Der städtische öffentliche Verkehr in Graz wird derzeit von einem bereits umfangreichen Straßenbahnnetz und einem weitgehend flächendeckenden, aber historisch gewachsenen Autobusnetz getragen, sodass rund 90 Prozent der Grazer Wohnbevölkerung innerhalb eines Einzugsbereichs von 300 Metern Luftlinie mit einem öffentlichen Mobilitätsangebot erschlossen sind. Der Anteil des öffentlichen Verkehrs im Modal Split der Grazer Wohnbevölkerung betrug dabei im Jahr 2024 rund 22 Prozent. Mit dem (übergeordneten) Mobilitätsplan 2040 hat sich die Stadt Graz das Ziel gesetzt, den Anteil des Umweltverbunds auf 80% zu erhöhen, wobei der Anteil des öffentlichen Verkehrs etwa 25 Prozent des städtischen Modal Splits ausmachen soll.
Die wesentlichen Hebel für eine weitere Attraktivierung des öffentlichen Verkehrs werden dabei in den folgenden Punkten gesehen:
- mit der Straßenbahn verfügt die Stadt Graz bereits jetzt über ein leistungsfähiges öffentliches Verkehrssystem, das weiter beschleunigt und vor allem im Westen der Stadt zu erweitern ist
- mit dem Autobusnetz ist eine praktisch flächendeckende Erschließung des Stadtgebietes gegeben - eine Verdichtung des Angebots ermöglicht sowohl eine weitere Attraktivierung als auch Kapazitätssteigerung des öffentlichen Verkehrs, wobei auch - aber nicht nur - im Rahmen des Ausbaus der Straßenbahn Anpassungen vorzunehmen sein werden; gleichzeitig werden aber im Busverkehr Kapazitätslimits rascher erreicht als dies bei der Straßenbahn der Fall ist.
- umfassende Begleitmaßnahmen, etwa zur Verbesserung der betrieblichen und verkehrlichen Infrastruktur, Beschleunigung u.a. ermöglichen einerseits einen attraktiven und konkurrenzfähigen öffentlichen Verkehr, andererseits eine wirtschaftlich(er)e Betriebsführung
- mit flexiblen On-Demand-Angeboten wird der öffentliche Verkehr dort sinnvoll ergänzt, wo es die räumlichen Strukturen verlangen bzw. neue Nutzer:innengruppen für den öffentlichen Verkehr erschlossen werden
- das Verkehrsangebot der S-Bahn Steiermark liegt nicht in der (unmittelbaren) Aufgabenträgerschaft der Stadt Graz, stellt aber die Erreichbarkeit der Stadt Graz im öffentlichen Verkehr von außerhalb sicher und erbringt - ähnlich den Regionalbussen - in gewissem Ausmaße auch Verkehrsdienste innerhalb des Stadtgebiets.
Aus den im Herbst 2023 vom Gemeinderat beschlossenen Mobilitätszielen und dem prognostizierten Bevölkerungswachstum ergibt sich die Herausforderung, eine Nachfragesteigerung von rund 30 Prozent gegenüber derzeit, bis 2040 im städtischen öffentlichen Verkehr bewerkstelligen zu können. Vor diesem Hintergrund wurde der Masterplan Öffentlicher Verkehr Graz 2040 ausgearbeitet. Diese Steigerung kann nur mit massiven Erweiterungen der Infrastruktur und des Leistungsangebotes erfolgen. So wurde im Zuge des Masterplans ÖV ein Maßnahmenprogramm definiert, das sich aus den Erkenntnissen der Analyse der Ausgangslage, den bestehenden Planungen sowie aus den politischen Zielsetzungen herauskristallisierten.
Dazu zählen insbesondere folgende Maßnahmengruppen:
- Ausweitung des Straßenbahnnetzes um langfristig bis zu 20 Kilometern, mit der Priorität der Linie 8
- Kapazitätssteigerungen durch Intervallverdichtungen auf den meisten Linien (Straßenbahn und Bus)
- Ersatz der älteren Straßenbahnwagen durch neue, längere Fahrzeuge mit einer höheren Fahrgastkapazität. Weiters erhöht sich die Gesamtstückzahl langfristig auf bis zu rd. 151 Straßenbahnwagen aufgrund von Intervallverdichtungen und dem weiteren Netzausbau.
- Ausweitung und Dekarbonisierung der Busflotte ab dem Jahr 2030. Sukzessive Erhöhung des Fuhrparks auf rund 217 Busse (in Abhängigkeit der weiteren Intervallverdichtungen)
- Ausbau und Adaptierung der entsprechenden Abstell- und Wartungsinfrastruktur sowohl beim Straßenbahn- als auch Busbetrieb
- dabei wurde der Ausbau der Remise Steyrergasse mit Baustart Ende des Jahres 2025 im Gemeinderat beschlossen
- Ausbau der Remise III (Eggenberg/Alte Poststraße)
- Errichtung der Busabstellanlage in der Hedwig-Katschinka-Straße (vorbereitende Beschlüsse dazu wurden bereits gefasst)
- im Rahmen der Dekarbonisierung ist auch das Buscenter in der Kärntner Straße zu adaptieren
- Errichtung bzw. Modernisierung weiterer Nahverkehrsknoten (NVK) im Stadtgebiet (Gösting, Reininghaus, Wetzelsdorf, Webling, Straßgang) bzw. auch außerhalb des Stadtgebiets (Seiersberg, Raaba) zur weiteren effizienten Verflechtung zwischen Bahn und Stadt- bzw. Regionalverkehr
- Planung und Umsetzung von Vorhaben im Zielnetz / Rahmenplan der ÖBB, die für den S-Bahn-Verkehr in und um Graz relevant sind
- Untersuchungen und konzeptive Vorbereitungen zum S-Bahn-Tunnel Graz
Ergänzend tragen zahlreiche qualitative Maßnahmen zur weiteren Attraktivitätssteigerung des städtischen öffentlichen Verkehrs bei, darunter:
- den Anspruch einer „10-Minuten-Stadt" zu postulieren: innerhalb von zehn Gehminuten ist ein öffentliches Mobilitätsangebot erreichbar
- Fokus der Maßnahmen der „Pünktlichkeitsoffensive öffentlicher Verkehr" auf alle Straßenzüge der Kategorie 1 (d.h. Angebot alle 10 Minuten oder dichterer Takt im Tagesverkehr)
- Ausbau von Haltestellen gemäß Qualitätsstandards
- Ausbau des bestehenden und ggf. Einführen eines zusätzlichen Mobilitätsangebotes durch On-Demand-Verkehre in der Stadtregion Graz
- Weiterer Ausbau von tim-Carsharing in der Stadtregion Graz
- Weitere Digitalisierung im Vertrieb sowie Ausbau der Echtzeit-Abfahrtsdaten samt Anschluss- und Störungshinweise
- Vorbereitung für eine mögliche künftige (Teil-)Autonomisierung






