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Gegen Kälte des Winters und der Herzen

13.11.2018
Sozialstadtrat Kurt Hohensinner, Heimo Neumaier, Stefan Bottler-Hofer und Caritasdirektor Herbert Beiglböck in der am neuen Standort eröffneten Winternotschlafstelle © Caritas
Sozialstadtrat Kurt Hohensinner, Heimo Neumaier, Stefan Bottler-Hofer und Caritasdirektor Herbert Beiglböck in der am neuen Standort eröffneten Winternotschlafstelle© Caritas

„Dies ist eine Einrichtung gegen die Kälte des Winters und gegen die Kälte der Herzen": Mit diesen Worten hat Caritasdirektor Herbert Beiglböck bei einem Pressegespräch am Dienstag in Graz die Caritas-Winternotschlafstelle am neuen Standort am Eggenberger Gürtel vorgestellt, die am Donnerstag, 15. November, öffnen wird. Sozialstadtrat Kurt Hohensinner betonte: „Als soziale Stadt hat Graz die Mindestanforderung, dass niemand frieren und niemand Hunger haben soll". Stefan Bottler-Hofer, Leiter der Winternotschlafstelle, verwies auf die Dringlichkeit der Winternothilfe: „Bei Minusgraden die Nacht im Freien zu verbringen, kann lebensbedrohlich sein".

Die Winternotschlafstelle der Caritas ergänzt das Angebot der Caritas an Notschlafstellen während der kalten Jahreszeit und wird von 15. November bis Anfang April geöffnet sein. In den Räumen im Untergeschoss der Pfarre St. Lukas ist Platz für insgesamt 50 Männer, Frauen und Kinder. Sie erhalten dort ein kleines Abendessen, ein warmes Bett und Beratung über weitere Angebote der Nothilfe. Zudem wird ab Dezember zum zweiten Mal das Caritas Kältetelefon für Graz eingerichtet. Über die Telefonnummer 0676-88015-111 können Menschen in den Abendstunden, die den Schlafplatz eines Obdachlosen im Freien wahrnehmen, Hilfe anfordern. „Das Kältetelefon wird gänzlich über Freiwillige organisiert", hielt Bottler-Hofer fest.

Dichtes, soziales Netz

 „In Graz muss niemand frieren oder in der kalten Jahreszeit auf der Straße schlafen. Wir haben in der steirischen Landeshauptstadt gemeinsam mit unseren Partnern ein sehr engmaschiges, soziales Netz geknüpft. Vor allem im Bereich der Notschlafstellen verfügen wir über ein breites Angebot, das wir gemeinsam mit den VinziWerken und der Caritas bereitstellen können. Zusätzlich zu den ganzjährigen Angeboten, wird es auch heuer wieder eine eigene Winternotschlafstelle geben. Nachdem im letzten Jahr eine Überbrückungslösung notwendig war, freue ich mich, dass es heuer gelungen ist den neuen dauerhaften Standort in der Pfarre St. Lukas zu realisieren", erklärte Sozialstadtrat Kurt Hohensinner, "darüber hinaus gibt es eine weitere Neuerung: Erstmals wird im Sozialamt der Stadt Graz eine Datenbank geführt, die die aktuellen Belegungen aller Notschlafstellen erfasst und so schnelle und unbürokratische Vermittlung und Hilfe möglich macht. Nach den positiven Erfahrungen des letzten Jahres, wird auch wieder ein Kältetelefon für akute Hilfe eingerichtet. Wer einen obdachlosen Menschen auf der Straße wahrnimmt, kann über diese Hotline die Caritas informieren, damit in akuten Notlagen schnell und unkompliziert geholfen wird. Graz hat eine ungemein starke und engagierte Zivilgesellschaft. Ein Anruf genügt, um wichtige Mithilfe im Kampf gegen Obdachlosigkeit zu leisten. Wir alle dürfen unsere Augen vor diesem Problem nicht verschließen."

Freiwillige stärken gesellschaftlichen Zusammenhalt

Caritasdirektor Beiglböck sieht in dem Hilfsangebot, bei dem Ehrenamtliche einen großen Beitrag leisten auch eine Möglichkeit, den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu stärken: „Wir brauchen in unserer Gesellschaft, die immer stärker auseinanderdriftet, Räume, wo Begegnung möglich ist. So kann Verständnis für Schwächere wachsen".  Das Verständnis für  Minderheiten und das Hinschauen auf Schwächere seien ein wesentlicher Bestandteil unserer Demokratie: „ Dabei ist jeder einzelne gefordert, einen Beitrag zu leisten", betonte Beiglböck.

Vom Zivildiener zum Aktivisten für Obdachlose

Seinen eigenen Weg vom Zivildiener hin zu einem Aktivisten, der sich in spektakulären Aktionen für Obdachlose einsetzt, schilderte Heimo Neumaier:  „Ich kam als 18-Jähriger aus einem idyllischen Umfeld zum Zivildienst in die Notschlafstelle, und war erst einmal geschockt, dass es bei uns so viele Menschen ohne Zuhause gibt. Die Begegnungen mit den Menschen haben mich dann motiviert, mich für die Betroffenen zu engagieren." Im September wanderte Heimo mit StudienkollegInnen vom tiefsten Punkt Österreichs in Apleton am Neusiedler See auf den Großglockner: „Es war ein Weg von ganz unten nach ganz oben, um auf die die Situation Obdachloser aufmerksam zu machen und zu Spenden aufzurufen".

Michael Wildling

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