Rund 6,8 Kilometer lang, 700 Millimeter Durchmesser und für bis zu 50 Prozent des Grazer Wasserbedarfs relevant: Mit der Erneuerung der Transportleitung TL700 wird eine der wichtigsten Verbindungen der Grazer Trinkwasserversorgung umfassend modernisiert. Ein weiterer zentraler Bauabschnitt in der Puntigamer Straße wurde unlängst fertiggestellt und ist seit einigen Tagen in Betrieb. Insgesamt investiert die Holding Graz rund 27 Millionen Euro in das Großprojekt.

Trinkwasser muss jederzeit zuverlässig zur Verfügung stehen - im Alltag ebenso wie bei außergewöhnlich hohem Bedarf oder möglichen Störungen. Eine zentrale Rolle spielt dabei das Wasserwerk Feldkirchen im Süden von Graz. Über die TL700 wird das dort gewonnene Trinkwasser in das Grazer Stadtgebiet transportiert. Im Durchschnitt decken Wasserwerk und Transportleitung rund 15 Prozent des täglichen Grazer Wasserbedarfs ab. In Spitzenzeiten oder bei Störfällen kann dieser Anteil auf bis zu 50 Prozent steigen.
Eine Lebensader der Grazer Wasserversorgung wird erneuert
Die bestehende Transportleitung wurde bereits 1950 errichtet und ist damit mehr als 75 Jahre alt. Die alte Leitung besteht aus Graugussrohren mit Stemmmuffen. Mit zunehmendem Alter stieg die Schadensanfälligkeit. Gleichzeitig verläuft die historische Trasse teilweise über private Grundstücke und in unmittelbarer Nähe von Wohngebäuden. Die umfassende Erneuerung schafft daher nicht nur eine moderne technische Infrastruktur, sondern verbessert auch die langfristige Betriebssicherheit.
Die neue TL700 führt vom Wasserwerk Feldkirchen bis in den Bereich Lagergasse/Karlauergürtel und ist rund 6,8 Kilometer lang. Ihren Namen verdankt sie ihrem Leitungsdurchmesser von 700 Millimetern. Die Erneuerung erfolgt abschnittsweise: 2025 konnten rund 50 Prozent der neuen Leitung zwischen Karlauergürtel und Gasrohrsteg verlegt und in Betrieb genommen werden. Der zweite Abschnitt vom Gasrohrsteg bis zum Wasserwerk Feldkirchen wurde Mitte Oktober 2026 abgeschlossen und am 21. Oktober 2026 in Betrieb genommen.
Von 7. April bis 3. Juli 2026 wurde zwischen der Puntigamer Brücke und der Puchstraße eine neue DN-300-Verbindungsleitung errichtet. Sie verbindet die neue Transportleitung mit den bestehenden Versorgungsleitungen und stellt damit weiterhin die Versorgung des Grazer Westens sicher. Die Arbeiten wurden mit der gleichzeitig errichteten Fernwärmeleitung koordiniert. Dadurch konnten zwei wichtige Infrastrukturvorhaben zeitlich und technisch aufeinander abgestimmt werden. Auch die verkehrlichen Auswirkungen ließen sich so bündeln.
Ein wesentlicher Abschnitt entstand entlang des rechten Murradwegs: Zwischen dem Gasrohrsteg und dem Bereich südlich der A2 wurde die neue Trinkwassertransportleitung auf einer Länge von rund 2,2 Kilometern verlegt. Dabei wurden nicht nur Wasserleitungen erneuert. Die Bauarbeiten wurden auch genutzt, um gleichzeitig weitere Infrastruktur für Strom, Beleuchtung und Telekommunikation zu errichten.
Insgesamt wurden im Zuge des Projekts rund 6.800 Meter Transportleitungen mit unterschiedlichen Durchmessern sowie rund 1.300 Meter zusätzliche Versorgungsleitungen hergestellt. Hinzu kommen rund 5.000 Meter Leerverrohrungen für Daten- und Stromkabel. Auch eine rund 4,5 Kilometer lange 20-kV-Stromtrasse, eine etwa 3,3 Kilometer lange Glasfasertrasse und eine rund 3,5 Kilometer lange Beleuchtungstrasse waren Teil der koordinierten Infrastrukturarbeiten.
Auch der Straßenraum wurde im Zuge der Arbeiten weiterentwickelt. Vorgesehen waren unter anderem rund 120 neue Fundamente für Beleuchtungsmasten sowie Verbesserungen und Anpassungen an den Radverkehrsanlagen. Im Bereich Rudersdorf wurde darüber hinaus durch die Energie Steiermark eine Betonmauer für den Hochwasserschutz errichtet.
Die Bündelung der verschiedenen Maßnahmen ermöglichte es, mehrere Infrastrukturprojekte gleichzeitig umzusetzen und die notwendigen Eingriffe in den Straßen- und Freiraum möglichst effizient zu koordinieren
Bis Sommer 2027 wird weitergebaut
Auch wenn mit der Fertigstellung des Abschnitts in der Puntigamer Straße ein wichtiger Projektschritt abgeschlossen wurde und die Trinkwasserleitung bereits in Betrieb genommen werden konnte, stehen bis zur Gesamtfertigstellung im Sommer 2027 noch weitere Bauarbeiten entlang der rund 6,8 Kilometer langen TL700 auf dem Programm.
In der ersten Jahreshälfte 2027 erfolgen Rest- und Wiederherstellungsarbeiten sowie umfangreiche Kabelverlegungsarbeiten für eine Blackoutversorgung des Wasserwerks Feldkirchen. Mit dem Abschluss dieser Arbeiten soll die neue TL700 im Sommer 2027 vollständig fertiggestellt sein und damit eine wichtige, langfristig sichere Verbindung zwischen dem Wasserwerk Feldkirchen und dem Grazer Trinkwassernetz bilden.
Mehr als eine neue Leitung
Die Modernisierung der TL700 ist Teil einer langfristigen Strategie für die Grazer Wasserressourcen. Neben Feldkirchen bilden die Wasserwerke Friesach und Andritz sowie das Hochschwabgebiet die wesentlichen Säulen der Grazer Trinkwasserversorgung. Zusätzlich verfügt Graz mit der TL900 über eine zweite große Transportleitung aus dem Norden. Damit wird die Versorgung auf mehrere Wasserressourcen und Transportwege abgestützt.
Die Bedeutung der Infrastruktur zeigt sich besonders in Spitzenzeiten: Wenn der Wasserbedarf deutlich steigt oder eine andere Versorgungsroute vorübergehend nicht zur Verfügung steht, kann die Verbindung aus Feldkirchen einen wesentlich größeren Anteil der Versorgung übernehmen.
Kreislaufwirtschaft bei neuen und alten Rohren
Bei der Erneuerung setzt die Holding Graz auf einen konsequenten Materialkreislauf. Die neuen Rohre werden von der Tiroler Rohre GmbH (TRM) geliefert und bestehen zu 100 Prozent aus recyceltem Material. Als Ausgangsmaterial kommt ausschließlich wiederverwerteter Stahlschrott zum Einsatz. Auch die neuen Rohre können nach ihrer Nutzungsdauer wieder vollständig recycelt werden.
Auch das Material der alten Leitung bleibt im Kreislauf: Beim Rückbau fallen rund 250 Tonnen Gussmaterial an. Dieses wird von TRM übernommen, aufbereitet und wieder dem industriellen Wertstoffkreislauf zugeführt. Auf rund 1.300 Metern entspricht die neue Trasse der alten Leitungsführung, wodurch dort der Rückbau der historischen Leitung möglich wird.
Auch die Natur wird mitgedacht
Die Erneuerung der TL700 wird auch mit Maßnahmen für den Natur- und Landschaftsschutz verbunden. Für die neue Trasse müssen rund 80 Bäume entfernt werden. Im Gegenzug sind 190 Neupflanzungen vorgesehen. Zudem werden im betroffenen Bereich vorkommende Fledermäuse und Reptilien fachgerecht umgesiedelt.
Damit geht es bei dem Großprojekt nicht nur um die Erneuerung einer mehrere Jahrzehnte alten Leitung. Es geht um eine Infrastruktur, die langfristig die Versorgungssicherheit erhöht, vorhandene Ressourcen effizient nutzt und gleichzeitig den Umgang mit Materialien und Eingriffen in den Naturraum berücksichtigt.
Investition in die Versorgungssicherheit
Für die Erneuerung der zentralen Transportleitung investiert die Holding Graz in den Jahren 2025 bis 2028 rund 27 Millionen Euro. Damit wird eine Infrastruktur modernisiert, die seit mehr als sieben Jahrzehnten eine wichtige Verbindung zwischen dem Wasserwerk Feldkirchen und dem Grazer Stadtgebiet darstellt.
Mit der schrittweisen Fertigstellung der neuen TL700 wird somit eine zentrale Voraussetzung geschaffen, damit Graz auch künftig über eine leistungsfähige und belastbare Trinkwasserversorgung verfügt.
Zahlen & Fakten zur TL700
- 6,8 Kilometer Länge
- 700 Millimeter Leitungsdurchmesser
- rund 27 Millionen Euro Investition
- 1950: Errichtung der ursprünglichen Leitung
- 15 Prozent des täglichen Grazer Wasserbedarfs über Feldkirchen
- bis zu 50 Prozent in Spitzenzeiten oder bei Störfällen
- rund 50 Prozent der neuen Leitung bereits 2025 verlegt und in Betrieb genommen
- 250 Tonnen altes Gussmaterial werden recycelt
- 100 Prozent Recyclingmaterial bei den neuen Rohren
- 80 Bäume werden für die neue Trasse entfernt
- 190 Bäume werden neu gepflanzt
- rund 1.300 Meter neue Trasse verlaufen auf der bisherigen Leitungstrasse
- Bauliche Fertigstellung der gesamten TL700: Sommer 2027
- 2028 Abschluss aller Behördenverfahren samt Förderungsabwicklung
Bürgermeisterin Elke Kahr: „Eine sichere Trinkwasserversorgung gehört zu den wichtigsten Grundlagen jeder Gemeinde. Die neue Transportleitung aus Feldkirchen sorgt dafür, dass die Versorgung unserer Stadt noch sicherer wird, und stärkt gleichzeitig die Krisenfestigkeit unserer Infrastruktur."
Vizebürgermeisterin Judith Schwentner: „Eine zukunftsfähige Stadt braucht eine Infrastruktur, die verlässlich funktioniert und gleichzeitig nachhaltig geplant wird. Mit der Erneuerung der TL700 stärken wir nicht nur die Versorgungssicherheit für die Grazerinnen und Grazer, sondern nutzten die Bauarbeiten auch, um weitere Leitungen für Energie, Telekommunikation und Beleuchtung zu bündeln. Dass dabei auf Ressourcenschonung und umfangreiche Ausgleichsmaßnahmen für Natur und Umwelt geachtet wird, macht dieses Projekt zu einem wichtigen Beispiel für eine moderne Stadtentwicklung."
Beteiligungsstadtrat Manfred Eber: „Eine sichere und verlässliche Trinkwasserversorgung ist eine der wichtigsten Aufgaben der öffentlichen Daseinsvorsorge. Mit der Erneuerung dieser Transportleitung investieren wir gezielt in eine leistungsfähige öffentliche Infrastruktur und stellen sicher, dass die Grazerinnen und Grazer auch langfristig mit hochwertigem Trinkwasser versorgt werden."
Holding Graz-CEO Gert Heigl: „Die Fertigstellung des Abschnitts in der Puntigamer Straße ist für uns ein besonderer Erfolg. Die neue Leitung bildet ein wichtiges Rückgrat der Grazer Trinkwasserversorgung und wird über Jahrzehnte hinweg einen verlässlichen Betrieb gewährleisten. Umso mehr freut es mich, dass die Arbeiten innerhalb des vorgesehenen Zeitrahmens und in höchster Qualität abgeschlossen werden konnten."
Holding Graz-Vorstandsdirektorin Alice Loidl: „Mit der Erneuerung der Transportleitung investieren wir in die Zukunftssicherheit der Grazer Wasserversorgung und legen dabei besonderen Wert auf das Thema Ressourcen. Der Einsatz von vollständig recycelbaren Rohren und die Wiederverwertung des ausgebauten Materials zeigen, dass leistungsfähige Infrastruktur und verantwortungsvoller Umgang mit Ressourcen Hand in Hand gehen können."
