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Zusatztafeln für Straßennamen: Jetzt geht’s los!

Im Maria-Cäsar-Park steht das Hinweisschild Nummer Eins

02.02.2021
Baudirektor Bertram Werle, Historikerin Barbara Stelzl-Marx (Ludwig Bolzmann Insitut für Kriegsfolgenforschung), Bürgermeister Siegfried Nagl, Stadtvermessungsamtsleiterin Elke Achleitner und Historiker Stefan Karner (Universität Graz) bei der Montage der ersten Zusatztafel im Maria-Cäsar-Park (v. l.). © Stadt Graz/Fischer
Baudirektor Bertram Werle, Historikerin Barbara Stelzl-Marx (Ludwig Bolzmann Insitut für Kriegsfolgenforschung), Bürgermeister Siegfried Nagl, Stadtvermessungsamtsleiterin Elke Achleitner und Historiker Stefan Karner (Universität Graz) bei der Montage der ersten Zusatztafel im Maria-Cäsar-Park (v. l.).© Stadt Graz/Fischer

Eine, die sich gegen das Nazi-Regime stark gemacht hat und bis ins hohe Alter hinein nicht müde geworden ist, für die heute so selbstverständlich erscheinenden Werte, wie Freiheit und Demokratie zu kämpfen, war Maria Cäsar. Die bekannte österreichische Widerstandskämpferin lieh auch dem Maria-Cäsar-Park ihren Namen. Dort fanden sich am Montag bei der ersten Montage der insgesamt 741 Zusatztafeln Bürgermeister Siegfried Nagl, Bürgermeisterstellvertreter Mario Eustacchio, die Wissenschaftlerin des Jahres 2019 und Leiterin des Ludwig Boltzmann Instituts für Kriegsfolgenforschung Barbara Stelzl-Marx, der Historiker und em. Vorstand des Institutes für Wirtschafts-, Sozial- und Unternehmensgeschichte der Karl-Franzens-Universität Graz, Stefan Karner, der das Ludwig Bolzmann Institut gegründet hat sowie VertreterInnen aus der Grazer Stadtverwaltung, ein.

Die Zusatztafeln geben den Grazer Straßennamen künftig ein Gesicht. „Es ist wichtig und richtig, dass der mutige Einsatz von Maria Cäsar gegen die Gräueltaten des NS-Regimes nun auch im öffentlichen Raum gewürdigt wird", hob Bürgermeister Siegfried Nagl den Wert der Hinweisschilder für die Bevölkerung hervor. „Dank der zusätzlichen Informationen schaffen wir ein Stück Geschichte im öffentlichen Raum und alle können erkennen, welche historischen Persönlichkeiten durch die jeweilige Straßenbenennung geehrt werden." Doch es gebe auch die anderen, die belasteten Namen. Durch das Aufzeigen der Taten der jeweiligen Personen mache die Stadt deutlich, dass sie sich ihrer historischen Verantwortung voll bewusst sei, so Nagl. Und Bürgermeisterstellvertreter Mario Eustacchio betonte: „Mir ist es wichtig, dass wir mit unserer Geschichte verantwortungsvoll umgehen und nicht versuchen, diese auszulöschen. Als Stadt Graz erfüllen wir mit den Zusatztafeln einen wichtigen Bildungsauftrag. Interessierte Bürger können sich in der Zukunft nun vor Ort sowie online über die Namensgeber von Plätzen und Straßen informieren."

Mehrjähriges Wissensprojekt

Die Texte für die Infotafeln werden von der Universität Graz in Zusammenarbeit mit dem Ludwig Boltzmann-Institut für Kriegsfolgenforschung erstellt, die alle von der ExpertInnenkommission Straßennamen (EKSN) überprüft und freigegeben werden. Dazu Barbara Stelzl-Marx: „Straßennamen sind ein wichtiges Instrument von Geschichtspolitik und Erinnerungskultur. Als materieller Gedächtnisspeicher verweisen sie auf die Zeit ihrer Verleihung und zugleich auf den sich bis heute veränderten historischen Kontext. Beides wird durch die Zusatztafeln beleuchtet und sichtbar gemacht. Die Tafeln sind - wie auch die Erinnerungstafel an das Lager Liebenau im Maria-Cäsar-Park - ein Zeichen wider das Vergessen. Ich danke allen, die dieses wichtige Projekt unterstützt und daran mitgewirkt haben." Und Stefan Karner ergänzte: „Die Stadt Graz hat sich offensiv der Benennung der Straßennamen gestellt. Die dazu eingerichtete ExpertInnenkommission hat an die 1.000 Straßennamen untersucht. Ich freue mich, dass nun die ersten Zusatztafeln montiert werden. Es ist erfreulich, dass die Arbeit in einem sehr konstruktiven Geist durchgeführt werden konnte und kann. Alle Bewertungen der Grazer Straßennamen sind einstimmig erfolgt."

Vorgehensweise

Die Zusatztafeln werden von MitarbeiterInnen der Holding Graz laufend aufgestellt - zwei bei längeren Straßenzügen, größeren Plätzen und Parks, eine in kleineren Bereichen. 90 Infoschilder pro Jahr sind geplant, bis 2028 soll das Wissensprojekt fertiggestellt sein. Natürlich wird es auch für alle neu benannten, personenbezogenen Straßen dementsprechende Hinweise geben. Farblich setzt man auf Einheitlichkeit, indem die Tafeln den Straßenschildern angepasst sind: Weiß auf Grün bzw. Schwarz auf Weiß mit rotem Rand in der Welterbezone. Gesamtkosten: rund 1,3 Millionen Euro.

Auch im Stadtplan des Stadtvermessungsamtes werden ab Mitte September beim Anklicken der betreffenden Straßen detaillierte Informationen zu den NamensgeberInnen erscheinen. Die Texte dafür, die ebenfalls von der Universität Graz in Zusammenarbeit mit dem Ludwig Boltzmann-Institut für Kriegsfolgenforschung erstellt und von der EKSN abgesegnet werden, sollen bis Ende August dieses Jahres fertiggestellt sein. Außerdem wurde allen Grazer Volksschulen, Neuen Mittelschulen und Gymnasien für ihre Bibliotheken das Buch „Grazer Straßennamen" von Karl A. Kubinzky und Astrid Wentner zur Verfügung gestellt.

Diese 12 Infotafeln werden bis Mitte Februar aufgestellt:

  • Maria-Cäsar-Park (Tafel Nr. 1, aufgestellt am 1. Februar)
  • Grabbegasse
  • Alfred-Coßmann-Gasse
  • Arndtgasse
  • Dr.-Anton-Weg
  • Pertassekweg
  • Ambrosigasse
  • Dr.-Hanisch-Weg
  • Dr. Lemisch-Straße
  • Gabriel-Seidl-Gasse
  • Hackhofergasse
  • Janneckweg

Bei 18 Tafeln ist der Text bereits fertig, die Produktion ist in Vorbereitung:

  • Holteigasse
  • Hugo-Schuchardt-Straße
  • Lilienthalgasse
  • Wielandgasse
  • Abraham-a-Santa-Clara-Gasse
  • Alexander-Rollett-Weg
  • Alpassy-Pastirk-Gasse
  • Ampfererweg
  • Anselm-Franz-Gasse
  • Anzengrubergasse
  • Baden-Powell-Allee
  • Billrothgasse
  • Brehmstraße
  • Conrad-von-Hötzendorf-Straße
  • Dolezalgasse
  • Dr.-Eckener-Straße
  • Dr.-Hans-Kloepfer-Straße
  • Dr.-Karl-Lueger-Straße

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