/h.  © Pilat
Bodenbrände im Wald haben eine Ausbreitungsgeschwindigkeit von bis zu 7 km/h. © Pilat

Hitze und mangelnde Niederschläge hatten in der Steiermark bereits Anfang April den Waldboden, Laub und Gräser stark ausgetrocknet. So haben innerhalb weniger Tage Waldbrände in St. Michael, Kapfenberg und im Bezirk Voitsberg zu Großeinsätzen der Feuerwehr geführt. In St. Michael mussten die Feuerwehren zwei Tage kämpfen und sogar Löschhubschrauber einsetzen, da der Wind immer wieder Glutnester im Waldboden neu anfachte. Mindestens ein Brand wurde vermutlich durch achtlos weggeworfene Zigarettenstummel ausgelöst. 

Waldbrände sind eine nicht zu unterschätzende Gefahr für die Natur, die Tiere des Waldes und die Menschen - nicht zuletzt für die Feuerwehrleute, die zur Brandbekämpfung ausrücken müssen. Laut Statistik werden in der Steiermark rund 85 Prozent der Waldbrände durch unachtsames Verhalten von Menschen ausgelöst. 

Die zwei wichtigsten Maßnahmen zur Vermeidung von Bränden regelt die Stadt Graz alljährlich mit der Waldbrandverordnung. Laut dieser Verordnung ist zwischen 25. März und 25. Oktober 2020 das Rauchen und Feuer anzünden in den Grazer Wäldern und in der Nähe der Wälder verboten. Wer gegen diese Verordnung verstößt kann mit einer Strafe von bis zu 7.270 Euro belegt werden.

Brandursachen

OBR Ing. Dieter Pilat in seiner Tätigkeit als EU-Forest-Fire-Expert in Georgien. © Pilat
OBR Ing. Dieter Pilat in seiner Tätigkeit als EU-Forest-Fire-Expert in Georgien.© Pilat

Auslöser für Waldbrände gibt es viele, weiß OBR Ing. Dieter Pilat, Offizier bei der Grazer Berufsfeuerwehr und als EU-Waldbrandexperte Berater der Einsatzorganisationen in Aserbaidschan und Georgien: "Ein glühender Zigarettenstummel hat eine Temperatur von mehreren hundert Grad und kann bis zu acht Stunden nachglosen - diese Gefahr wird meist unterschätzt", warnt Pilat. "Deshalb nicht im Wald rauchen und auch niemals Zigarettenkippen einfach aus dem Auto werfen: Sie können die Straßenböschung entzünden und der Brand kann auf Wiesen, Hecken und Wälder übergreifen."

Pilat weiter: "Werfen Sie im Wald oder auf Wiesen keine Glasflaschen, Glasscherben oder Dosen weg. Sie bündeln die Sonnenstrahlen wie ein Brennglas und können Laub oder Gras entzünden. Verwenden Sie keine Kerzen oder Fackeln. 

Auch überhitzte Katalysatoren und Auspuffrohre von Fahrzeugen können durch die abstrahlende Wärme trockenes Gras oder Laub entzünden. Denken Sie bitte daran bei der Wahl Ihres Parkplatzes. 

Land- und forstwirtschaftliche Maschinen - etwa Motorkettensägen - können bei starker Erhitzung durch Funkenflug den Waldboden entzünden. Deshalb sollte man bei solchen Arbeiten immer einen Feuerlöscher mithaben."

Herausforderung für die Feuerwehren

Hoher physischer Aufwand: Die Feuerwehr muss mühsam die Ausrüstung zum Brandort bringen. © Pilat
Hoher physischer Aufwand: Die Feuerwehr muss mühsam die Ausrüstung zum Brandort bringen.© Pilat

Ein „normales" Wiesen- oder Gestrüppfeuer breitet sich mit fünf bis acht Stundenkilometer aus. Ein Fußgänger legt ebenso etwa fünf Kilometer pro Stunde zurück. Aber Feuerwehrler müssen auch noch Schlauch, Pumpen, Spaten, Schaufeln tragen, und das in schwerer Schutzbekleidung und derzeit auch mit Corona-Schutzmasken. Somit ist das Feuer schneller unterwegs als der Mensch. Für die Feuerwehren ist die Bekämpfung eines Waldbrandes deshalb stets eine besondere Herausforderung.

Folgende Probleme treten weiters auf: 

  • Der Ort des Waldbrands ist oft schwer zugänglich (steiles Gelände, weit weg von jeder Straße, Gestrüpp).
  • Meist müssen zahlreiche Feuerwehren eingesetzt werden.
  • Die Wasserversorgung ist schwierig: Wasserentnahmestellen sind weit weg. Hunderte Meter lang müssen Wasserschläuche zu Bächen oder Teichen verlegt werden.
  • Das Wasser bleibt oft an der Oberfläche des Laubes, deshalb müssen Brände auch mit Schaufeln und Feuerpatschen bekämpft werden.
  • Der Wind wechselt oft seine Richtung. 

Zur Brandbekämpfung werden deshalb oft

  • Brandschneisen errichtet, um das Überspringen der Flammen zu verhindern
  • Trennstreifen geschaffen
  • Löschhubschrauber eingesetzt. Dies ist die effektivste Methode, aber auch sehr riskant, da durch die Brandhitze starke Aufwinde entstehen.

ZAMG schätzt die Waldbrandgefahr ein

Die Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) gibt einmal täglich eine Einschätzung der aktuellen Waldbrandgefahr in Österreich. Dabei stützt sie sich auf Daten wie Lufttemperatur, Luftfeuchtigkeit, Windgeschwindigkeit und Niederschlagsmenge. Es gibt vier Gefährdungsstufen - 1 (grün) ist die niedrigste, 4 (rot) die höchste. Die Klassen zeigen, wie hoch die Gefahr der Brandentstehung und Brandausbreitung ist. Die Brandentstehung hängt maßgeblich von der Feuchtigkeit des Bodens ab, die Brandausbreitung und -intensität wird von den Windverhältnissen beeinflusst. Je höher die Waldbrandgefahr ist, desto leichter entsteht ein Brand und desto rascher breitet er sich aus. In der Gefährdungsstufe 4 kann schon ein einzelner Funke einen Brand entfachen.

Waldbrand sofort melden!

Wenn Sie einen Waldbrand entdecken, melden Sie das sofort unter Notruf 122 der Feuerwehr - auch wenn es nur ganz kleine Rauchsäulen sind. Warten Sie in sicherer Entfernung zum Feuer auf das Eintreffen der Einsatzkräfte, um diese einweisen zu können.

2020 sind Brauchtumsfeuer verboten

Noch ein wichtiger Hinweis: Heuer sind Brauchtumsfeuer (etwa Sonnwendfeuer) in der ganzen Steiermark generell verboten.

Bei Waldbränden entstehen Temperaturen von bis zu 1000 Grad.  © PilatBrandursache ist oftmals eine weggeworfene Zigarette. © PilatBrände im Gebirge stellen die Feuerwehren vor große Aufgaben. © PilatCovid-19: Zusammenarbeit mit Hubschrauberbetreibern nur unter strengen Sicherheitsauflagen. © PilatOBR Ing. Pilat zur Unterstützung der Einsatzleitung bei einem Waldbrand in der Obersteiermark. © PilatEC135 und Alouette III können bis zu 500 Liter Wasser transportieren. © PilatOBR Ing. Pilat in seiner Tätigkeit als EU-Forest-Fire-Expert in Georgien. © Pilat

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