
Das Wohngebiet zwischen Münzgrabenstraße, St.-Peter-Hauptstraße, Brucknerstraße, Petrifelderstraße, Karl-Huber-Gasse, und Liebenauer Tangente hat trotz einiger Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung, wie der Fahrradstraße in der Marburger Straße und der Durchfahrtssperre, nach wie vor ein erhöhtes Aufkommen des motorisierten Individualverkehrs (MIV). Des Weiteren sind im nahen Umfeld des Gebietes mehrere städtebauliche Bauprojekte in Zukunft zu erwarten, die verkehrliche Auswirkungen auf das Harmsdorf-ORF-Viertel mit sich bringen könnten.
Um einer Verlagerung des Autoverkehrs im Gebiet entgegenzuwirken, werden weitere verkehrsberuhigende Maßnahmen im Wohngebiet geprüft. Dazu wird das Wohngebiet analysiert und alle grundsätzlich möglichen Maßnahmen werden durch die Verkehrsplaner:innen geprüft und gefiltert.
Im Zuge der Bürger:innenbeteiligung werden mögliche Maßnahmen vorgestellt. Diese können von den Bewohner:innen und den Unternehmer:innen des Gebietes kommentiert werden. Weiters gibt es die Möglichkeit, dem Projektteam die Problemstellen im Gebiet mitzuteilen. Daraus wird durch die Verkehrsplaner:innen ein Maßnahmenbündel für das Wohngebiet erstellt. Anschließend erfolgt je nach Maßnahme eine schrittweise temporäre Umsetzung. Nach rund einem Jahr sollen in einer Evaluierungsphase die umgesetzten Maßnahmen bewertet und bei Bedarf angepasst bzw. permanent ausgebaut werden.
Erste Anrainer:innenbefragung
Der mehrschrittige Beteiligungsprozess startet mit der ersten Befragung der Anrainer:innen ab 28.8.2025. Die Befragung läuft bis einschließlich 23.9.2025. Alle Bewohnerinnen und Bewohner mit Haupt- oder Nebenwohnsitz, die älter als 16 Jahre sind, und Unternehmen im Planungsgebiet, haben persönlich einen Fragebogen zugeschickt bekommen.
Die Befragung dauert 4 Wochen, also bis nach der Ferien - bzw. Urlaubszeit, sodass Sie genug Zeit haben, sich daran zu beteiligen, auch all jene, die sich im Urlaub befinden. Um sicher zu gehen, dass die zugesendeten Unterlagen in Ihrer Urlaubspost nicht untergehen, werden wir Ihnen in diesem Zeitraum auch ein Erinnerungsschreiben zukommen lassen.
Mit dieser ersten Befragung sollen Erkenntnisse darüber gewonnen werden, wie die Anrainer:innen im Harmsdorf-ORF-Viertel, also im Gebiet zwischen Münzgrabenstraße, St.-Peter-Hauptstraße, Brucknerstraße, Petrifelderstraße, Karl-Huber-Gasse und der Liebenauer Tangente, die aktuelle Verkehrssituation einschätzen.
Weiters erhalten die Anrainer:innen in der Befragung eine Erklärung zu folgenden Punkten:
- Welche möglichen Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung gibt es grundsätzlich?
- Welche positiven Effekte können durch bestimmte Maßnahmen erzielt werden?
- Welche Nachteile oder Einschränkungen könnten diese Maßnahmen für die Mobilität der Anrainer:innen mit sich bringen?
Auf Basis dieser Informationen können die Anrainer:innen dann:
- die Umsetzung von Verkehrsberuhigung allgemein in ihrem Gebiet bewerten.
- eigene Anliegen, Hinweise oder Bedenken in den Planungsprozess einbringen - noch bevor konkrete Maßnahmen geplant werden.
Weitere Links:
Online-Fragebogen für Bewohner:innen (Zugangscode erforderlich)
Online-Fragebogen für Unternehmen (Zugangscode erforderlich)
Im Überblick: mögliche Maßnahmen zur Reduktion des Schleichverkehrs
Folgende Maßnahmen können Schleichverkehr (gebietsfremden Kraftfahrzeug-Verkehr) im Gebiet Harmsdorf-ORF-Viertel reduzieren. Die Maßnahmen sind in der Befragung einzeln dargestellt und die Anrainer:innen können die Maßnahmen kommentieren und bewerten.
Die Kreuzung wird baulich diagonal unterbrochen. Mehrspurige Kfz können nicht mehr geradeaus fahren. Das Abbiegen in eine Richtung bleibt weiterhin möglich. Es ist somit weniger attraktiv durch das Gebiet zu fahren.
Vorteile: Weniger Schleichverkehr, langsamere Geschwindigkeiten, neue Freiflächen zur Gestaltung,
der Fuß- und Radverkehr sind nicht eingeschränkt.
Nachteile: Umwege für Kfz, schwierig bei ÖV-Linien (hoher Aufwand)
Die Straße oder Kreuzung wird für Kfz gesperrt, nur Fuß- und Radverkehr kommen durch. Die Ausführung ist z.B. durch Blumentröge (o.ä.) oder die Verordnung als Wohnstraße möglich.
Vorteile: Weniger Schleichverkehr, langsamere Geschwindigkeiten, neue Freiflächen zur Gestaltung, der Fuß- und Radverkehr sind nicht eingeschränkt
Nachteile: Umwege für Kfz, schwierig bei ÖV-Linien (hoher Aufwand)
Abbiegemöglichkeiten werden reduziert, der Kfz-Verkehr ist dadurch eingeschränkt. Der Radverkehr kann davon ausgenommen sein.
Vorteile: Weniger Schleichverkehr, Verkehr wird gezielt gelenkt, Ausnahmen (z.B. für ÖV oder Fahrrad) möglich
Nachteile: Umwege für Kfz, Gefahr, dass Verbote missachtet werden
Verkehr ist nur in eine Richtung erlaubt, der Radverkehr kann ausgenommen werden, wenn genug Platz ist.
Vorteile: Die Durchfahrt durch ein Gebiet wird unattraktiv, weniger Schleichverkehr, Verkehr wird gezielt gelenkt, weniger Unfallrisiko durch fehlenden Gegenverkehr, mehr Platz für Grünflächen oder Parkplätze oder Gehsteige, Ausnahmen (z.B. für ÖV oder Fahrrad) möglich
Nachteile: Umwege für Kfz, oft höhere Geschwindigkeiten (wenn die Fahrbahn nicht verschmälert wird)
Die Einfahrt in eine Straße wird von einer Seite verboten. Innerhalb der Straße bleibt das Fahren in beide Richtungen möglich.
Vorteile: Die Durchfahrt durch ein Gebiet wird unattraktiv, weniger Schleichverkehr, Verkehr wird gezielt gelenkt, weniger Unfallrisiko durch fehlenden Gegenverkehr, Ausnahmen (z.B. für ÖV oder Fahrrad) möglich, jedoch keine speziellen Ausnahmen für Anrainer:innen möglich
Nachteile: Umwege für Kfz, Gefahr, dass Verbote missachtet werden
Die Straße ist vorrangig für den Radverkehr. Kfz dürfen zu- und abfahren, aber nicht durchfahren. Es gilt Tempo 30.
Vorteile: Kein Kfz-Durchgangsverkehr, weniger Kfz-Verkehr insgesamt, Radfahrende und E- Scooter dürfen nebeneinander fahren, langsamere Geschwindigkeiten
Nachteile: Umwege für Kfz, ohne baulichen Sperren Gefahr der Missachtung
Durchfahrt verboten (außer Rad, Müllabfuhr, Einsatzfahrzeuge). Zu- und Abfahrt erlaubt. Schrittgeschwindigkeit. Kinder dürfen auf der Fahrbahn spielen. Nicht für unübersichtliche Straßen geeignet. Mindestanzahl an Kindern und älteren Personen sollte vorhanden sein.
Vorteile: Kein Kfz-Durchgangsverkehr, sehr langsame Geschwindigkeiten, Spielen auf der Fahrbahn erlaubt,
mehr Sicherheit für Kinder und ältere Menschen, bessere Aufenthaltsqualität durch Straßenmöblierung
Nachteile: Umwege für Kfz, eventuell weniger Parkplätze, Schrittgeschwindigkeit wird bei langen Straßen oft missachtet
Eigene Wege für den Fußverkehr, getrennt von der Fahrbahn durch Bordsteine oder Markierungen.
Vorteile: Mehr Sicherheit für Fußgänger:innen, bessere Gehwege, schmalere Fahrbahn bedeutet langsamere Kfz
Nachteile: Braucht Platz, ändert den Regenwasserabfluss, lange Umsetzungsdauer möglich
Die Fahrbahn wird durch Baumaßnahmen oder Markierungen (Sperrflächen) schmäler gemacht - punktuell oder durchgehend. Die Fahrbahn wird versetzt geführt.
Vorteile: Kfz fahren langsamer, mehr Sicherheit durch aufmerksamere Fahrer:innen, Platz für Möblierung oder Begrünung (weniger Hitzebelastung)
Nachteile: Braucht gewisse Mindeststraßenbreite, Fußgänger:innen oder Radfahrer:innen könnten auf die Fahrbahn gedrängt werden, eventuell geänderter Regenwasserabfluss, nachteilig für ÖV-Linien
Parkplätze werden auf der Fahrbahn abwechselnd rechts und links angeordnet. Kfz müssen Schlangenlinien fahren.
Vorteile: Kfz fahren langsamer, mehr Sicherheit durch aufmerksamere Fahrer:innen
Nachteile: Braucht gewisse Mindeststraßenbreite, Fußgänger:innen oder Radfahrer:innen könnten auf die Fahrbahn gedrängt werden, bei wenig parkenden Autos verpufft die Wirkung
Parken wird gebührenpflichtig (Parkzone/Grüne Zone). Anrainer:innen können vergünstigte Ausnahmegenehmigung beantragen.
Vorteile: Angebot und Nachfrage der Parkplätze im öffentlichen Straßenraum können gesteuert werden. Weniger Parksuchverkehr, weniger gebietsfremde Parker, weniger Lärm und Umweltbelastung, weniger falsch geparkte Autos
Nachteile: Parken kostet Geld, parkende Autos weichen in gebührenfreie Gebiete aus
Auf Fahrbahnen mit Gegenverkehr ist Parken grundsätzlich verboten, wenn nicht mindestens zwei Fahrstreifen (mind. 5,20 m) frei bleiben. Durch klare Markierungen kann angezeigt werden, wo geparkt werden darf.
Vorteile: Ordnung beim Parken, sichere Durchfahrtsbreiten, keine verparkten Zufahrten, Stellplätze können dort eingerichtet werden, wo Parken laut StVO verboten wäre
Nachteile: Weniger Parkplätze als bei "wildem Parken", braucht gewisse Mindeststraßenbreite, Fußgänger:innen könnten auf Fahrbahn gedrängt werden
Nicht geeignete Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung
Die folgenden Maßnahmen sind zur Verkehrsberuhigung nicht geeignet und werden daher ausgeschlossen:
- Verordnung einer Anrainerstraße („Fahrverbot ausgenommen Anrainer"): Wird generell in Graz seit einigen Jahren nicht mehr umgesetzt, da deren Einhaltung nur schwer bzw. nicht kontrollierbar ist.
- Eine Geschwindigkeitsbeschränkung auf 20 km/h: In Graz gilt flächendeckend Tempo 30 in Nebenstraßen (Tempo 30/50), sowie andere Verordnungen zur Verkehrsberuhigung (wie z.B. Begegnungszonen, Wohnstraßen). Von weiteren Regelungen zur Geschwindigkeitsbegrenzung wird daher im Sinne der selbsterklärenden Straße und einer Überreglementierung in Graz abgesehen.
- Begegnungszone: Flächiges Queren und höhere Anzahl an Fußverkehr muss vorhanden sein; auf Grund der Nutzungen im Gebiet (hauptsächlich Wohnen) sind diese Voraussetzungen nicht vorhanden.