Neue Stiftingtalstraße 6
8010 Graz
Ansprechperson: Gerlinde Hochhauser
Tel: +43 664 1452171
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Web: https://www.tagung-alt-gewalt.at/
Tabuthema Gewalt gegen Ältere sichtbar machen
Noch immer wollen viele Menschen nicht wahrhaben, dass eine erhebliche Zahl unter den älteren Menschen durch Gewalt körperlich, seelisch oder wirtschaftlich beeinträchtigt, verletzt, gekränkt und dauerhaft geschädigt wird.
Grundsätzlich gilt es zu unterscheiden zwischen Gewalt durch aktives Tun (körperliche und psychische Misshandlung, finanzielle Ausbeutung, Einschränkung des freien Willens) und der Vernachlässigung durch Unterlassung (z.B. Mangelernährung, Alleinlassen).
Eine eigene Frage ist die strukturelle Gewalt, d.h. wenn Menschen in einer Situation sind, in der sie in einer schlechten Lebenslage verharren müssen, obwohl es an sich Verbesserungsmöglichkeiten gäbe. Beispiele sind: nicht alternsgerecht ausgestattete Wohnungen oder einengende Vorschriften, denen man in manchen Heimen (z.B. streng geregelte Schlafenszeiten) unterworfen ist.
Gewalt kann überall dort vorkommen, wo alte Menschen leben: Zu Hause, im öffentlichen Bereich, in Alten- und Pflegeheimen, aber auch in Tageseinrichtungen oder in Krankenhäusern. Sie geschieht meist im Verborgenen, trifft nicht nur pflegebedürftige Menschen und tritt in allen Bevölkerungsschichten auf. Charakteristisch für das Feld des Altenmissbrauchs ist das Problem der fließenden Grenzen.
Hochaltrige Menschen sind häufig körperlich gebrechlich oder schlecht orientiert. Sie können sich gegen Einschüchterungen, Quälereien oder körperliche Attacken im Allgemeinen nur ungenügend wehren.
Gewalt entsteht nicht zufällig und selten spontan.
Gewalt ist ein gesellschaftliches Problem
Das gesellschaftliche Klima und die geltenden Wertvorstellungen sind maßgeblich dafür verantwortlich, dass Gewalt an älteren Menschen entsteht. Negative Wahrnehmungen, abwertende Einstellungen oder der erzwungene Ausschluss aus dem sozialen Leben ermöglichen gesellschaftliche Entwicklungen, die alte Menschen benachteiligen und den Nährboden dafür bilden, dass respektloses Verhalten, Demütigungen und Übergriffe toleriert werden.
Zu wenige oder mangelnde Informationen über unterstützende Angebote und fehlende Möglichkeiten zum Erfahrungsaustausch mit Vertrauenspersonen lassen Betreuende unter Druck geraten. Insofern werden diese auch zu Opfern der herrschenden Verhältnisse.
Das Problem der Gewalt kann von den betroffenen Familien und von den Institutionen nicht alleine gelöst werden. Schon die Befürchtung, dass Überforderung zu Gewaltanwendung führen könnte, sollte Anlass geben, Hilfe und Unterstützung bei sozialen Diensten, Beratungsstellen und Gesprächsgruppen zu suchen.
