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Univ.-Prof. Dr. Heinz Fischer

Ehrenbürger der Stadt Graz

Gemeinderatsbeschluss am 3. Juli 2008, Festsitzung am 27. September 2008

Zur Person

Univ.-Prof. Dr. Heinz Fischer © Stadt Graz/Fischer
Univ.-Prof. Dr. Heinz Fischer© Stadt Graz/Fischer

Bundespräsident Dr. Heinz Fischer wurde am 9. Oktober 1938 als Sohn des Magistratskommissärs Dr. Rudolf Fischer und seiner Ehefrau Emma in Graz geboren. Nach dem Anschluss Österreichs an Deutschland und der Machtübernahme der Nationalsozialisten, verlor sein Vater seine Anstellung beim Magistrat Graz. Da sich in der steirischen Landeshauptstadt auch keine weitere Möglichkeit zur Berufsausübung fand, übersiedelte die Familie während des Krieges nach Wien. Seine schulische Ausbildung begann Dr. Heinz Fischer in Pamhagen im Burgenland, wo er bei der Cousine seiner Mutter untergebracht wurde, um dem Bombenkrieg, der langsam auch Österreich erreichte, zu entgehen.

Als Ende des Jahres 1944 die Front sich der Ostgrenze des nunmehrigen Bundesgebietes näherte, übersiedelte Fischer gemeinsam mit seiner Schwester Edith von Pamhagen in die kleine niederösterreichische Gemeinde Loich an der Mariazeller Bahn, wo er die 1. Klasse der Volksschule beendete. Einige Monate nach Wiedererstehen der Republik kehrte er mit der Familie in die Bundeshauptstadt zurück, um die Volksschulausbildung in Wien-Hietzing zu beenden und dann in die Mittelschule überzuwechseln. Besonders begeisterungsfähig, fühlte er sich zum Fußballsport hingezogen. Aber auch seine politischen Gedanken begann er in dieser Zeit zu formulieren. Sein Vater, der von 1954 - 1956 während der Regierung des Bundeskanzlers Raab und des Vizekanzlers Schärf Staatssekretär im Bundesministerium für Handel und Wiederaufbau war, hat ihm geholfen sein Interesse an der „res publica" zu stärken und sich vermehrt mit den Problemen der Menschen und der Politik allgemein auseinander zu setzen.

So schloss er sich in den Fünfziger-Jahren der Sozialdemokratischen Mittelschülerbewegung an. Nach der Reifeprüfung 1956 absolvierte er den einjährigen Abiturientenkurs an der Handelsakademie und inskribierte an der Juridischen Fakultät der Alma Mater Rudolphina in Wien. Ein einschneidendes Erlebnis in seinem politischen Empfinden stellte die Ungarische Revolution des Jahres 1956 dar, wo ein Volk sich gegen die stalinistische Diktatur auflehnte. Fischer beteiligte sich an vielen Aktionen, die den Freiheitskampf der Ungarn unterstützten. Seine Studienzeit sah ihn auch als überaus aktiven Mandatar der Hochschülerschaft, sowohl im Hauptausschuss der Universität Wien, als auch im gesamtösterreichischen Zentralausschuss der Hochschülerschaft.

Bei den Wahlen von 1961 war Dr. Fischer Spitzenkandidat der Sozialdemokratischen Studenten. In diesem Jahr beendete er auch sein Studium mit der Promotion zum „Doktor der Rechte". Zu Ende des Jahres 1961 bekam er das Angebot, als juristischer Berater in der Sozialdemokratischen Parlamentsfraktion zu arbeiten. Als Heinz Fischer im Sommer 1963 die Nachfolge von Leopold Gratz als Klubsekretär der Sozialdemokratischen Parlamentsfraktion antrat, musste er sich auch bei Bundespräsident Adolf Schärf vorstellen, da dieser besonderes Interesse an personellen und inhaltlichen Vorgängen im Parlament hatte. 1964 wurde Heinz Fischer in den Bundesparteivorstand der SPÖ kooptiert. Mit Bruno Kreisky, einer Ausnahmeerscheinung der österreichischen Politik, der Anfang 1967 zum Vorsitzenden der SPÖ gewählt wurde, arbeitete Heinz Fischer besonders eng zusammen. In dieser Zeit war er auch als Autor verschiedener Bücher tätig, wie z.B. ein Werk über Otto Bauer und eine Textsammlung zur Österreichischen Verfassungsgeschichte entstammten seiner Feder.

1971 wurde Dr. Heinz Fischer mit nur 33 Jahren zum Mitglied des Nationalrates gewählt und behielt über Vorschlag des damaligen Bundeskanzlers Kreisky die Funktion des Klubsekretärs. 1975 zum geschäftsführenden Klubobmann der Sozialdemokratischen Parlamentsfraktion vorgeschlagen, hat er damit auch seine Mitgliedschaft im Parteipräsidium der SPÖ erhalten. Als stellvertretender Vorsitzender der Sozialdemokratischen Partei Österreichs hat ihm seine Gesinnungsgemeinschaft den Respekt und die Anerkennung gezollt, die er in so reichem Maße verdiente. Seine intensive publizistische Tätigkeit gipfelte in dem Standardwerk der Politikwissenschaft, „Das politische System Österreichs". Univ.-Prof. Dr. Hans Klecatsky, der an der Universität Innsbruck lehrte, war von seinem wissenschaftlichen und publizistischen Wirken überaus beeindruckt, so dass er ihn zu einem Habilitationsverfahren einlud. 1978 wurde Dr. Heinz Fischer Universitätsdozent für Politikwissenschaften an der Universität Innsbruck, an der er über viele Semester bestens besuchte Vorlesungen hielt.

1983, in der Regierung des Bundeskanzlers Fred Sinowatz, wurde er Wissenschaftsminister. In dieser Funktion hat er mit großer Umsicht die diffizilen Agenden dieses Ministeriums geleitet und hervorragende Kontakte zu führenden Wissenschaftlern und Künstlern aufgebaut. Nach der Bildung einer großen Koalition zwischen SPÖ und ÖVP kehrte Dr. Heinz Fischer als SPÖ Klubobmann ins Parlament zurück und war in dieser bedeutenden Funktion bis 1990 mit großem Einfühlungsvermögen und enormen politischen Instinkt tätig. Im selben Jahr wurde er mit großer Mehrheit zum Präsidenten des Nationalrates gewählt und hat in dieser ungemein wichtigen Funktion, über 12 Jahre hindurch, mit profundem Wissen, politischem Feingefühl und trefflicher Eloquenz, von allen Fraktionen höchst respektiert, die Sitzungen des Nationalrates nachdrücklich geprägt.

1992 wurde Dr. Fischer auch zum stellvertretenden Vorsitzenden der Sozialdemokratischen Partei Europas gewählt - eine Funktion, die er bis zu seiner Wahl zum Bundespräsidenten ausübte. 1994 übernahm er den Vorsitz des Europäischen Forums für Demokratie und Solidarität, dessen Aufgabe es ist, die Entwicklung demokratischer Strukturen in den aufstrebenden Staaten des ehemaligen Ostblocks zu verfolgen. Nicht nur als Politiker, sondern auch als Wissenschaftler ist Dr. Heinz Fischer ein Hochbefähigter, wurde er doch 1994 zum Ordentlichen Universitätsprofessor ernannt. Zu seinen Aufsehen erregenden Publikationen der 90iger Jahre, zählen die Werke die „Kreisky-Jahre" und „Reflexionen". 2003 erschien das Buch „Wende- Zeiten", in denen die Regierungsverhandlung der Jahre 1999/2000 und 2002/2003 beschrieben wurden, an welchen er als maßgeblich Beteiligter den Konsultationen beiwohnte.

Seine Nominierung zum Präsidentschaftskandidaten erfolgte am 3. Jänner 2004 und bei der darauf folgenden Bundespräsidentenwahl am 25. April 2004 wurde er mit 52,39% der Stimmen zum achten Bundespräsidenten der zweiten Republik gewählt. Als Politiker einer Generation, die das Wiedererstehen der Republik bewusst verfolgen konnte und ihren wesentlichen Beitrag zum Erblühen des Heimatlandes leistete, präsentiert er in bester Weise den Bundespräsidenten aller Österreicher, der über politische Grenzen hinweg stets weiß einen Konsens herbeizuführen, nie politische Gegnerschaft als unüberwindliche Grenze zum gegenseitigen Verstehen ansah und als leuchtendes Beispiel zu gelten hat. Seine tief demokratische Gesinnung, seine von schlichter Würde, großem Fleiß und politischer Weitsicht geprägte Amtsführung haben bei allen Respekt und Hochachtung hervorgerufen und es widerspiegelt das weltmännische Format und den edlen Charakter unseres charismatischen Staatsoberhauptes.

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