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Die Geschichte der Küche Graz

Zentralküche
Zentralküche

Die Wurzeln der heutigen Zentralküche reichen bis ins Jahr 1890 zurück. Damals wurde die
„Julius und Emilie Reininghaus-Stiftung zur Speisung armer Schulkinder" gegründet.

Zu diesem Zweck ließen die Stifter neben der Volksschule in der Hirtengasse ein eigenes Gebäude errichten. Dort wurden während des gesamten Schuljahres rund 50 bedürftige Grazer Schulkinder mit warmen Mahlzeiten versorgt.

Die Stadt Graz übernahm das Haus - finanziell abgesichert durch ein Stiftungskapital von 60.000 Gulden. Im Stiftsbrief war genau festgelegt, wie die Verpflegung aussehen sollte:

Drei Mal pro Woche Suppe und Fleisch mit Gemüse,
einmal Suppe mit Hülsenfrüchten,
einmal eine Milch- oder Mehlspeise -
dazu immer Brot.

Bis 1918 konnten so etwa 50 bis 70 Kinder regelmäßig versorgt werden.

Der Erste Weltkrieg brachte große Herausforderungen. Die Inflation machte es unmöglich, die Stiftung ohne Unterstützung weiterzuführen.

Noch im selben Jahr half die
„Staatliche Hilfsaktion für Kinderausspeisungen".
Kurz darauf unterstützten auch internationale Organisationen:

Amerikanische Kinderhilfsmission (A.K.H.M.)

Rotkreuzfernhilfe

Damit konnte die Versorgung deutlich ausgeweitet werden. Bereits 1919 gab es in Graz mehrere Ausgabestellen.

In den Jahren 1932 bis 1934 wurden zusätzlich Kinder arbeitsloser Familien versorgt. Die steigende Not führte schließlich zu einer entscheidenden Entwicklung: der Gründung einer zentralen Küche.

1933 kaufte die Stadt Graz eine ehemalige Schmiede in der Körösistraße. Ziel war es, eine zentrale Küche einzurichten, die alle Ausgabestellen beliefert.

Die Bedingungen waren aus heutiger Sicht einfach:

  • 16 Kochkessel
  • Beheizung mit Holz und Kohle
  • keine moderne Abwasserentsorgung

Noch 1934 wurden Abwässer direkt in den Mühlgang geleitet.

Trotz laufender Umbauarbeiten startete die Produktion bereits zum Schulbeginn 1934:

  • rund 4.000 Portionen täglich
  • kurz darauf bereits 10.000 Portionen

Im Oktober 1934 war der Umbau abgeschlossen. Weitere Ausgabestellen folgten.

Von Dezember 1938 bis 1945 wurde der Betrieb von der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt geführt.

Nach 1945 stand die Zentralküche vor enormen Herausforderungen. Lebensmittel waren knapp - internationale Hilfe sicherte den Betrieb:

  • „Schweizer Spende" ab 1946
  • UNICEF-Unterstützung ab 1947

Der Speiseplan war einfach, aber lebenswichtig:

  • viermal Eintopf
  • einmal Milchhirse
  • einmal Einbrennsuppe mit Früchtebrot

Täglich wurden 16.000 bis 17.000 Portionen gekocht, später sogar bis zu 20.000.

Beliefert wurden:

  • Schulen
  • Betriebe und Fabriken
  • Kindergärten (ab 1948)
  • Mittelschulen (ab 1949)

Mit der Verbesserung der Lebensbedingungen änderten sich auch die Ansprüche.

Kritikpunkte waren:

  • eintöniges Essen
  • geringe Qualität
  • zu niedrige Temperatur
  • schlechtes Transportgeschirr

Gleichzeitig nahm der Bedarf ab. Immer weniger Kinder waren unterernährt, und viele brachten eigene Jause mit.

1952 wurde die Versorgung von Betrieben eingestellt. Die Produktion sank stark:

von 20.000 auf rund 2.300 Portionen täglich

Versorgt wurden nun vor allem:

  • Schülerhorte
  • Kindergärten
  • Lehrlinge

In den 1950er- und 1960er-Jahren begann eine Phase der Erneuerung.

Ziele waren:

  • bessere Qualität statt reiner Mengenproduktion
  • modernere Ausstattung
  • bessere Arbeitsbedingungen

Die Umsetzung war jedoch schwierig:

  • Fachpersonal fehlte
  • technische Ausstattung war begrenzt

Erst 1978 wurde die erste ausgebildete Köchin eingestellt.

Wichtige Verbesserungen folgten, etwa:

  • 1981: Geschirr-Bandwaschanlage
  • bessere Hygiene
  • Entlastung der Mitarbeiter:innen

1982 führten neue Hygienerichtlinien zu grundlegenden Entscheidungen.

Vier Möglichkeiten standen zur Auswahl:

  • Warmhalten
  • Kühlen
  • Tiefkühlen
  • Thermostabilisieren

Die Stadt entschied sich für das Warmhalten als wirtschaftlichste Lösung.

1983 wurde das alte Transportgeschirr ersetzt durch:

  • Thermoporte
  • Plateauwagen
  • Elektrowagen

1984 versorgte die Zentralküche:

  • 81 Ausgabestellen
  • rund 3.700 bis 3.800 Portionen täglich
Die Zentralküche nach dem großen Umbau
Die Zentralküche nach dem großen Umbau
Küchenmeister Franz Gerngroß
Küchenmeister Franz Gerngroß

Technische Innovationen prägten die 1990er-Jahre. Besonders wichtig war der Einsatz von Kombidämpfern - ein großer Schritt hin zu gesunder, schonender Zubereitung.

Von 1993 bis 1996 wurde die Küche umfassend modernisiert.
Investition: rund 25 Millionen Schilling.

Die tägliche Produktion lag zu dieser Zeit wieder bei etwa 4.500 Portionen.

1997 übernahm Küchenmeister Franz Gerngroß die Leitung.

Küchenkessel

Zur Jahrtausendwende erfolgte eine grundlegende Umstellung:

Cook & Chill

Das Prinzip:

  • frisch kochen
  • rasch herunterkühlen (nicht einfrieren)
  • am nächsten Tag ausliefern
  • vor Ort schonend erwärmen

Vorteile:

  • bessere Qualität
  • mehr Vitamine und Nährstoffe
  • bessere Planbarkeit

Seit September 2000 ist dieses System im Einsatz.

Gleichzeitig erfüllt die Küche damit die EU-Vorgaben (max. 3 Stunden Warmhaltezeit).
Die Qualität wird durch das HACCP-System gesichert.

Gruß aus der Küche

Ab 2015 stand die Weiterentwicklung im Mittelpunkt.

Kennzahlen:

  • rund 7.500 Portionen täglich
  • Versorgung von 146 Einrichtungen

Gemeinsam mit Styria vitalis wurde das Projekt
„Essen gut - alles gut" umgesetzt.

Dabei wurden folgende Bereiche analysiert:

  • Speisepläne
  • Bestellprozesse
  • Zubereitung vor Ort
  • Kommunikation

Ziel war es:

  • die Qualität weiter zu verbessern
  • die Zufriedenheit zu steigern

Konkrete Maßnahmen waren zum Beispiel:

  • mehr Gemüse
  • mehr Vollkornprodukte
  • weniger Zusatzstoffe
Unsere Köche

Seit dem erfolgreichen Abschluss der Qualitätsoffensive im Jahr 2017 hat sich die Küche Graz kontinuierlich weiterentwickelt. Heute ist sie ein zentraler Bestandteil der sozialen Infrastruktur der Stadt.

Eckdaten im Überblick:

  • Standort: Körösistraße 127
  • Produktion: bis zu 9.000 Portionen täglich
  • Versorgung von: rund 160 Einrichtungen
  • (darunter Schulen, Kindergärten, Kinderkrippen, Horte sowie soziale Einrichtungen wie Marienstüberl oder VinziNest)
  • Team: 42 Mitarbeiter:innen und 2 Zivildiener
  • Logistik: 6 Fahrzeuge für die tägliche Auslieferung

Gekocht wird nach dem bewährten Prinzip Cook & Chill - für hohe Qualität, Frische und Nährstofferhalt.

Im Mittelpunkt stehen dabei klare Werte:

  • Qualität und ausgewogene Ernährung
  • Regionalität und steigender Bio-Anteil
  • Nachhaltigkeit und verantwortungsvoller Ressourceneinsatz
  • soziale Verantwortung gegenüber den versorgten Menschen

Die Küche Graz gilt heute als:

  • modernes Versorgungszentrum
  • Qualitätsbetrieb
  • Best-Practice-Beispiel für kommunale Gemeinschaftsverpflegung
So wird die neue Küche Graz aussehen.
So wird die neue Küche Graz aussehen.© Stadt Graz/Superfuture Architecture ZT GmbH

Um den steigenden Anforderungen gerecht zu werden, plant die Stadt Graz den Neubau einer modernen Küche in der Herrgottwiesgasse.

Der Hintergrund:

  • steigende Nachfrage durch neue Schul- und Betreuungsstandorte
  • räumliche und logistische Grenzen am bestehenden Standort
  • Bedarf an moderner, zukunftssicherer Infrastruktur

Mit dem Neubau wird gezielt in die Zukunft investiert.

Das Projekt im Überblick (2025-2026):

  • Investition: rund 21,5 Millionen Euro
  • Kapazität: bis zu 15.000 Portionen täglich
  • Moderne Architektur:
    • Schauküche mit Glasfront
    • Schulungsküchen für Ausbildung und Wissenstransfer
    • Dachgarten als Teil eines nachhaltigen Gesamtkonzepts
  • Nachhaltige Ausstattung:
    • Photovoltaikanlage
    • Wärmepumpe
    • energieeffiziente LED-Beleuchtung

Der Neubau schafft die Grundlage dafür, auch künftig eine verlässliche, qualitativ hochwertige und nachhaltige Versorgung sicherzustellen.

Gleichzeitig stärkt er die Rolle der Küche Graz als:

  • wichtiger Bestandteil der sozialen Daseinsvorsorge
  • verlässlicher Partner für Bildungseinrichtungen
  • Vorbild für moderne, nachhaltige kommunale Infrastruktur

Im Mittelpunkt bleibt dabei immer eines:
Gesundes Essen für Kinder, Jugendliche und Menschen, die darauf angewiesen sind - heute und in Zukunft.

1890
Julius und Emilie Reininghaus Stiftung zur Speisung armer Schulkinder (Hirtengasse)
1932–1934
Versorgung der Kinder Beschäftigungsloser
1933
Kauf des Objektes „Eisenwarenfabrik Karl Ortners Nachfolger“ (heutiger Standort Körösistraße 127)
1934
Noch immer werden Abwässer in den Mühlgang geleitet
1938–1945
Ausspeisung in der Färberschule durch Volkswohlfahrt
Nachkriegszeit
Versorgung mit Hilfe von Spenden aus der Schweiz und UNICEF (20.000 Portionen täglich)
1951
Beteiligung Bundesministerium für Soziale Verwaltung und der Landesregierung
1950–1952
Beendigung der Schüler:innenausspeisungen und Lieferungen an Fabriken und Betriebe
1955–1956
Umstrukturierung der Zentralküche
1956–1968
Versorgung von Ungarn- und Tschechoslowakei‑Flüchtlingen
1978
Belieferung von 73 Außenstellen
1980
Einstellung des UNICEF‑Programmes
1982
Entscheidung zur Warmauslieferung mit Warmhaltebehältern
1984
Belieferung von 81 Außenstellen (3800 Portionen)
1993–1996
Aus- und Umbau der Zentralküche
1997
Belieferung von 117 Außenstellen (4800 Portionen)
1999
Umstrukturierung auf Cook & Chill und Umsetzung von HACCP
2000
Beginn der vollständigen Cook & Chill Produktion, Versorgung von 135 Ausgabestationen
2001
Versorgung des Geriatrischen Gesundheitszentrums Graz
2015
Projektstart „Herausforderung Gemeinschaftsverpflegung“ mit Styria Vitalis
2022
Startgespräche Küche Graz Neu
2023
Planungsbeschluss Küche Graz Neu
2024
Ausschreibung und Zuschlag Küche Graz Neu
2025
Spatenstich der Küche Graz Neu

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