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Graz und die Gründung des Landesfeuerwehrverbandes

Thema des Monats - Jänner 2021

01.01.2021
2. Steiermärkischer Landesfeuerwehrtag im Juni 1872 in Graz - da sah das Rathaus noch ein bisserl anders aus.  © Beer und Mayer, Graz/Archiv des LFV Steiermark
2. Steiermärkischer Landesfeuerwehrtag im Juni 1872 in Graz - da sah das Rathaus noch ein bisserl anders aus. © Beer und Mayer, Graz/Archiv des LFV Steiermark

Graz und die Gründung des Landesfeuerwehrverbandes

Erinnerungsmedaille an den 1. Landesfeuerwehrtag 1871 in Bruck a. d. Mur © Archiv BFV Bruck an der Mur, Sammlung Fierlinger/Foto: Florian Hell
Erinnerungsmedaille an den 1. Landesfeuerwehrtag 1871 in Bruck a. d. Mur© Archiv BFV Bruck an der Mur, Sammlung Fierlinger/Foto: Florian Hell

Es sollte ein eindrucksvoller Auftritt in Graz werden, das 150-Jahr-Jubiläum der Gründung des Landesfeuerwehrverbandes Steiermark. Es war geplant, die Leistungen der steirischen Feuerwehren und ihres Verbandes einer breiten Öffentlichkeit durch verschiedene Präsentationen und Ausstellungen würdig näher zu bringen. In Graz-Eggenberg war die Durchführung der Feuerwehrleitungsbewerbe vorgesehen, genauso wie der Landesfeuerwehrtag 2020. Eine große Festveranstaltung und ein Lager der Feuerwehrjugend, die gleichzeitig ihren 50-jährigen Bestand feiern wollte, sollten den Reigen beenden.

Doch - wir wir wissen - es kam ganz anders und das Wort ABGESAGT gewann die alles dominierende Oberhand. Und trotzdem ist es wichtig, sich dieser Gründung zu besinnen, bilden doch die Feuerwehren und ihr Verband mit ihrem umfassenden Einsatzspektrum die größte Einsatzorganisation des Landes und sind in der steirischen Sicherheitsarchitektur nicht mehr wegzudenken.  

Die Tatsache, dass der erste Landesfeuerwehrtag 1871 in Bruck an der Mur abgehalten wurde, täuscht oft über die Tatsache hinweg, dass der Gründungsbeschluss ein Jahr zuvor in Graz, damals Hauptstadt des Herzogtums Steiermark, erfolgt war. 1870 trafen sich Vertreter der Gründungswehren, FF Andritz, FF Bruck a.d. Mur, Freiwilligen Turner-Feuerwehr Graz, FF Judenburg, FF Knittelfeld, FF Leoben, FF Trofaiach und FF Radkersburg in Graz, um den Landesfeuerwehrverband Steiermark als Dachorganisation aller Feuerwehren in der Steiermark zu gründen. Dies war ein wichtiger Schritt für die tägliche Sicherheit der steirischen Bevölkerung, der bis heute von Bedeutung ist.

Drei Quellen der Gründung

Vorangegangen waren diesem Meilenstein mehrere Entwicklungen, die diesen erst ermöglichten und gleichzeitig fast zu einer notwendigen Konsequenz werden ließen. Zum einen war das die Entwicklung des Feuerwehrwesens allgemein, zum anderen die Gegebenheiten rechtlicher und gesellschaftlicher Natur in der Österreichisch-ungarischen Doppelmonarchie und im Herzogtum Steiermark.

Ab der Mitte des 19. Jahrhunderts, besonders ab den 1870/80er-Jahren, kam es vermehrt zu Gründungen freiwilliger Feuerwehren in unserem Land. Ausschlaggebend dafür waren einerseits technische Entwicklungen wie die Dampfmaschine, die Gasbeleuchtung und später der elektrische Strom, sowie deren wirtschaftliche Nutzung, andererseits die Gründung von größeren Firmen, die Industrialisierung sowie Bau und Ausbau des Eisenbahnnetzes. Damit gingen neue Brandgefahren einher, deren Minimierung und Bekämpfung durch die alten Löschordnungen nicht gewährleistet werden konnte. Zusammenhängend mit dieser Entwicklung kam es durch Zuzug zu einem Ansteigen der Bevölkerungszahlen in städtischen Zentren und Industrieorten.

Dies kann sehr deutlich am Stadtplan von Graz abgelesen werden. Die Stadt entfaltete sich Richtung Westen. Besonders um den Bahnhof entwickelte sich ein neuer Stadtteil, der von Gewerbe und Industrie geprägt war und teilweise noch immer ist. Die oben genannten Gründe waren auch ausschlaggebend, dass der Grazer Gemeinderat in der Mitte des 19. Jahrhunderts dem Universitätsturnlehrer August Jakob Augustin den Auftrag erteilte, sich in Italien und Deutschland über das dort etablierte Feuerwehrwesen zu informieren, was 1853 in die Gründung des „Städtisch besoldeten Pompier-Corps", der heutigen Berufsfeuerwehr, mündete.

Gerätschaften und geordnetes, geschultes Vorgehen

Exerzierreglement für die Feuerwehr © Landesfeúerwehrverband Steiermark
Exerzierreglement für die Feuerwehr© Landesfeúerwehrverband Steiermark

Eine zweite Quelle neben den genannten Gefahrenpotentialen waren die veränderten gesellschaftlichen Rahmenbedingungen. Die Menschen begannen sich immer stärker zu engagieren. Nach dem Revolutionsjahr 1848 und der Bauernbefreiung sah das emporkommende Bürgertum immer stärker die Notwendigkeit, „Lücken zu füllen". Sie gründeten Vereine, heute würde man sagen sie gründeten NGOs, wie Turn- und Sportvereine, Kultur-, Musik- und Lese- sowie politische Vereine. Mit dem aufkommenden Tourismus trugen die Städter diese Ideen auf das Land, wo viele davon bereitwillig aufgenommen wurden. Viele Vereine, so auch die freiwilligen Feuerwehren, hatten damals ihre Vorbilder in deutschen Landen, und so kam es, dass in der Folge auch über diesen Einfluss der Deutschnationalismus immer mehr an Boden gewann. Dies hatte für das zweisprachige Herzogtum Steiermark leider fatale Auswirkungen, da dadurch die Nationalitäten, Deutsche und Slowenen, immer stärker auseinander drifteten, was für die neuen Grenzen nach dem Ersten Weltkrieg mit verantwortlich war. 

Die dritte Quelle zur Gründung von Feuerwehren war die Erkenntnis, dass bei der Brandbekämpfung nicht nur die notwendigen Gerätschaften wie Pumpen, Spritzen, Schläuche, Leitern u.a. zur Verfügung stehen müssen, sondern auch ein geordnetes, geschultes und taktisches Vorgehen notwendig ist. Sehr deutlich kommt dies in der Definition der Vereinigung zur Förderung des Deutschen Brandschutzes, was eine Feuerwehr ist, zum Ausdruck: „Die [..] Feuerwehr ist ein System, das durch straffe Führung, bewegliche Ausrüstung und militärmethodische Ausbildung der Steiger und Bedienungsmannschaften zum sofortigen Einsatz befähigt. Eine Feuerwehr ist durch eine geordnete, überall am richtigen Ort angreifende, eingeübte Tätigkeit gekennzeichnet ..." Dabei ist es unerheblich, ob die Feuerwehrleute ihre Tätigkeit beruflich oder ehrenamtlich, wie dies in der Steiermark mit Ausnahme der Grazer Berufsfeuerwehr üblich ist, durchführen.

Die Notwendigkeit, eine Dachorganisation zu gründen

Schon bald nachdem sich die Feuerwehren konstituiert hatten, kristallierten sich für sie gleichlautende Fragestellungen heraus. Wie kommt man an Informationen, wie eine Feuerwehr gegründet werden kann und wie sie formiert oder gegliedert sein sollte? Was ist bei der Ausrüstung und bei der Beschaffung von Gerätschaften zu beachten? Wie kann man korrekte Auskünfte über Pumpen und andere größere Anschaffungen erhalten? Man wollte ja nicht den Herstellern solcher Maschinen und deren Vertretern ausgeliefert sein, die sehr bald diesen damals neuen Markt für sich entdeckten. Ähnliche Erfahrungen aus anderen Ländern unterstrichen diese Notwendigkeit.

Der Versuch, einen gemeinsamen, die Doppelmonarchie übergreifenden Feuerwehrverband zu gründen, scheiterte am ersten österreichisch-ungarischen Feuerwehrtag 1869, zu dem der Kommandant der FF Klagenfurt Ferdinand Jergitsch, mit seiner Wehr nach Kärnten eingeladen hatte. Allerdings bot diese Veranstaltung den Delegierten steirischer Feuerwehren oder solchen, die sich gerade in Gründung befanden, die Möglichkeit, sich für die Bildung eines eigenen Verbandes auszusprechen.  

Grazer Freiwillige Feuerwehren und die Gründung des Verbandes

Gründungsfoto der Betriebsfeuerwehr Andritz, 1869 © Betriebsfeuerwehr Andritz
Gründungsfoto der Betriebsfeuerwehr Andritz, 1869© Betriebsfeuerwehr Andritz
Die Uniformierung der Grazer Turner-Feuerwehr © Landesfeuerwehrverband Steiermark
Die Uniformierung der Grazer Turner-Feuerwehr© Landesfeuerwehrverband Steiermark

Geht man bei dieser Betrachtung von der heutigen Ausdehnung von Graz aus, spielen zwei Feuerwehren, die schon eingangs erwähnt wurden, eine besondere Rolle: die Freiwillige Turner-Feuerwehr Graz, die 1939 aufgelöst wurde, und die FF Andritz.

Die FF Andritz, heute Betriebsfeuerwehr Andritz AG, wurde von Arbeitern der Maschinenfabrik Andritz 1869 gegründet. Diese Firma war vom ungarischen Eisenwarenhändler Josef Körösi 1852 als Eisengießerei eingerichtet worden und hatte sich sehr rasch entwickelt. Um 1860 waren dort bereits über 600 Arbeiter beschäftigt. Auch die Produktpalette wurde permanent erweitert und umfasste bald Pumpen, Kessel und Kräne. Die Initiative zur Gründung einer Feuerwehr ging von den Mitarbeitern aus. Ausschlaggebend dafür war zuvor ein Großbrand gewesen, der einen Teil der Firma vernicht hatte. Werkmeister Franz Kliepera wurde zum ersten Kommandanten der Wehr gewählt, deren Einsatzbereich sich nicht nur auf die Fabrik selbst beschränkte, sondern die ganze Gemeinde Andritz umfasste.

Die Grazer Turner-Feuerwehr hat sich aus dem Grazer Turnverein heraus entwickelt, der sich 1862 konstituierte. Bereits am Ende desselben Jahres richtete der Verein ein Schreiben an die Stadt Graz, worin er festhielt, dass sich ein Teil der Turnerschaft an der Bekämpfung von Bränden beteiligen wolle. Diese Benachrichtigung stellte quasi die Gründung dieser Feuerwehr dar, die sich mit ihrem ersten Feuerwehrhauptmann, dem Turnlehrer Alexander Nimpfling, rasch entfalten sollte. Mitglieder der Turnerschaft eigneten sich wegen ihrer körperlichen Ertüchtigung besonders gut für die Brandbekämpfung. Letztlich waren unterschiedliche Zielsetzungen maßgebend dafür, dass sich die Grazer Turner-Feuerwehr von ihrem Stammverein trennte. 1870 erfolgte diese Trennung einvernehmlich.

Bezüglich der Gründung des Landesfeuerwehrverbandes spielte die Grazer Turner-Feuerwehr eine wesentliche Rolle. Einige ihrer Funktionäre arbeiteten den Entwurf für die Statuten desselben aus. Wahrscheinlich waren die frühe Vereinsgründung ihres Muttervereins, das Know-how ihrer Mitglieder - viele Akademiker und einflussreiche Persönlichkeiten der Stadt Graz - und die Nähe zur Landesverwaltung dafür ausschlaggebend. In diesem Zusammenhang darf auch nicht vergessen werden, dass Dipl. Ing. Hueber, damals Kommandant-Stellvertreter der Turner-Feuerwehr, später Langzeit-Obmann des Landesverbandes, ab 1869 aufgrund seiner Ausbildung und Tätigkeit im Bauamt von Graz für das gesamte Feuerwehrwesen in der Stadt zuständig war.

Die Gründungsversammlung

Sackstraße 10 mit Hinweis auf die Turner-Feuerwehr.  © Landesfeuerwehrverband Steiermark
Sackstraße 10 mit Hinweis auf die Turner-Feuerwehr. © Landesfeuerwehrverband Steiermark
DI Karl Watzka, 1. Obmann des Landesfeuerwehrverbandes Steiermark © Landesfeuerwehrverband Steiermark
DI Karl Watzka, 1. Obmann des Landesfeuerwehrverbandes Steiermark© Landesfeuerwehrverband Steiermark

Die Gründungsversammlung fand am 19. März 1870 in Graz statt. Ein symbolisches Datum, ist doch der Hl. Josef der Landespatron der Steiermark. Dies verweist bis heute auf die enge Verbundenheit des Feuerwehrverbandes mit der Steiermark. Treffpunkt: "Schreiner'sches Haus im ersten Sack". Dort war ab 1865 für mehr als hundert Jahre der Vereinssitz des Turnvereins und damals auch das Depot der Turner-Feuerwehr. Noch heute, mittlerweile Sackstraße 10, sieht man über dem Torbogen des Eingangs, versteckt hinter einer Werbetafel, die unvollständige Buchstabenfolge urnverein. 

Leider ist bislang kein Protokoll dieser Sitzung bekannt. Berichten zufolge wurde der bereits im Vorjahr, nach dem Treffen in Klagenfurt, zur Begutachtung ausgesandte Entwurf mit einigen kleinen Abänderungen angenommen, wodurch die Basis für den Landesfeuerwehrverband Steiermark gelegt war. Gleichzeitig wurde beschlossen, die Statuten mit einer Beitrittaufforderung an weitere Feuerwehren zu senden. Ebenfalls wurde die FF Bruck an der Mur mit der Ausrichtung des Ersten Landesfeuerwehrtages betraut und ihr Kommandant, Dipl. Ing. Alois Watzka, zum ersten Verbandsobmann, heute Landesfeuerwehrkommandanten, gewählt. Diese Vorgangsweise war notwendig wegen des damaligen Vereinsrechts und des Umstands, dass die genannte Trennung der Grazer Turner-Feuerwehr noch im Gange war und sie noch keinen selbständigen rechtlichen Status hatte.

1. und 2. Landesfeuerwehrtag

Zum 1. Landesfeuerwehrtag in Bruck a.d. Mur, 13. bis 15. August 1871, kamen die damals 20 Mitgliedsfeuerwehren, sowie Delegationen befreundeter Wehren auch aus anderen Ländern. Es war eine intensive Tagung, in der weitreichende Beschlüsse gefasst wurden, unter anderem das steirische Normalgewinde, das Spritzenprüfungsnormale und die Einführung der Übungsvorschriften. Zum neuen Verbandsobmann wurde DI Alois Hueber gewählt. Aufgrund des damaligen Vereinsrechts war damit die Verlegung des Vereinssitzes nach Graz verbunden, wo auch der nächste Landesfeuerwehrtag auszurichten war. Dem frisch installierten Zentralausschuss wurden eine Vielzahl von Themen zur weiteren Bearbeitung übergeben.

Beim 2. Landesfeuerwehrtag in Graz, vom 29. Juni bis 1. Juli 1872, waren 102 Feuerwehren, wovon 29 dem Landesverband angehörten, mit 1.968 Mann vertreten. Die Landeshauptstadt bildete ein glänzendes Ambiente für alle Teilnehmer, egal ob für Mitglieder von Gast- oder Verbandsfeuerwehren. Die ganze Stadt feierte mit und viele Vereine beteiligten sich am Festzug, der am Hauptplatz seinen Höhepunkt fand. Dadurch fand die Verbandsgründung auch ihre allgemeine und gesellschaftliche Anerkennung.

Damals war die Grazer Berufsfeuerwehr nicht Mitglied des Landesfeuerwehrverbandes. Es gab jedoch immer ein gedeihliches Miteinander. Dies beruhte auf der Doppelfunktion DI Alois Huebers, der, wie bereits erwähnt, nicht nur Kommandant der Berufsfeuerwehr Graz, sondern bis 1918 auch Obmann des Landesfeuerwehrverbandes Steiermark war.

BR d.V. Mag. Max Aufischer 

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