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Pflegeeltern gesucht!

Möchten Sie Pflegemutter oder Pflegevater werden?

Pflegekinder sind Kinder wie andere auch. Sie stellen aufgrund ihrer meist belastenden Erfahrungen allerdings oft besondere Anforderungen an die Pflegefamilien. Durch ihre jeweiligen Geschichten haben sie häufig große Defizite, bei deren Aufarbeitung die Pflegefamilie sehr viel Verständnis, Zuneigung und Geduld braucht.

Sie haben Interesse als Pflegemutter oder Pflegevater diesen Kindern Zuwendung und Geborgenheit zu geben? Hier bekommen Sie alle Informationen zu einer Pflegeelternschaft.

Allgemeine Informationen

Was sind Pflegefamilien?

Pflegefamilien nehmen Kinder bei sich auf, die nicht bei ihren leiblichen Eltern leben können. Pflegeeltern sorgen für diese Kinder, sie übernehmen aber im Unterschied zu Adoptivkindern nicht deren rechtliche Vertretung; die Obsorge verbleibt beim Jugendamt oder den leiblichen Eltern. Ebenfalls ein Unterschied zu Eltern mit Adoptivkindern: Die leiblichen Eltern von Pflegekindern haben in der Regel ein Besuchsrecht und sind zumeist ein fixer Bestandteil des kindlichen Umfelds.

Welche Arten von Pflegefamilien gibt es?

Prinzipiell wird zwischen Krisenpflegefamilien und Familienbegleidene Pflegefamilien unterschieden.

  • Krisenpflegefamilien sind speziell vorbereitete und durch einen Trägerverein intensiv begleitete und betreute Familien. Diese Familien nehmen Kinder nach krisenhaften Erlebnissen oder zur Überbrückung von „elternlosen Zeiten" z.B.: bei Spitalsaufenthalten, etc bei sich auf. Ziel ist die Beruhigung und Stabilisierung der Kinder, um Raum für die Planung von Zukunftsperspektiven zu schaffen. Die Krisenpflege ist mit sechs Monaten, in Ausnahmefällen mit einer Verlängerung um drei Monate, begrenzt.
  • Familienbegleitende Pflegefamilien sind speziell vorbereitete Familien, die Kinder für einen begrenzten Zeitraum, nämlich maximal ein Jahr, aufnehmen, während in der Herkunftsfamilie an den Voraussetzungen für die Rückkehr des Kindes gearbeitet wird. Eine qualitätsvolle Beziehung zwischen Herkunftseltern und Kindern ist dabei Voraussetzung. Um diese Beziehung zu erhalten bzw. auszubauen ist intensiver Kontakt zu den leiblichen Eltern notwendig.

Warum brauchen Kinder Pflegemütter und -väter?

Dass ein Kind zum Pflegekind wird, kann viele und oft sehr verschiedene Gründe haben. Familiäre Problemsituationen führen manchmal dazu, dass zuhause niemand mehr die Erziehungs- und Betreuungsverantwortung tragen kann. Dann können Kinder nicht bei ihren Eltern bleiben. Sie brauchen Pflegeeltern, die für unbestimmte Zeit die Aufgaben der leiblichen Eltern übernehmen.

Pflegeeltern geben Geborgenheit in schwierigen Zeiten. In einer Familie bekommt ein Kind die gefühlsmäßige Bindung, die für seine Entwicklung so wichtig ist. Pflegekinder bekommen eine Ersatzfamilie, die sie stützt und betreut.

Voraussetzungen

Wer kann Pflegemutter/-vater werden?

Sowohl Paare als auch Alleinerziehende können Pflegeeltern werden. BewerberInnen um ein Pflegekind sollten eine gewisse Lebenserfahrung mitbringen. Die Praxis zeigt, dass die meisten Pflegeeltern nicht jünger als 25 Jahre sind, wenn sie diese Aufgabe übernehmen. Es wird auf einen natürlichen Altersunterschied (maximal 45 Jahre Differenz) zwischen Pflegeeltern und Pflegekindern Wert gelegt. Vor der Aufnahme eines Pflegekindes werden persönliche, soziale, gesundheitliche und wirtschaftliche Voraussetzungen eingehend geprüft.

Schulungen

Was ist die Pflegeelternschulung?

Im Steiermärkischen Kinder- und Jugendhilfegesetz ist eine Pflegeelternschulung sowie eine Pflegeelternfortbildung „berufsbegleitend" nach der Aufnahme des ersten Kindes verpflichtend vorgesehen. Die Schulungen werden derzeit vom Pflegeelternverein angeboten. Die Inhalte sowie das Ausmaß der Schulung sind durch die Fachabteilung 11 der Stmk. Landesregierung festgelegt.

Die Pflegeelternschulung erstreckt sich derzeit über vier Wochenenden und gliedert sich in zwei Abschnitte. Im ersten Abschnitt stehen die Auseinandersetzung mit den Entscheidungsgründen und Erziehungsvorstellungen der zukünftigen Pflegefamilie und die möglichen Veränderungen sowie Auswirkungen, die eine Aufnahme mit sich bringen kann im Vordergrund.

Der zweite Abschnitt ist durch praxisnahe Auseinandersetzung mit möglichen Themen, die das Zusammenleben, Erziehung und Betreuung eines Pflegekindes mit sich bringen kann, geprägt.

Die Fortbildung für Pflegeeltern findet in den ersten Monaten nach der Aufnahme des ersten Pflegekindes statt und ist als Vortragsreihe mit begleitenden Pflegeelternrunden vorgesehen.

Unterstützungen

Welche finanzielle Unterstützung gibt es für Pflegeeltern?

Pflegeeltern-Sein ist kein Beruf, sondern eine persönliche Entscheidung für eine Beziehung zu einem oder mehreren Pflegekindern. Für die Versorgung eines Kindes zahlt das Amt für Jugend und Familie Pflegekindergeld. Dieses beträgt für die Versorgung eines Kindes unter 12 Jahren 465 Euro sowie für ältere Kinder 512 Euro pro Monat (Stand 1. Dezember 2018).

Die Höhe des Pflegekindergeldes ist von der Steiermärkischen Landesregierung festgesetzt. Damit sollte der angemessene Bedarf des Pflegekindes an Nahrung, Bekleidung, Körperpflege, Wäschereinigung, Schulartikeln, anteiligen Wohnungs- und Energiekosten sowie für die Pflege der Beziehungen zur Umwelt und eine altersgemäß gestaltete Freizeit gedeckt sein.

Die gesetzliche Grundlage dafür ist das Steiermärkische Kinder- und Jugendhilfegesetz.

Erhalten Pflegeeltern Familienbeihilfe für das Pflegekind?

Ja, unter Vorlage des Pflegebewilligungsbescheides (bzw. einer Bestätigung der Kinder- und Jugendhilfe) und des Meldezettels kann bei Ihrem zuständigen Wohnsitzfinanzamt die Familienbeihilfe für Ihr Pflegekind beantragt werden.

Pflegefamilien erhalten auch wie leibliche Eltern, deren Kind ab dem 1. Jänner 2002 geboren ist, als finanzielle Unterstützung ein Kinderbetreuungsgeld nach dem Kinderbetreuungsgesetz 2001.

Das Kinderbetreuungsgeld wird aus Mitteln des Familienlastenausgleichsfonds finanziert und gebührt jener Person, die Familienbeihilfe für das Kind bezieht. Kinderbetreuungsgeld kann zusätzlich zum Pflegeelterngeld bezogen werden.

Wer unterstützt mich in meiner Pflegeelternschaft? 

Durch laufende Kontrollen wird sichergestellt, dass es in der Pflegefamilie für alle Beteiligten gut läuft. Das Wahrnehmen der gemeinsame Verantwortung soll durch diese regelmäßigen Besuche der zuständigen MitarbeiterInnen des Amtes für Jugend und Familie verstärkt werden. In schwierigen Situationen, werden Pflegemütter und Pflegeväter besonders unterstützt. Gemeinsam mit SozialarbeiterInnen des Amtes für Jugend und Familie wird geklärt, um welche Probleme es sich handelt und welche Hilfe in dieser Lage notwendig ist.

Die Unterstützungsmöglichkeiten reichen von Besuchsbegleitung und Hilfe im Umgang mit der Herkunftsfamilie bis hin zu psychologischen Beratungen und therapeutischen Hilfen.

Rechtliche Grundlagen

Welche sozialversicherungsrechtliche Absicherungen bzw. qualitätssichernde Hilfen/Maßnahmen zur Festigung des Pflegeverhältnisses gibt es?

Pflegeeltern und Pflegepersonen können aus drei Modellen wählen, welche ein systematisches Beratungs- und Qualitätssicherungsangebot bzw. auch eine sozialversicherungsrechtliche Absicherung beinhalten (Variante 1 und Variante 2).

Im Auftrag des Landes Steiermark wird dies durch den Pflegeelternverein Steiermark und Jugend am Werk abgewickelt.

Variante 1:

Pflegeeltern verpflichten sich zur Dokumentation im Ausmaß von ca. 2 Wochenstunden, schreiben einen jährlichen Entwicklungsbericht über das Kind, stellen insgesamt 24 h für Beratung und Begleitung des Dienstverhältnisses zur Verfügung, nehmen an 12 h Pflegeelterngruppe/Jahr teil und müssen 24 h Fortbildung/Jahr besuchen. Das Entgelt beträgt für dieses Modell 452 € in Form eines freien Dienstvertrages. Das Führen der Dokumentation und die verpflichtenden Tätigkeiten werden von den PflegeelternbegleiterInnen überprüft.

Variante 2:

Pflegepersonen stellen in dieser Variante insgesamt 12 Stunden für Beratung und Begleitung des Dienstverhältnisses zur Verfügung und verpflichten sich zur Dokumentation im Ausmaß von 2 Wochenstunden. Dafür  bekommen sie 176 € brutto 14 mal jährlich in Form eines freien Dienstvertrages. Damit sind sie automatisch unfallversichert. Wenn sie eine "freiwillige Selbstversicherung bei geringfügiger Beschäftigung" bei der GKK abschließen, erhalten sie 240 €, damit sind auch die Kosten der Selbstversicherung abgedeckt. In diesem Fall ist der komplette Versicherungsschutz gegeben. Das Führen der Dokumentation und die verpflichtenden Tätigkeiten werden von den PflegeelternbegleiterInnen überprüft.

Variante 3:

Pflegeeltern und Pflegepersonen, die diese Variante wählen, verpflichten sich zur Inanspruchnahme von 12 Stunden Beratung pro Kalenderjahr. Im Falle einer freiwilligen Teilnahme an Fortbildungen bzw. an einer Pflegeelterngruppe sind Aufzeichnungen darüber im Pflegeelternbuch zu führen. Die Kontrolle der Inanspruchnahme der Beratungseinheiten bzw. des Pflegeelternbuches erfolgt im Rahmen der Aufsichtspflicht durch die zuständige Sozialarbeiterin bzw. den zuständigen Sozialarbeiter. Pflegeeltern, die diese Variante wählen, haben keinen Versicherungsschutz.

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