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Eine einzigartige Einrichtung

"Turtle Island" ist ein international renommierte Forschung- und Zuchtstation für Schildkröten

04.04.2022

Wohin man den Blick auch wendet: Überall wusselt und fusselt es nur so, kleine Becken, große Becken, riesige Pools, winzige Tupperwear-Schälchen sind voll mit Mini-Midi- und XL-Schildkröten. Viele unter Wärmelampen, noch mehr unter Wasser, einige faul auf Steinen, andere hungrig das Maul aufreißend, wenn sich Salatblätter oder Regenwürmer nähern. Was alle eint: Sie sind unglaublich faszinierende Lebewesen, die sich seit Urzeiten nicht verändert haben: Meeresschildkröten existieren seit 150 Millionen Jahren, Landschildkröten vermutlich sogar seit 250 Millionen Jahren.

Die weltweit größte und artenreichste Schildkröten-Erhaltungszuchtstation befindet sich in Graz und ist derzeit noch auf insgesamt vier Standorte über die Stadt hinweg verteilt. 210 verschiedene Schildkrötenarten, darunter 37 der 50 am stärksten gefährdeten und Nachzucht von drei ausgestorbenen Arten. Insgesamt 2.500 dieser beeindruckenden Tiere werden von Peter Praschag und seinem engagierten Team betreut. Der international anerkannte Wissenschaftler und Zoologe hat das Ziel, weltweit gefährdete Schildkrötenarten nachzuzüchten. Dafür reist er permanent um den Globus und tourt zwischen den vier Standorten in Graz hin und her.

Die Leidenschaft und Liebe zu Schildkröten hat ihn bereits als Kleinkind gepackt: "Ich konnte noch gar nicht sprechen, nur 'Grottl' oder so sagen, wenn ich die Schildkröten gemeint habe. Mit vier hat mir mein Vater meine erste Schildkröte, eine Schnappschildkröte, aus den USA mitgebracht. Ihr habe ich den Namen Schnappi gegeben", lacht der Wissenschaftler, der mit seinem Engagement längst in die Fußstapfen seines Vaters getreten ist. Auch dessen Lebens- und Forschungsmittelpunkt sind die Schildkröten. Praschags Sohn Kiran (13) ist sich da noch nicht so sicher. Ganz sicher wusste jedenfalls Shannon DiRuzzo was auf sie zu kommt wenn sie einen derart leidenschaftlichen Wissenschaftler heiratet. Selbst Tierärztin, hat sie sich jedoch bestens ihrem Schicksal gefügt und nahtlos ins Turtle-Island-Team eingereiht. International sind nicht nur dessen Netzwerke, sondern auch die wenigen Mitarbeiter:innen, die sich Peter Praschag leisten kann anzustellen. "Da bräuchten wir natürlich auch Verstärkung, fachlich geschultes Personal wäre wichtig."

Eine einzigartige Einrichtung auf die Graz stolz ist

Auch wenn sich Peter Praschag noch so sehr bemüht und versucht, die vier Standorte so artgerecht wie möglich einzurichten, so wäre ein zentralen mit den idealen Bedingungen für diese Tiere sein Traum. "Wir haben ja vor einigen Jahren das Haus neben der Volksschule Puntigam von der Stadt Graz dankenswerter Weise zur Verfügung gestellt bekommen und dürfen es heute noch nutzen. Doch ist es ebenso wie die anderen nicht optimal für den Erhalt und die Zucht geeignet." Die unterschiedlichen Arten haben natürlich auch ganz unterschiedliche Bedürfnisse, die zu berücksichtigen sind, um ihren Fortbestand zu gewährleisten.

Bürgermeisterin Elke Kahr war am Donnerstag, 31. März, auf Turtle Island zu Besuch und hat sich persönlich ein Bild von der tollen Arbeit, die dort geleistet wird, gemacht. Das Stadtoberhaupt zeigte sich tief beeindruckt von der Vielfalt der Schildkröten, die hier leben und von der internationalen Bedeutung, die die Forschungsstation hat: "Turtle Island ist eine einzigartige Einrichtung. Viele bedrohte Gattungen haben hier eine Heimat gefunden. Die Stadt Graz kann stolz auf diese Einrichtung sein. Wir werden Turtle Island weiter unterstützen und hoffen, dass es auf allen Ebenen die Bereitschaft gibt, im Sinne des Artenschutzes und der Forschung zur langfristigen Absicherung beizutragen."

Pläne für einen Neubau hat Praschag längt in der Tasche, sein Vater hat daran maßgeblich mitgewirkt. Vorgesehen sind dabei auch ein Besucher:innentrakt, wo große und kleine Gäste, diese Urzeit-Giganten kennenlernen und beobachten können.

 

Peter Praschag und seine Gattin Shannon DiRuzzo (r.) zeigen Elke Kahr (2. v. l.) und ihrer Mitarbeiterin Christine Barwick einen von insgesamt vier Standorten von Turtle Island. Dieser Anblick lädt zum Scherzen ein: Nagelschneiden wäre angesagt.In unzähligen Becken und Pools tummelt es sich nur so.Minischildkröten sind ein Anblick, den Peter Praschag gerne sieht: Nachwuchs ist wichtig und willkommen.Jede der verschiedenen Arten hat auch unterschiedliche Bedürfnisse. In diesem Fall ist kein Wasser erwünscht.Für Kinder ist Turtle Island ein unglaubliches Erlebnis. Wenn es nach der Vision des Wissenschaftlers geht, soll im neuen Gebäude auch ein Besucher:innentrakt fixer Bestandteil sein.Peter Praschag hält seine Schützlinge sicher im Arm. Nicht jeder davon mag gerne aufgehoben werden. Dennoch sind Schildkröten nicht abgeneigt, von Menschen Zuneigung zu erfahren.Erinnern an Schlangen: Langhalsschildkröten beim neugierigen Beobachten ihrer Beobachter:innen.Gerne in Gesellschaft: Schildkröten können alleine leben. In diesem Fall ist ein soziales Mitander auch ganz nett.Was fast aussieht wie Meeresalgen sind zerschnittene Planen, die den Schildkröten als Unterschlupf dienen.

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Ihre Kommentare (1)

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  • Veronika Winkler, 01.04.2022,
    Turtle Island

    Turtle Island von den Praschags ist wirklich sehr beeindruckend und sehenswert. Hoffentlich gibt es bald einen zentralen Schildkrötenzoo in dem die Besucher alles bestaunen können.