Steckbrief
Namesherkunft: Garten für das Volk
Größe: 4,6 ha
Lage: 4. Bezirk Lend | Volksgartenstraße 16
Erreichbarkeit: Routenplaner Holding Graz
Ausstattung: Trinkbrunnen, WC, Kinderspielplatz, Hundewiese, Skater- und Calisthenics-Anlage, Weitläufige Wiesenflächen mit Picknickmöglichkeiten
Besonderheiten: Friedens-Stupa, Urban Gardening, Teichanlage
Historie: Die Wurzeln reichen bis ins 17. Jahrhundert zurück: Bereits 1663 existierte im Gebiet der spätere „Reinitzergarten", eine frühere Grünanlage. Die eigentliche Entstehung des Volksgartens begann 1871, als die Stadt Graz das damals unverbaute Gelände westlich der Marschallgasse erwarb. Ursprünglich sollten dort Wohnhäuser entstehen, doch im Zuge der Planung setzte sich die Idee einer großen öffentlichen Parkanlage durch. Die Bevölkerung unterstützte dieses Vorhaben und übergab 1871 sogar eine Petition mit 410 Unterschriften. 1873 beschloss der Gemeinderat die Errichtung des Parks, und 1875 wurde der Volksgarten offiziell eröffnet - als einzige öffentliche Grünanlage am rechten Murufer dieser Zeit.
Gegenwart: Heute ist der Volksgarten eine lebendige Erholungs- und Begegnungsfläche im urbanen Raum des Bezirks Lend und bietet vielfältige Freizeitmöglichkeiten. Darüber hinaus befinden sich im Park mehrere Denkmäler, darunter die Kleine Tänzerin, das Karl-Morrée-Denkmal und der buddhistische Friedens-Stupa. Der Volksgarten ist heute ein sozialer Knotenpunkt des Annenviertels und Austragungsort verschiedenster kultureller und gemeinschaftlicher Veranstaltungen, organisiert u. a. vom Friedensbüro und dem Stadtteilprojekt Annenviertel
Mühlgänge in Graz
Die Mühlgänge in Graz haben ihren Ursprung im Mittelalter. Sie wurden auf Höhe der alten Weinzödl-Brücke angelegt, wo sich damals gefürchtete Stromschnellen in der Mur befanden. Ziel war es, das Weinzödlwehr, das durch Eisstöße und Hochwässer immer wieder beschädigt wurde, zu entlasten. Es entstanden zwei Hauptarme: der linksseitige und der rechtsseitige Mühlgang.
Der linksseitige Mühlgang mündete am Fuß des Schlossbergs in die Mur und wurde mittlerweile rückgebaut. An einigen Straßennamen und -verläufen lässt sich jedoch noch erkennen, wo er einst verlief. Der südlich des Augartens bis Liebenau verlaufende Mühlbach wurde bereits nach dem Hochwasser im Jahr 1916 zugeschüttet. Der linksseitige Mühlgang selbst wurde 1976 aufgelassen.
Der rechtsseitige Mühlgang hingegen quert die gesamte Murvorstadt und mündet bei Werndorf wieder in die Mur. Er wird bis heute zur Energiegewinnung in Kraftwerken genutzt. Zu ihm gehören zahlreiche Nebenläufe wie der Erlenbach, Schleifbach, Aubach, Wäscherbach und Eisbach.
Da die Mur ursprünglich durch ihren natürlichen Verlauf mit wechselndem Wasserstand und unregulierten Ufern kaum nutzbar war, siedelten sich zahlreiche wasserabhängige Gewerbe entlang der Mühlgänge an. Dazu zählten Mühlen verschiedenster Art - etwa Getreide-, Pulver-, Papier-, Schleif- und Sägemühlen - sowie Seilereien, Färbereien und Gerbereien. Zur Organisation und Verteilung des Wassers wurden Mühlenconsortien gegründet, von denen einige bis heute bestehen.
Auch das gesellschaftliche Leben spielte sich an den Mühlgängen ab. Mehrere Schwimmbäder waren an ihren Ufern angesiedelt, darunter die Militärschwimmschule in der Nähe des Schwimmschulkais, das Mühlgangbad Rieger in der Eichendorffstraße, das Wellenbad Rauch in der Körösistraße sowie weitere Bäder in der Mühlgasse, beim Orpheum und das Frauenbad bei der Wienerstraße.
Zahlreiche alte Ortszentren sind eng mit dem Mühlgang und den angrenzenden Mühlen verbunden. Dazu zählen unter anderem der Weißeneggerhof, St. Andrä, Obertobel und Leuzenhof. Diese Siedlungen lassen sich teilweise bis ins 15. Jahrhundert zurückverfolgen.
Mit der Umstellung auf Dampfmaschinen, Turbinen und Elektromotoren verloren die Mühlgänge zunehmend an Bedeutung. Dennoch prägen sie bis heute die Geschichte und Struktur der Stadt Graz
Quelle: Brunner, W. (Hg.) (2003): Geschichte der Stadt Graz, Band 4: Stadtlexikon
Der Mühlgang im Volksgarten
Im Bereich des Volksgartens, wurde der Mühlgang ursprünglich entlang der Mühlgasse geführt. Im Zuge städtebaulicher Veränderungen wurde er jedoch in den 1930er-Jahren verlegt.
Die Verlegung des Mühlgangs erfolgte 1933/1934. Dabei wurde der Kanal durch die Mitte des Volksgartens geführt. Diese Maßnahme diente mehreren Zwecken, der Begradigung des Verlaufs zur besseren Integration in die Stadtstruktur, der Vertiefung der Sohle, um das Gefälle der aufgelassenen „Stadtmühle" zu nutzen, der Gestalterische Aufwertung des Parks durch die Integration eines Wasserlaufs.
Ein Schöpfrad aus Stahl wurde nach 1995 am linken Ufer des Mühlgangs im Volksgarten errichtet. Es dient heute dazu, einen der beiden künstlich angelegten Teiche im Park zu speisen. Dieses Schöpfrad ist nicht nur ein technisches Element, sondern auch ein symbolisches Denkmal für die ursprüngliche Funktion des Mühlgangs als Antriebskraft für Mühlen und Maschinen.




