Die Stadt Graz setzt mit der Biodiversitätsstrategie auf Maßnahmen zur Erhöhung der Artenvielfalt innerhalb der Stadtgrenzen. Ein zentrales Projekt ist "Wiesenvielfalt - Vielfaltswissen", das durch Bundesmittel gefördert wird. Ziel ist die ökologische Aufwertung von rund zehn Hektar Fläche durch Neuanlage von Blüh- und Streuobstwiesen, schonende Pflege und Schaffung von Lebensräumen für gefährdete Arten.
In den letzten Jahrzehnten sind viele wertvolle Wiesentypen in Graz verloren gegangen, was negative Auswirkungen auf die Ökosystemfunktionen hat. Die Stadt will diesem Trend durch ein nachhaltiges Pflegekonzept entgegenwirken, das Synergien zwischen verschiedenen Organisationen schafft und auf qualifizierte Mitarbeiter sowie klare Pflegehandbücher setzt. Neben Wiesen werden auch Projekte zum Schutz von Biotopbäumen, Blühwiesen und gefährdeten Tierarten gefördert. Graz liegt zudem in einem Gebiet mit besonders hoher Biodiversität, was die Bedeutung der lokalen Maßnahmen unterstreicht.
Die Biodiversitätsstrategie der Stadt Graz beinhaltet mehrere Maßnahmenbündel um die Biodiversität innerhalb der Stadtgrenzen zu erhöhen. Diese umfassen Artenschutz- und Biodiversitätsprojekte, unter anderem das Projekt "Wiesenvielfalt - Vielfaltswissen", das vom BMLUK gefördert wird.
Dieses Projekt wird durch den Biodiversitätsfonds des Bundesministeriums für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft gefördert.
Die biologische Vielfalt in Österreich nimmt seit Jahren stark ab. Besonders betroffen sind artenreiche Wiesen wie Feuchtwiesen, Halbtrockenrasen, Blühwiesen, Streuobstwiesen und extensiv genutzte Futterwiesen. Auch in Graz sind diese wertvollen Lebensräume durch intensive Nutzung, Bebauung, Versiegelung, mangelnde Pflege und invasive Pflanzenarten deutlich zurückgegangen.
🌼 Das Projekt "Wiesenvielfalt - Vielfaltswissen"
Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, setzt das Projekt ein umfassendes Maßnahmenpaket um. Ziel ist es, die Biodiversität im Stadtgebiet und am Stadtrand von Graz zu stärken. Dafür sollen über 20 Flächen mit insgesamt rund 10 Hektar ökologisch aufgewertet werden.
Geplant sind unter anderem:
- die Anlage neuer Blüh- und Streuobstwiesen
- die Umstellung auf eine schonende, extensive Pflege
- die Schaffung kleiner Feuchtlebensräume
- das Pflanzen von Hecken
- das Errichten kleiner Strukturen wie Steinhaufen oder Totholzbereiche
Begleitend dazu gibt es Öffentlichkeitsarbeit, Umweltbildungsangebote und ein Monitoring der Zielarten. Das Projekt unterstützt damit die Biodiversitätsstrategie Österreich 2030+ und stärkt die ökologische Widerstandsfähigkeit der Stadt.
🌱 Ausgangspunkt und Problemstellung
In Graz sind viele wertvolle Wiesentypen in den letzten Jahrzehnten verschwunden oder stark beeinträchtigt. Gründe dafür sind:
- häufiges Mähen, Mulchen oder Düngen
- der Verlust traditioneller Bewirtschaftungsformen wie extensive Mahd oder Beweidung
- Zersiedelung und Verinselung von Grünflächen
- die Ausbreitung invasiver Pflanzen wie Berufkraut, Knöterich, Robinie oder Götterbaum
Dadurch gehen Strukturvielfalt, Pflanzenarten und Tierarten verloren. Auch wichtige ökologische Funktionen wie Bestäubung, Bodenbildung oder Wasserrückhalt werden geschwächt.
Die im Projekt behandelten Wiesentypen sind für die Biodiversität in der Stadt besonders wichtig:
- Feuchtwiesen: Lebensraum für Amphibien, Libellen, Wiesenbrüter und spezialisierte Pflanzen
- Halbtrockenrasen: Hotspots für Wildbienen, Schmetterlinge und seltene Kräuter
- Blühwiesen: fördern Bestäuber und die genetische Vielfalt heimischer Pflanzen
- Streuobstwiesen: bieten über 5.000 Arten Lebensraum
- Extensivwiesen: unterstützen Bodenleben und Insektenvielfalt
Viele dieser Lebensräume gelten in Österreich als stark gefährdet.
🌳 Situation in Graz
Graz verfügt über zahlreiche Grünflächen, die großes Potenzial für Biodiversität haben. Gleichzeitig gibt es aber deutliche Defizite, wie z.B.
- Verlust artenreicher Wiesen
- Dominanz weniger Pflanzenarten auf intensiv gepflegten Flächen
- fehlende Nachpflanzungen in Streuobstbeständen
- Nutzungskonflikte zwischen Naturschutz und Freizeit
🛠️ Herausforderung: Anlage und Pflege vielfältiger Wiesen
Eine Herausforderung neben der Anlage ist die langfristige Sicherstellung einer passenden Pflege. Der Pflegezyklus der Flächen muss erst dem erwünschten Zielzustand angepasst werden und invasive Arten kontinuierlich entfernt werden. Die Stadt Graz möchte daher ein nachhaltiges Pflegekonzept entwickeln und langfristig verankern. Dazu gehören:
- Synergien zwischen Stadt Graz, Holding Graz und GBG identifizieren
- Schulungsangebote für Mitarbeiter:innen etablieren
- ökologische Standards in der biodiversitätsgerechten Grünraumbewirtschaftung verankern
- klare Pflegehandbücher für die nachhaltige Pflege vielfältiger Wiesen erarbeiten
Projekt "Wiesenvielfalt - Vielfaltswissen"
Fördersumme: 450.000 Euro
Projektzeitraum: 2025-2028
Bereits umgesetzt: Feuchtwiese ORF Park, Feuchtwiese Vogelschutzgebiet Weinzödel
Der Istzustand wird mittels der Auswertung verfügbarer Daten und Informationen zu Biotopen und Arten innerhalb der Stadt Graz sowie der Beauftragung von ergänzenden Erhebungen dokumentiert. Dies erfolgt unter Anwendung des Einsatzes von Werkzeugen der Fernerkundung (GIS), der Digitalisierung und anschließender Einarbeitung von vorhandenen Daten (Biotopkartierung 1989, Kartierungsdaten von Arten), der Beauftragung der Erhebung der aktuellen Biotopausstattung sowie repräsentativen Indikatorarten. Bei Projekten wie Blühwiesen und "Wiesenvielfalt-Vielfaltswissen" wird zusätzlich ein Monitoring der Arten durchgeführt.
Der Einsatz rechtlicher Instrumente zann zum verbesserten Schutz von bestehenden Flächen und Strukturen mit erhöhter ökologischer Wertigkeit (Insbesondere StNSchG20217) beitragen.
In der Online-Karte sind die Schutzgebiete eingezeichnet:
Schutzgebiete Natur Online-Karte
Die zugehörigen Verordnungen findet man hier:
Haus Graz-Flächen werden vermehrt als Biodiversitätsflächen ausgewiesen und gepflegt. Flächen mit Entwicklungspotential als Biodiversitätsflächen (insbesondere Flächen mit Renaturierungspotential) werden gezielt angekauft.
Ausschlaggebend für die Verbesserung von "Grünflächen" in Richtung Biodiversitätsflächen ist ein angepasstes und optimiertes Pflegemanagement. Der Fokus liegt hier insbesondere auf einer bis zwei Mahden pro Jahr mit anschließenden Mähgutabtransport bei Wiesen sowie der gezielten Anlage von Biotopstrukturen mit hoher ökologischer Wertigkeit.
Als verlässliche Partner haben sich z.B. die Naturwerkstadt und der Naturschutzbund erwiesen.





Die Möglichkeit für Projekte zum Schutz wertbestimmender Arten (Artenschutzprojekte -Bsp. gebäudebrütende Vogelarten, stadtbewohnende Fledermausarten etc.) wird kontinuierlich weiterentwickelt.










Projekte zur Förderung extensiver landwirtschaftlicher Kulturen und ökologisch wertvoller Lebensräume, z.B. Biotopbäume, Streuobstwiesen, Blühwiesen werden kontinuierlich umgesetzt.
Die Förderung der Lebensräume ist die Voraussetzung für das Vorkommen verschiedener Zielarten. So können z.B. in den Grazer Wäldern durch das bewusste Stehenlassen von abgestorbenen Bäumen ("Biotopbäume") wertvolle Lebensräume für gefährdete Arten wie den Alpenbock geschaffen werden.
Ein Projekt, das unter anderm aus dem Bürger:innenbudget finanziert wurde, ist das Blühwiesenprojekt. Blühwiesen, die im Sommer für bunte Farbtupfer im Grazer Stadtbild sorgen, sind nicht nur bei den Grazerinnen und Grazerinnen sehr beliebt, sondern auch bei unterschiedlichen Bestäubern (Bienen, Käfern etc.). Durch die große Pflanzenvielfalt werden viele verschiedene Arten angezogen. Für die Neuanlage und Pflege bestehender Blühwiesen können auch Patenschaften übernommen werden.






Das Grazer Stadtgebiet befindet sich im Bereich von drei Ökoregionen, wie sie im Report "Österreichische Hotspots der Biodiversität zur systematischen Naturschutzplanung" (Umweltbundesamt, 2024) definiert wurden.





