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Graz hat nun einen Klimaschutzbeauftragten

Umweltsystemwissenschafter Thomas Drage koordiniert künftig Klimaschutzthemen

07.10.2019
Thomas Drage (2. v. l.) ist Klimaschutzbeauftragter der Stadt Graz. Bürgermeister Siegfried Nagl (l.), Baudirektor Bertram Werle (3. v. l.) und Bürgermeister-Stellvertreter Mario Eustacchio sind überzeugt von der Qualifikation des Umweltsystemwissenschafters. Drage war bisher als Projektkoordinator im EU-Referat tätig. © Stadt Graz/Fischer
Thomas Drage (2. v. l.) ist Klimaschutzbeauftragter der Stadt Graz. Bürgermeister Siegfried Nagl (l.), Baudirektor Bertram Werle (3. v. l.) und Bürgermeister-Stellvertreter Mario Eustacchio sind überzeugt von der Qualifikation des Umweltsystemwissenschafters. Drage war bisher als Projektkoordinator im EU-Referat tätig.© Stadt Graz/Fischer

Die 30 Millionen Euro, die von der Stadt Graz in einem Fond für Klimaschutzmaßnahmen reserviert werden, sind erst der Anfang und der wichtige finanzielle Unterbau. Jetzt geht es an die Umsetzung konkreter Maßnahmen: Der studierte Umweltsystemwissenschaftler Dr. Thomas Drage, Projektkoordinator im EU-Referat der Stadtbaudirektion, wird Klimaschutzbeauftragter der Stadt. Zudem wird noch im heurigen Herbst ein Fachbeirat für Klimaschutz installiert, für dessen Arbeit bereits eine Geschäftsordnung ausgearbeitet wird. Auch gute Klimaschutz-Ideen aus der Bevölkerung sollen so eine Chance auf Verwirklichung erhalten.

Klimawandel auch in Graz schon messbar

Wie der Grazer Gemeinderat zuletzt im September beim Beschluss des mit 30 Millionen Euro gefüllten Klimaschutzfonds bestätigt hatte, ist der Klimawandel auch in Graz bereits deutlich spürbar und messbar - so ist die Durchschnittstemperatur seit 2001 um 1,4 Grad gestiegen. Auch die Vermehrung extremer Wetterereignisse wie Starkregen, Hochwasser oder Trockenperioden sowie der starke Anstieg der Zahl an Tropentagen und -nächten werden auf den Klimawandel zurückgeführt. Ein vom städtischen Umweltamt in Zusammenarbeit mit mehreren städtischen Abteilungen erstellter Aktionsplan wurde vom Gemeinderat beschlossen, mit der Koordination der Umsetzung wurde die Stadtbaudirektion beauftragt. Zusätzlich zur Anpassung an den Klimawandel durch Beschattungen im Stadtraum mittels neuer Bäume oder Fassadenbegrünung sollen Projekte und Maßnahmen umgesetzt werden, die einen positiven Beitrag zum Klimaschutz leisten.

 

Gesamteuropäische Aufgabe

Eine dieser Maßnahmen ist die Ernennung eines Klimaschutzbeauftragten, den man in Person des Projektkoordinators im EU-Referat der Stadtbaudirektion, Dr. Thomas Drage, gefunden hat. Mit seinem interdisziplinären Studium der Umweltsystemwissenschaften mit Schwerpunkt Nachhaltige Stadtentwicklung, seiner langjährigen Erfahrung als operativer Leiter des Zentrums für Bildung für Nachhaltige Entwicklungen der Karl-Franzens-Universität Graz sowie seiner Erfahrung in Sachen BürgerInnenbeteiligung und Koordinierung übergeordneter EU-Projekte in der Stadtbaudirektion bringt er die idealen Voraussetzungen mit, die vom noch heuer konstituierten Klimaschutzbeirat empfohlenen Maßnahmen in die Umsetzung zu führen. Der 34-Jährige sieht Klimaschutz auch als gesamteuropäische Aufgabe, weshalb die Ansiedlung dieser Aufgabe im städtischen EU-Referat sinnvoll sei: „Wir müssen den Klimaschutz global denken und lokal handeln - also Strategien verknüpfen und Maßnahmen umsetzen, um uns an die unvermeidbaren Folgen des Klimawandels anzupassen und unsere Klimaschutzziele zu erreichen. Maßnahmen sind etwa die Förderung von umweltfreundlicher Mobilität wie Öffentlicher Verkehr, zu Fuß gehen oder Radfahren, die Vermeidung von Flächenversiegelungen, die Schaffung von schattigen Aufenthaltsbereichen für Hitzetage, Fassaden- und Dachbegrünungen oder Photovoltaik und Wärmeschutz an Gebäuden." Mit seiner Erfahrung aus dem EU-Referat der Stadtbaudirektion hofft er auch, über europäische Ausschreibungen Zusatzfinanzierungen und neue Lösungen nach Graz holen zu können. Gute Konzepte und Initiativen gebe es ja schon - man müsse das Rad nicht neu erfinden.

Zur Verbesserung der Lebensqualität

Bürgermeister Mag. Siegfried Nagl und sein Stellvertreter Mag. (FH) Mario Eustacchio, die vor kurzem gemeinsam die Installierung des mit 30 Millionen Euro dotierten Klimaschutzfonds bekanntgegeben hatten, sprechen beim neuen Klimaschutzbeauftragten und dem Fachbeirat für Klimaschutz von den nächsten konkreten Schritten zur Verbesserung der Lebensqualität in der Stadt Graz. Nagl: „Graz ist Sitz des Green Tech Clusters - bereits jetzt haben wir die weltweit höchste Dichte an Umwelttechnologie-Unternehmen in der Steiermark. Mit unseren zusätzlichen Anstrengungen wollen wir Klima-Innovationsstadt Nummer 1 werden. In den vergangenen Jahren wurden die Investitionen in den Ausbau von Fernwärme und Öffentlichem Verkehr forciert. Aber damit geben wir uns nicht zufrieden. Begleitet von einem Klima-Fachbeirat werden wir neben dem Einsatz von Photovoltaik auf stadteigenen Gebäuden und 1.500 neuen Baumstandorten in der Stadt in Kürze weitere konkrete Maßnahmen vorstellen!"

Eustacchio ergänzt: „Jeder von uns kann mit geringem Aufwand im täglichen Leben viel zum Schutz vor den Auswirkungen des Klimawandels beitragen. Ich beispielsweise setze auf Regionalität und Saisonalität und kaufe gerne auf den Grazer Bauernmärkten direkt bei unseren steirischen Produzenten ein. Damit werden lange Transportwege und dadurch verursachte Emissionen vermieden, Verpackung eingespart und zusätzlich noch die heimische Wirtschaft gestärkt!" Zusätzlicher Bonus: Man bekommt qualitätsvolle Lebensmittel, die gut für die eigene Gesundheit sind, ein Einkaufserlebnis, das den persönlichen Bezug zum Bauern stärkt, und durch den Einkauf in den gewünschten Mengen statt vorverpackter Großpackungen würden auch weniger Lebensmittel verschwendet.

Stadt der kurzen Wege

Stadtbaudirektor DI Mag. Bertram Werle sieht den Klimaschutz „genau im Einklang mit unserer Strategie einer nachhaltigen Stadtentwicklung. Das ist ein weiterer Meilenstein in unserem Bemühen, eine energieeffiziente, ressourcenschonende, emissionsarme und CO2-neutrale Stadt mit höchster Lebensqualität zu entwickeln. Als Querschnittsthema wird der Klimaschutz noch stärker als ohnehin schon bisher ein Eckpfeiler unserer Stadtentwicklungsstrategie, wie wir sie schon in der Smart City oder in Reininghaus umsetzen!" Ein entscheidendes Ziel sei die „Stadt der kurzen Wege", in der alle Bedürfnisse des täglichen Lebens in fußläufiger Entfernung erreichbar seien. Wichtig fürs Gelingen des Projekts sei das geplante Ziel, auch Ideen aus der Bevölkerung eine - finanzielle - Chance auf Verwirklichung zu bieten, was mit Aufnahme der Arbeit der neuen Instrumente ab nächstem Jahr definitiv vorgesehen sein soll.

Von: Wolfgang Maget

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