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Sternenkind Box als steirisches Vorreiterprojekt

24.03.2021
Präsentation der Sternenkind Box: v.l. Rainer Juriatti (Projekt-Initiator), Eva Sommer (Hebamme), Vera Juriatti (Projekt-Initiatorin), Juliane Bogner-Strauß (Gesundheitslandesrätin), Ursula Molitschnig (Verein Rainbows), Kurt Hohensinner (Jugend-, Familien- und Sozialstadtrat)
Präsentation der Sternenkind Box: v.l. Rainer Juriatti (Projekt-Initiator), Eva Sommer (Hebamme), Vera Juriatti (Projekt-Initiatorin), Juliane Bogner-Strauß (Gesundheitslandesrätin), Ursula Molitschnig (Verein Rainbows), Kurt Hohensinner (Jugend-, Familien- und Sozialstadtrat)© Stadt Graz/Fischer

Der Tod eines Kindes ist das Schlimmste, das Eltern und der Familie passieren kann. Der Schmerz ist unsagbar groß, der Verlust kaum zu begreifen. Besonders schmerzlich ist es, wenn das Kind den Weg ins Leben erst gar nicht findet. Sternenkinder sind Kinder, die während der Schwangerschaft oder kurz nach der Geburt sterben. Zahlreiche Familien sind betroffen, viele von ihnen hüllen sich dazu in Schweigen. Eine die selbst um dieses Schweigen weiß ist Vera Juriatti, Projektinitiatorin, Kinderkrankenschwester und selbst fünffache Sternenkindmama. Es entspringt der Scham, sich nicht als Frau zu fühlen, es entspringt der Reaktion der Umwelt, die meint, man solle nach vorne sehen und nicht im Leid baden. Juriatti: „Je mehr das Umfeld mit Unverständnis reagiert, desto mehr fangen wir an zu schweigen. Wir sagen nicht mehr, dass wir schwanger sind. Wir sagen auch nicht mehr, dass wir ein Kind verloren haben. Wir gehen damit allein durch die Welt, um andere nicht damit zu belasten oder zu belästigen." Für die Projektinitiatorin ist die Realisierung der Sternenkind Box die Erfüllung eines lang gehegten Wunsches. „Die Box", so Vera Juriatti, „erleichtert es, meinem Kind einen Platz in unserer Gesellschaft zu geben. Das Schweigen kann gebrochen werden, ohne Gefahr zu laufen, lästig zu sein, zugleich ist die Box durch die Trägerschaft des Landes und der Landeshauptstadt ein offizielles Dokument, dass mein Kind und wir als Eltern gesehen werden, dass man von uns weiß, dass man unserem Kind Würde schenkt".

Österreichweit einzigartiges Projekt mit der Hoffnung auf Nachahmung

„Als Jugend- und Familienressort haben wir den Anspruch Eltern und Familien in allen Lebenslagen zu unterstützen", erklärt Jugend-, Familien- und Sozialstadtrat Kurt Hohensinner, „in vielen Fällen sind das sehr positive Ereignisse. Aber es gibt eben auch leider die anderen, die traurigen und sehr schmerzhaften Situationen. Mit dieser Sternenkind Box wollen wir die Eltern in dieser emotionalen Ausnahmesituation unterstützen. Sie ist von Sternenkind-Eltern für Sternenkind-Eltern konzipiert, soll Trost vermitteln, aber vor allem auch zeigen, dass man nicht allein ist. Ich hoffe, dieses berührende Pilotprojekt findet auch Nachahmer in den anderen Bundesländern."

„Nicht nur als Land Steiermark, sondern wir alle als Gesellschaft, müssen in Ausnahmesituationen für einander da sein. Gerade die letzten Monate haben bewiesen, dass Krisen nur gemeinsam zu bewältigen sind. Das Ableben eines Kindes ist das Schmerzhafteste, das Eltern passieren kann und gerade dann müssen sie Trost und Unterstützung erfahren. Mit der Sternenkind-Box soll auf dieses Tabuthema aufmerksam gemacht werden und den betroffenen Eltern das Gefühl vermittelt werden, dass sie in ihrer Trauer nicht alleine gelassen werden", so Gesundheits- und Familienlandesrätin Juliane Bogner-Strauß und sagt weiter: „Ich hoffe wirklich, dass mit diesem Vorreiterprojekt ein Signal gesetzt wird und die Stigmatisierung rund um Sternenkinder gelockert wird."

Trauer und der Blick nach vorne

Die Sternenkind Box wird von finanziell von der Stadt Graz und vom Land Steiermark getragen. Konzipiert und zusammengestellt wurde sie in liebevoller Kleinarbeit von den beiden Initiatoren Vera und Rainer Juriatti. Die Box soll eine Handreichung sein, vor allem in den ersten Stunden nach der stillen Geburt. Mütter/Eltern sollen ein „externes Zeichen" der Anerkenntnis ihrer schlimmen Situation erfahren und zugleich Informationen bekommen, ohne mit Unnötigem belastet zu werden. Den Einstieg in die Box bietet eine Trauerkarte mit dem Titel „Was bleibt, nennt man Liebe". Danach finden sich eine Fußabdruck- und eine Duftkarte. Auf so genannten Einladungskarten finden sich Informationen zu speziellen Angeboten, wie etwa Rainbows, EKIZ oder Psychotherapie. Auf einer Erinnerungskarte sind alle steirischen „Gedenkorte für zu früh verstorbene Kinder" aufgeführt. Abgerundet wird die Box vom Buch „Die Abwesenheit des Glücks", in dem ein Vater einen Brief an seinen verstorbenen Sohn schreibt und ihm von seinem Leben erzählt.

Nichts Schmerzvolleres, als sein Baby gehen lassen zu müssen

Die Sternenkind Box ist in enger Abstimmung mit Expertinnen und Experten entstanden: Eva Sommer, Hebamme und selbst dreifache Sternenkindmama weiß um den Klinikalltag, der oft wenig Platz für eine stille Geburt lässt. So ist die Berufserfahrene überzeugt, dass „das Tempo nicht von außen vorgegeben werden darf" und allein „die betroffenen Eltern Regie führen". Jede Mutter sei stolz darauf, ihr Kind auf die Welt zu bringen und eine gut begleitete, sogenannte „stille Geburt" lege den Grundstein für die Verarbeitung der tieftraurigen Erfahrung. „Es gibt wohl nichts Schmerzvolleres auf der Welt, als sein Baby gehen lassen zu müssen", weiß Sommer. „Die Momente nach der Geburt sind einmalig und unendlich kostbar, da sie unwiederbringlich sind. Die Zeit nach der Geburt darf den Eltern von niemandem genommen werden, da das einzige, das bleibt, die Erinnerung an diese Momente ist, die von einer immensen Sehnsucht begleitet wird. Jede Frau hat nach einer stillen Geburt all jene Symptome, die jede Mutter hat: Milcheinschuss, Wochenfluss und mehr. Und, dass eine Frau, nachdem sie ihr Kind verloren hat, nicht in einen allgemeinen Rückbildungskurs gehen möchte, ist verständlich. Deshalb bieten wir für verwaiste Mütter Einzelrückbildung und individuelle Beratung - auch online - an."

Geschwistertrauer: Wenn Eltern nicht sie selbst sind

Eine wichtige Anlaufstelle für Sternenkindeltern ist der Verein Rainbows, vor allem dann, wenn schon andere Kinder vorhanden sind. „Geschwisterkinder werden oft in ihrer Trauer übersehen, nicht wahrgenommen und mit ihren Gefühlen und Fantasien allein gelassen", weiß Ursula Molitschnig, „die Eltern scheinen nicht sie selbst zu sein. Kinder fühlen sich weniger wichtig und sind oft irritiert. Auch wenn es schwer fällt, es ist ganz wichtig, dass Eltern nicht zu Gefangenen ihrer Trauer werden. Bei vielen Kindern löst der Tod eine Vielzahl an Emotionen wie Angst, Trauer, Einsamkeit aber auch Wut aus. In vielen Fällen ziehen sie sich zurück oder sind überfordert." Der Verein Rainbows mit seiner 30-jährigen Erfahrung in der Steiermark bietet hier Unterstützungssettings an. Pro Jahr werden rund 80 Kinder nach dem Tod eines nahestehenden Menschen begleitet.

Michael Wildling

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