Die Steiermark zählt zu den erfolgreichsten Wissenschafts-, Forschungs- und Innovationsregionen Europas. Eine Finanzierungslücke der Universitäten, wie sie derzeit im Raum steht, würde die Steiermark besonders empfindlich treffen. Auf Initiative der Universität Graz haben Persönlichkeiten aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft gemeinsam darüber beraten, wie die Finanzierung der Universitäten für die kommende Leistungsvereinbarungsperiode 2028-2030 gestaltet werden kann. Mit dem Runden Tisch soll ein Beitrag zu einer sachlichen, gemeinsamen und lösungsorientierten Diskussion geleistet werden. Ziel ist es, eine tragfähige Grundlage für die weiteren Verhandlungen für die steirischen Unis zu schaffen und gemeinsam Perspektiven für die Zukunft der steirischen Wissensregion zu entwickeln.
Neben spürbaren Auswirkungen auf die Forschung und Innovationskraft der Region, würden die Kürzungen einen massiven Eingriff in die Zukunft der jungen Menschen bedeuten, deren positive Weiterentwicklung direkt an Betreuungsqualität, Studienbedingungen sowie auf die Breite des Studienangebots gekoppelt ist. Die Finanzierungslücke würde auch die Universitätsstädte Graz und Leoben schwer treffen. In der steirischen Landeshauptstadt leben 50.000 Studierende, ein Sechstel der Bevölkerung. Die rund 3.000 Studierenden in Leoben stellen mehr als zehn Prozent der Bevölkerung.
Universitäten schaffen Wertschöpfung weit über den Campus hinaus
Wenn das Budget wie kolportiert kommt, wird die Finanzierungslücke die Steiermark in besonderem Ausmaß treffen. Die Region erwirtschaftet mehr als ein Fünftel der gesamten österreichischen Forschungs- und Entwicklungsleistungen; rund ein Viertel davon entfällt auf die öffentlichen Hochschulen. Und auch die innovativen Unternehmen sind auf die an den Universitäten ausgebildeten Expertinnen und Experten angewiesen.
Für die neue Leistungsperiode 2028-2030 haben die österreichische Universitätenkonferenz (uniko) und die Universitäten vorausschauend einen ohnehin knapp bemessenen Finanzierungsbedarf von 18 Milliarden Euro errechnet. Der Bund aber geht weiter von einer Fortschreibung des bisherigen Uni-Budgets in der Höhe von 16,5 Milliarden Euro gesamt für die österreichischen Unis aus und kalkuliert nach derzeitigem Wissensstand darin auch jene Ausgaben in der Höhe von etwa 1 Milliarde Euro, die bisher nicht von den Universitäten direkt, sondern über andere Budgetquellen finanziert wurden. Auf den Punkt gebracht, würde dieser Budgetkurs eine Finanzierungslücke von insgesamt 2,5 Milliarden Euro für die österreichischen Universitäten für die nächste Leistungsperiode bedeuten.
Sparen, ohne Zukunftschancen zu verspielen
„Uns ist bewusst, dass wir in budgetär herausfordernden Zeiten leben. Die entscheidende Frage ist nicht, ob Universitäten sparen können. Das können und werden sie. Entscheidend ist, dass der Sparkurs nicht jene Strukturen beschädigt, die mit viel Anstrengung aufgebaut wurden und die wir Menschen für die Zukunft brauchen. Denn neben der klassischen Berufsausbildung und exzellenter Forschung verbindet eine Allgemeinuniversität unterschiedliche Disziplinen," betont Peter Riedler, Rektor der Universität Graz und dankt der ÖH-Uni Graz für diese gemeinsame Initiative zum Runden Tisch, die kurzerhand und auf Augenhöhe umgesetzt werden konnte.
„Bildung ist ein Menschenrecht und der Schlüssel für ein selbstbestimmtes Leben. Trotzdem soll jetzt genau hier massiv gekürzt werden! In Zeiten multipler Krisen und zunehmender gesellschaftlicher Spaltung sind genau deshalb ausfinanzierte Universitäten wichtiger denn je. Kürzungen setzen die Zukunftsperspektiven von uns Studierenden und Nachwuchsforschenden aufs Spiel und senden ein fatales Signal an die gesamte Gesellschaft", bringt Valentina Simschitz, ÖH-Vorsitzende Uni Graz die Sorge auf den Punkt.
„Dass die Steiermark mit 5,3 Prozent die höchste Forschungsquote Österreichs hat, ist kein Zufall, sondern Ergebnis der engen Verzahnung von Universitäten und Wirtschaft: Acht der fünfzehn österreichischen High-Tech-Forschungsprojekte im COMET-Programm werden von einem steirischen Universitätsinstitut geleitet und diese Forschung zieht Betriebe an. Der größte Teil des Ertrags ist aber gar nicht in diesen Zahlen sichtbar: Drei bis zehn Prozent des realen Wirtschaftswachstums gehen auf universitäre Forschung und Lehre zurück. Genau deshalb sind Kürzungen in diesem Bereich so gefährlich - schon fünf Prozent weniger Absolventinnen und Absolventen kosten Österreich langfristig 3,2 Milliarden Euro pro Jahr," betont Monika Köppl-Turyna, Direktorin von Eco Austria
Statements der Grazer Stadtpolitik
Elke Kahr, Bürgermeisterin der Universitätsstadt Graz:
„Graz ist eine Stadt, in der die Universitäten, Forschungs- und Bildungseinrichtungen eine ganz wesentliche Rolle spielen. Die wirtschaftliche und demografische Entwicklung ist eng mit den Universitäten verbunden. Eine positive Entwicklung des steirischen Zentralraums und seiner vielfältigen Wirtschaft ist ohne eine finanziell abgesicherte Bildungspolitik nicht vorstellbar. Deshalb ist eine tragfähige Finanzierung auch für die steirische Landeshauptstadt von größter Bedeutung."
Claudia Unger, Jugend-, Kultur- und Wissenschaftsstadträtin der Stadt Graz:
„Besonders Graz lebt von seinen Unis, von den Start-ups, die aus den Unis heraus gegründet werden, von den gut ausgebildeten jungen Menschen, die hier leben - vor allem aber auch vom kritischen Denken, das an den Unis gefördert wird. Die von Ministerin Holzleitner angedrohten Budgetkürzungen wären ein harter Schlag für Graz als Universitätsstadt, aber auch für den Wirtschaftsstandort - wir als ÖVP haben uns daher von Anfang an klar dagegen ausgesprochen. Öffentliche Bekenntnisse sind jedoch nicht genug - die Stadtpolitik muss auch das Ihrige dazu tun, um möglichst gute Rahmenbedingungen für Hochschulen, Forschungseinrichtungen, Kulturinitiativen und Betriebsansiedelungen zu schaffen."
René Apfelknab, Wirtschafts-, Bürger:innenamts- und Tierschutzstadtrat der Stadt Graz:
„Graz ist ein herausragender Universitäts-, Wissenschafts- und Forschungsstandort. Gerade in einer Phase, in der unsere Wirtschaft vor großen Herausforderungen steht und an Dynamik verloren hat, dürfen wir nicht bei jenen Bereichen sparen, die unsere Zukunft sichern. Als Wirtschaftsstadtrat ist mir die enge Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft, Forschung, Wirtschaft und Industrie ein ganz besonderes Anliegen. Wir brauchen einen starken Schulterschluss aller Beteiligten, denn Innovation entsteht dort, wo exzellente Ausbildung und Forschung mit unternehmerischer Praxis und wirtschaftlicher Umsetzung verbunden werden. Unsere Universitäten bilden die Fachkräfte von morgen aus, schaffen neues Wissen und sind ein wesentlicher Motor für Innovation, Wertschöpfung und Beschäftigung. Für Graz muss daher klar sein: Investitionen in Wissenschaft und Forschung sind Investitionen in die Zukunft unseres Wirtschaftsstandortes. Gerade jetzt braucht es Innovation, neue Ideen und eine enge, partnerschaftliche Zusammenarbeit, damit Graz auch künftig ein starker, wettbewerbsfähiger und zukunftsorientierter Wirtschafts- und Wissensstandort bleibt."


